Robin Hood im Kino - Mit Kapuze, Pfeil und Bogen

Nach mehrjähriger Leinwandabstinenz zieht der Rächer der Enterbten endlich wieder seine Pfeile aus dem Köcher. Doch Otto Bathurst neuste Leinwandinterpretation scheint weder Kritik noch Publikum zu überzeugen und erlitt am US-Premierenwochenende Schiffbruch.
Dennoch ist der Neustart der actionlastigen Version der ideale Zeitpunkt für einen filmischen Rückblick auf einen der beliebtesten Roman- und Leinwandhelden der Geschichte...
1922: Robin Hood

Allan Dwans Interpretation ist eine der ersten aufwändigen Robin Hood-Verfilmungen in der Geschichte des Kinos. Die treibende Kraft hinter der Produktion war Hauptdarsteller Douglas Fairbanks, der auch die waghalsigen Stunts ausführte und als Produzent tätig war.
Mit Produktionskosten von 930'000 Dollar war Robin Hood eine der teuersten Filme seiner Zeit. Mit US-Verleiheinnahmen von 2,1 Mio. $ war er aber auch einer der erfolgreichsten Filme der 1920er Jahre und festigte Douglas Fairbanks Image als akrobatischer Draufgänger.
1938: Robin Hood - König der Vagabunden

Keiner kanns besser: Im farbenfrohen 1938er Abenteuer kämpft Frauenschwarm Errol Flynn um das Herz der attraktiven Marian (Olivia de Havilland) und gegen den intriganten Prinz John (Claude Rains). Dabei gelang Regisseur Michael Curtiz mit einem damals astronomischen Budget von rund 2,03 Mio. $ ein zeitloser Abenteuerklassiker und eine der besten Verfilmungen über den Rächer der Enterbten. Und auch an der Kinokasse ging die Rechnung auf: "Robin Hood - König der Vagabunden" brachte es weltweit auf Verleiheinnahmen von fast 4 Mio. $.
1946: Der Bandit und die Königin

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm: In diesem kunterbunten und familienfreundlichen Streifen kämpft Robin Hoods Sohn Robert (Cornel Wilde) für Recht und Gerechtigkeit. Obwohl der Film heute kaum noch jemandem bekannt sein dürfte, war er bei seiner Erstaufführung ein beträchtlicher Kassenhit. Dies nicht zuletzt aufgrund der grossen Popularität, die Cornel Wilde damals dank Kassenschlagern wie Polonais (1945) und Todsünde (1945) genoss.
1948: Robin Hoods grosse Liebe

Die Columbia-Picturs, die bereits schon "Der Bandit und die Königin" (1946) für ein Trinkgeld produzierte, machte läppische 400'000 Dollar für die Produktion locker. In die Rolle des Helden in Strumpfhosen schlüpfte diesemal Jon Hall, in die Rolle der Maid Marian Patricia Morison. Herausgekommen ist ein bemühtes B-Movie ohne hohen Wiedererkennungswert. Dieser Pfeil bleibt lieber im Köcher.
1952: Robin Hood und seine tollkühnen Gesellen

Die goldene Mitte: Waren die Robin Hood-Filme der 1940er-Jahre vornehmlich im B-Budget-Bereich vorzufinden, so wagte sich die MGM mit Robin Hood und seine tollkühnen Gesellen wieder in den mittleren Budgetbereich vor. Dabei gelang dem Produktionsstudio eine überraschend unterhaltsame Neuinterpretation des klassischen Filmstoffs. In der Titelrolle ist Frauenschwarm Richard Todd zu sehen. Mit US-Verleiheinnahmen von 2,1 Mio. $ war der Streifen ein solider Kassenerfolg.
1960: Robin Hood und die Piraten

Noch bevor er seine Fäuste als Old Shatterhand in den deutschen Karl May-Filmen schwingen konnte langte Lex Barker als Robin Hood zu. In dieser italienischen Produktion verbündet sich der Rächer der Enterbten mit Piraten um einem fiesen Tyrannen das Handwerk zu legen. Herausgekommen ist dabei ein typischer Massen-B-Film seiner Tage.
1960: Das Schwert des Robin Hood

Nachdem sich das britische Hammer Filmstudio Ende der 1950er Jahre bereits an Dracula vergriff (1958 mit Christopher Lee verfilmt), wagte es sich auch an den bogenschiessenden Folklore-Held. Das Endprodukt mit Richard Greene als Titelheld erwies sich zwar als durchschnittliche Filmkost, konnte aber immerhin in punkto Kameraarbeit und Darsteller überzeugen. Gedreht wurde der Streifen überwiegend in Irland.
1973: Robin Hood

Ja, auch Disney konnte seine Finger nicht von dem Volkshelden lassen. Dabei butterte das Animationsstudio immerhin 5 Mio. $ in die Zeichentrickversion und ersetzte die menschlichen Protagonisten kurzerhand mit tierischen. So ist Robin Hood ein schlauer Fuchs, während Prinz John als fieser Löwe daherkommt. Obwohl das Ergebnis zwar familientaugliche und solide Unterhaltung bot, konnten sich die Kritiker nicht so recht für den Streifen erwärmen. Dem Publikum jedoch gefiels und "Robin Hood" brachte es allein in den USA auf Verleiheinnahmen von 10,2 Mio. $. In Deutschland gabs die Goldene Leinwand für über 3 Millionen Kinobesucher.
1976: Robin und Marian

Robin Hood mal anders: Sean Connery mimt den beliebten Folklore-Held als alternder Kämpfer für Recht und Gerechtigkeit. An seiner Seite ist aber nach wie vor seine grosse Liebe Maid Marian, die hier von Audrey Hepburn verkörpert wird. Auch der Sheriff von Notingham (Rober Shaw), Little John (Nicol Williamson) und König Löwenherz (Richard Löwenherz) sind mit von der Partie.
Das Ende des Films gleicht jedoch mehr einem Shakespeare-Drama als einem klassischen Robin Hood-Film. Dies war sicher auch einer der Gründe, warum sich "Robin und Marian" an der Kinokasse schwer tat.
1991: Robin Hood - König der Diebe

Keiner zieht die Pfeile so cool aus dem Köcher wie Kevin Costner. Auf Augenhöhe mit Filmlegende Errol Flynn verkörpert er in der temporeichen Wiederbelebung der Robin Hood-Sage mit viel Charme und Ironie den Streiter für Recht und Gerechtigkeit. Doch auch Alan Rickmann als fieser Sheriff von Notingham trägt einiges zum Gelingen des Streifens bei.
Trotz gemischter Kritiken war "Robin Hood - König der Diebe" ein riesiger Kassenschlager und spielte weltweit 391 Mio. $ ein (inflationsbereinigt ca. 1,07 Mrd. $).
2010: Robin Hood

Back to the Roots: Brite Ridley Scott erzählt von den Anfängen Robin Hoods und lässt dabei seinen Lieblingsdarsteller Russell Crowe den Bogen spannen. Für sein visuell beeindruckendes Monumentalspektakel hatte er rund 200 Mio. $ zur Verfügung. Seine Interpretation dürfte damit - auch unter Berücksichtigung der Inflation - die wohl teuerste Robin Hood-Verfilmung in der Geschichte des Kinos sein. Gelohnt hat es sich leider nicht. Denn weder an den Kinokassen noch bei den Kritikern konnte die Origins-Story überzeugen.
2018: Robin Hood

Otto Bathurst wollte mit seinem 100 Mio. $ teuren Neuaufguss den Folkloreheld wieder auf Kurs bringen. Mit dem angesagten Jungstar und "Kingsmen"-Azubi Taron Egerton sowie den erfahrenen Charaktermimen Jamie Foxx und Ben Mendelsohn sah das ganze auch vielversprechend aus. Leider ging der Pfeil daneben und weder Kritik noch Publikum konnten sich für den Film begeistern.
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