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1950er: Die Monumentalfilmära


Während in den 1950er Jahren in den weltweiten Haushalten langsam der Fernseher seinen Einzug hielt, zeigte Hollywood im wahrsten Sinn des Wortes Grösse. Epen waren im Kino an der Tagesordnung und die Devise lautete Bigger is Better...

Anfang der 1950er Jahre stand Hollywood vor einer der grössten Bedrohungen in seiner noch jungen Geschichte. Diese ging von einem kleinen, viereckigen Flimmerkasten aus, der vermehrt Einzug in die amerikanischen Privathaushalte hielt und das Freizeitverhalten von Millionen Menschen zukünftig drastisch verändern sollte: Das Fernsehen.

 

Wie so häufig bei technischen Neuerungen hatte Hollywood ein ambivalentes Verhältnis zu dem neuen Medium. Einige Filmstudios wie z.B. Paramount wehrten sich vehement gegen das Fernsehen, während andere wie z.B. die Universal bereits früh gemeinsame Wege beschritten. Eines war jedoch schnell klar: Die Popularität des Fernsehens war nicht mehr zu bremsen.

 

Die Filmstudios mussten also ohnehin neue Strategien entwicklen, um dem markanten Zuschauerschwund entgegenzuwirken. Dabei griff Hollywood auf ein altbewährtes Motto zurück: "Klotzen, nicht Kleckern". Dem Publikum sollte zukünftig ein unvergleichliches und unvergessliches Kinoerlebnis geboten werden. Dafür mussten die Filmstudios jedoch tief in die Taschen greifen und auf der Leinwand episches bieten. Für diese Art der Unterhaltung eigneten sich natürlich vor allem Bigger-than-Life-Stoffe und diese fand Hollywood primär in den Geschichtsbüchern und religiösen Schriften der Menschheit.

 

Es war also kaum verwunderlich, dass in den 1950er Jahren Bibelfilme boomten wie kaum eine andere Art der Unterhalung. Filme wie "David und Bathseba" (1951), Quo vadis? (1951), "Das Gewand" (1953),  Die zehn Gebote (1956) oder Ben Hur (1959) brachten den Studios trotz hoher Investitionen traumhafte Umsätze. Dennoch setzte Hollywood bei den Monumentalfilmen nicht nur auf biblische Geschichten. So eigneten sich auch historische Ereignisse, Persönlichkeiten oder Epochen als Blaupause für vielversprechende Monumentalfilme.

 

Zu gross und breit fürs Fernsehen: Szene aus dem Monumentalepos "Sinuhe, der Ägpyter" (1954)
Zu gross und breit fürs Fernsehen: Szene aus dem Monumentalepos "Sinuhe, der Ägpyter" (1954)


So erzählt "Sinuhe, der Ägypter" (1954) z.B. die Geschichte eines ägyptischen Leibarzt des Pharao und lässt dabei in epischen Bildern das alte Ägypten sowie dessen Bräuche auferstehen. Ähnliches versuchte auch "Im Land der Pharaonen" (1955). Beide Filme wurden zudem im damals angesagten Breitbildformat CinemaScope gedreht. Doch während "Sinuhe, der Ägypter" mit einem weltweiten Verleiheinspiel von über 9 Mio. $ bei Produktionskosten von 3,9 Mio. $ noch ein ansehnlicher Erfolg war, hatte "Im Land der Pharaonen" weniger Glück.

 

Überhaupt ging die Bigger-is-Better-Devise nicht immer auf und Hollywood musste in unregelmässigen Abständen Rückschläge einstecken. So z.B. mit der 4 Mio. $ teuren Verfilmung des Lebens von Alexander dem Grossen. Obwohl der Streifen, der 1956 unter dem Titel "Alexander, der Grosse" erschien, mit Richard Burton einen der angesagtesten Stars der damaligen Zeit im Peto hatte, erlitt der Film an den Kinokassen Schiffbruch.

 

Ideal für episches Breitwandkino: Jule Vernes Abenteuerklassiker "In 80 Tagen um die Welt" (1956, David Niven und Cantiflas)
Ideal für episches Breitwandkino: Jule Vernes Abenteuerklassiker "In 80 Tagen um die Welt" (1956, David Niven und Cantiflas)


Neben historischen Persönlichkeiten oder Epochen dienten aber auch literarische Werke als ideale Vorlage für epische Leinwandadaptionen. Dabei entdeckte die Filmindustrie relativ schnell Klassiker wie Jules Vernes "In 80 Tagen um die Welt" oder Leo Tolstois "Krieg und Frieden". Für die Verfilmungen dieser beiden weltberühmten Stoffe blätterten die Studios je 6 Mio. $ hin - damals noch eine stolze Summe. Beide Filme erschienen 1956 in den Kinos und obwohl beide auf berühmten Vorlagen basieren konnte nur "In 80 Tagen um die Welt" Profite abwerfen. "Krieg und Frieden" blieb auf der Strecke. Dies führt Hollywood erneut die Unberechenbarkeit von Monumentalfilmen an der Kinokasse vor Augen.

 

Obwohl die 1950er Jahre mit dem Kassenphänomen "Ben Hur" ausklangen, bedeute dies noch lang nicht das Ende der Monumetalfilme. Noch bis Mitte der 1960er Jahre hinein entstanden aufwändige Epen, von denen insbesondere "Spartacus" (1960), "El Cid" (1961), "Lawrence von Arabien" (1962), "Cleopatra" (1963) und "Doktor Schiwago" (1965) erwähnenswert sind.

 

Mit der 1968er Revolution und der Einkehr gesellschaftlich relevanter Themen in die Kinos, verschwanden die Monumentalfilme zunehmend. Es war Zeit, dem New Hollywood Platz zu machen. Ein kurzlebiges Revival erfolgte erst im Jahre 2000 durch Ridley Scotts äusserst erfolgreiche Heldengeschichte "Gladiator" (mit Russell Crowe in der Titelrolle).

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