
Die 1950er Jahre waren eine Zeit des Wandels. Autoritäten wurden hinterfragt, alte Vorstellungen überholt, staatliche Kontrolle angeprangert und die Jugend begehrte auf. In diesem Klima der Umwälzungen stiegen Rebellen wie Marlon Brando oder James Dean zu Ikonen auf und veränderten die Filmlandschaft sowie das Schauspiel nachhaltig...
Obwohl der Kalte Krieg und Senator Joseph McCarty einiges dazu beitrugen, ein Klima der Angst in der amerikanischen Öffentlichkeit aufrechtzuerhalten, regte sich auch Widerstand. Insbesondere in der Jugendkultur war ein Aufbegehren gegen Fremdbestimmtheit und Autorität zu spüren, welches u.a. durch rebellische Idole wie Marlon Brando, James Dean und Montgomery Clift ein Gesicht erhielt. Es entstanden vermehrt Filme in denen gängige Konventionen in Frage gestellt oder unangenehme Themen in den Vordergrund gerückt wurden.
Bereits zu Beginn der Dekade sorgte Elia Kazans verstörendes Drama "Endstation Sehnsucht" (1951) für Aufsehen. Basierend auf dem gleichnamigen Bühnenstück von Tennessee Williams erzählt der Streifen die Geschichte der vornehmen Blanche (Vivien Leigh), welche vom brutalen Ehemann (Marlon Brando) ihrer Schwester vergewaltigt wird. Marlon Brando überraschte damals Kritik- und Publikum mit seiner ungewöhnlich intensiven Darstellung und heimste kurzerhand seine erste Oscarnominierung ein.
Ging es in "Endstation Sehnsucht" vor allem um psychologische sowie sexuelle Unterdrückung, so nahm sich George Stevens Melodram "Ein Platz an der Sonne" (1951) den dunklen Seiten des gesellschaftlichen Aufstiegs an. In der Hauptrolle besticht Montgomery Clift als erfolgshungriger Aufsteiger, der sich auf eine tragische Liebesaffäre mit einer wohlhabenden Unternehmenstochter (Elizabeth Taylor) einlässt, dafür einen Mord begeht und schliesslich mit der Todesstrafe bezahlen muss. Genauso wie Brando entstieg auch Clift Lee Strasbergs berühmtem Actors Studio.
Wie bereits "Endstation Sehnsucht" war auch "Ein Platz in der Sonne" an den Kinokassen ein Riesenhit und brachte es allein in den USA auf Verleiheinnahmen von 3,5 Mio. $ (nur 750'000 $ weniger als "Endstation Sehnsucht").

Vier Jahre nach "Endstation Sehnsucht" und "Ein Platz an der Sonne" griff "Der Mann mit dem goldenen Arm" 1955 ein weiteres Tabuthema auf: Drogenabhängigkeit. In Otto Premingers Romanverfilmung verkörpert Frank Sinatra einen heroinabhängigen Kartenspieler, der nach einem Knastaufenthalt versucht, clean zu werden. Trotz des seinerzeit heiklen Themas erwies sich "Der Mann mit dem goldenen Arm" mit US-Verleiheinnahmen von 4,1 Mio. $ als solider Kassenerfolg und erhielt insgesamt drei Oscarnominierungen (u.a. für Hauptdarsteller Sinatra).
Der Bruch mit weiteren Tabuthemen liess nicht lange auf sich Warten und so behandelten Filme wie "Glut unter der Asche" (1957), "Die Katze auf dem heissen Blechdach" (1958), "Plötzlich im letzten Sommer" (1959), "Alle meine Träume" (1959) oder "Die Sommerinsel" (1959) Themen wie Ehebruch, häusliche Gewalt, Inzest, gesellschaftliche Bigotterie, Rassismus, ungewollte Teenagerschwangerschaften, Homosexualität, Prostitution oder Geisteskrankheiten.

Nicht nur gesellschaftliche Tabuthemen sondern auch das Verhältnis zwischen Jugendlichen und Erwachsenen erfuhr in den 1950ern eine filmische Neuinterpretation. Zu den bekanntesten Werken zählen zweifelsohne "Der Wilde" (1953), "Jenseits von Eden" (1955), ...denn sie wissen nicht was sie tun (1955) und "Saat der Gewalt" (1955).
Allen Filmen ist eine Auflehnung der Jugend gegen die autoritären Strukturen der Erwachsenenwelt eigen. Sind es in "Jenseits von Eden" althergebrachte Familientraditionen, so werden in "...denn sie wissen nicht, was sie tun" und "Saat der Gewalt" die Strukturen öffentlicher Institutionen angeprangert.
Besonders in Erinnerung blieb jedoch Laszlo Benedickts "Der Wilde" (1953). In dem Streifen spielt Marlon Brando den Anführer einer Motorradgang, die in einer Kleindstadt für Aufruhr sorgt. Mit seiner Darstellung und seinem Kleidungsstil avancierte Brando zur Ikone der Jugendbewegung. Dem Film selbst wurde angedichtet, dass er die Jugend zu kriminellem Verhalten animiere. Dies hatte zur Folge das "Der Wilde" in Grossbritanien bis zum Jahre 1968 verboten wurde.
Besonders erwähnenswert ist auch Nicholas Rays "...denn sie wissen nicht, was sie tun", in dessen Zentrum James Dean als problemgeplagter Jugendlicher steht. Als solcher kommt er des öftern mit dem Gesetz und Jugendbanden in Konflikt und liefert sich halsbrecherische Autorennen.
Durch den Film wurde Dean über Nacht zum gefeierten Jugendidol und sein frühzeitiger Tod trug einiges zu seiner Mythisierung als Inbegriff des rebellischen Jugendlichen bei.
Verwandte Artikel:
- 1950er: Die Teenager erobern Hollywood
Quellen:
- Wikipedia (englisch und deutsch, diverse Recherchen)
- www.imdb.com (Trivia)
- "The Classical Hollywood Reader" (12.11.2012)
Kommentar schreiben