
Die 2000er Jahre erlebten eine kurze Zeit der Wiederbelebung des Antikfilm. Auslöser war Ridley Scotts phänomenal erfolgreiches Römerepos "Gladiator" (2000). Plötzlich waren klirrende
Schwerter und fliegende Lanzen wieder der Trend der Stunde...
Lange Zeit war die grosse Leinwand für den Antik- und Mittelalterfilm tabu. Während in den 1950er und 1960er-Jahren epische Filme wie Pilze aus dem Boden schossen, wurde es in den Folgejahrzehnten ruhig um das grosse Kino. Die enormen Produktionskosten waren einfach zu hoch und der Antik- und Mittelalterfilm war kaum mehr salonfähig. Seinen Platz nahm im Kino dafür der Science-Fiction- und Actionfilm ein.
Doch püntklich zur Jahrtausendwende belebte kein geringerer als Ridley Scott (Alien - Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt, Blade Runner) den Antikfilm zu neuem Leben. Mit Gladiator (2000) lieferte er nicht nur oscarprämiertes Monumentalkino sondern entfachte auch einen Boom in Hollywood. Die Studiobosse machten nach jahrzehntelangem Zögern endlich wieder die grossen Scheine locker, um das Kinopublikum in seinen Bann und längst vergangene Zeiten zu ziehen.
Welche Filme es in die Kinos schafften erfahren Sie in diesem Artikel...

2000: Gladiator
Der Film, der alles ins Rollen brachte: Ridley Scotts 103 Mio. $ teures Heldenepos erzählt in visuell beeindruckenden Bildern vom römischen General Maximus (Oscarprämiert: Russell Crowe), der zum Gladiator wird und sich am tyrannischen Kaiser Commodus (Joaquin Phoenix) für den Tod an seiner Familie rächen will. Insgesamt fünf Oscars, ein weltweites Box-Office von 461 Mio. $ (ca. 1,12 Mrd. in 2024-$) und euphorische Kritiken machten den Streifen zum Überraschungshit des Jahres. Aktuell entsteht wider aller Erwartungen eine Fortsetzung (!), die noch 2024 in den Kinos kommen soll. Regie führt erneut Ridley Scott. In den Hauptrollen sind u.a. Newcomer Paul Mescal und "Mandalorian"-Star Pedro Pascal zu sehen. Das Budget wird auf rund 250 Mio. $ geschätzt.

2001: Ritter aus Leidenschaft
Ein unkonventioneller und erfrischender Beitrag zum Antikfilm der 2000er: In "Ritter aus Leidenschaft" gibt sich ein Bauernknappe (Heath Ledger, The Dark Knight) als Ritter aus und sorgt so für allerhand Ärger. Der Streifen geizt dabei nicht mit Selbstironie und Humor und haut dem Zuschauer einen rockigen Soundtrack um die Ohren. Heath Ledger wurde von Regisseur Brian Helgeland ausgewählt, weil er ihn in einigen Rohaufnahmen vom damals noch in der Produktion befindlichen Bürgerkriegsepos "Der Patriot" (2000) sah. Diese überzeugten ihn sofort von Ledgers Qualitäten. An den Kinokassen funktionierte "Ritter aus Leidenschaft" überraschend gut und spielte bei Produktionskosten von 65 Mio. $ weltweit 118 Mio. $ ein (ca. 270 Mio. in 2024-$).

2004: King Arthur
Ganz myhtenfrei und mit viel Brutalität erzählt dieser Streifen von den Anfängen der berühmten Sage um König Arthus. In "King Arthur" sucht man aber sowohl das Schwert Excalibur als auch die berühmte Tafelrunde oder den Heiligen Gral vergebens. Auch von Zauberer Merlin ist weit und breit keine Spur. Antoine Fuquas Streifen versucht diese Mängel durch viel handfeste Action zu kaschieren, bringt aber dennoch nur durchschnittliches Action-Popcornkino in antikem Gewand zustande. Kein Wunder blieb der 120 Mio. $ teure Streifen trotz Hans Zimmers wuchtigem Soundtrack und dem imposanten Cast (u.a. Clive Owen, Keira Knightley, Stellan Skarsgård und Mads Mikkelsen) an den Kinokassen weit hinter den Erwartungen zurück (Box-Office weltweit: 204 Mio. $). Da die Kinofassung um einige Brutatlitäten und Blutspritzer entschärft wurde, folgte ebenfalls 2004 ein Director's Cut, der aber von der FSK erst ab 16 Jahren freigegeben wurde.

2004: Alexander
Der Hang zum Realismus im Antikfilm lockte auch Hollywoods grössten Verschwörungstheoretiker aus der Reserve: Oliver Stone. Bereits länger liebäugelte der umstrittene Regisseur mit der historisch so prägenden Figur von Alexander des Grossen und konnte schliesslich 155 Mio. $ zusammenkratzen. Sein opulentens und historisch frei erzähltes Epos scheiterte jedoch trotz Topbesetzung (Colin Farrell, Angelina Jolie, Val Kilmer, Jared Leto, Rosario Dawson und Anthony Hopkins) sowohl bei den Kritkern als auch an der Kinokasse (Box-Office weltweit: 167 Mio. $). Zu allem Übel wurde "Alexander" auch noch für insgesamt sechs Goldene Himbeeren nominiert - dem Äquivalent des Anti-Oscar. An der dürftigen Qualität des Streifens konnten auch zwei weiteren Schnittfassungen - der Final Cut und der Ultimate Cut - nicht viel ändern.

2004: Troja
Genau wie "King Arthur" im selben Jahr, erzählt auch "Das Boot"-Regisseur Wolfgang Petersen die berühmte griechische Sage um das trojanische Pferd komplett mythenfrei. Seine Megabudget-Produktion
(Kosten: 185 Mio. $) ist dabei primär ein opulentes Schlachtengemälde mit viel Action und einer überschaubaren Handlung. Das ganze ist aber handwerklich solide inszeniert und weiss trotz
zahlreicher Schwächen über die vollen 162 Minuten zu unterhalten. An den Kinokassen war "Troja" mit einem weltweiten Box-Office von 497 Mio. $ ein gigantischer Kassenschlager und hielt so dass
Interesse am Antikfilm weiter am Leben. In Deutschland mutierte er mit 4,42 Millionen Eintritten zu einem der erfolgreichsten Antikfilme überhaupt und war gar erfolgreicher als der weitaus
bessere "Gladiator" (3,57 Millionen Eintritte). Eine um 36 Minuten längere Fassung erschien 2007 auf DVD, wurde aber von der FSK erst ab 16 Jahren
freigegeben.

2005: Königreich der Himmel
Ridley Scott meldete sich fünf Jahre nach seiner fulminanten Wiederbelebung des Antik- und Mittelalterfilms durch Gladiator (2000) zurück und lieferte auch mit "Königreich der Himmel" ein überzeugendes Werk ab. Insbesondere der um 46 Minuten längere Director's Cut des Films ist dabei eine Wucht. Seine 130 Mio. $ teure Geschichte um den jungen Hufschmid Balian (Orlando Bloom), der nach Jerusalem flieht und dort als Kreuzritter die Stadt gegen den Eroberer Saladin verteidigen muss, überrascht dabei mit einer äusserst akkuraten Schilderung des mittelalterlichen Lebens. An den Kinokassen floppte das Plädoyer für Toleranz und Völkerverständigung jedoch (weltweites Box-Office: "nur" 218 Mio. $) und sorgte damit für ein frühes Ende der Antikfilmwelle im Kino.

2006: Tristan & Isolde
"Robin Hood - König der Diebe"-Regisseur Kevin Reynolds wagte mit diesem Streifen einen weiteren Ausflug in die Mythen- und Sagenwelt Grossbritanniens. Dabei dreht sich alles um die tragische und unerfüllte Liebe zwischen dem Soldaten Tristan (James Franco) und der Königstochter Isolde (Sophia Myles). Die beiden geraten zwischen die Fronten politischer Machtspiele zwischen irischen und britischen Fürsten. Die Romeo-und-Julia-Geschichte bietet solides Mittelalterkino ohne höhere Ambitionen und wurde von Gladiator-Schöpfer Ridley Scott produziert. An den Kinokassen erlitt der Streifen jedoch Schiffbruch und in Deutschland konnte er nicht einmal die 100'000-Besucher-Marke knacken.

2007: 300
Dieses visuell äusserst ästhetisch in Szene gesetzte Schlachtengemälde erzählt die Geschichte von 300 Spartanern, die unter der Führung des charismatischen Leonidas (Gerard Butler) gegen ein gewaltiges griechisches Heer in den Krieg ziehen. Als Vorlage diente Frank Millers gleichnamiges Graphic Novel, welches 1998 erstmals von den Dark Horse Comics veröffentlicht wurde. Regisseur Zack Snyder ("Watchmen - Die Wächter", 2009, "Man of Steel", 2013) bewies mit "300" erstmals sein Talent für visuell einvernehmende Unterhaltung und bescherte dem Antikfilm einen ebenso unkonventionellen wie blutigen Beitrag. Trotz der Vorwürfe faschistoider Tendenzen, welche einige in den Streifen hineininterpretierten, wurde "300" mit einem weltweiten Box-Office von 456 Mio. $ ein riesiger Hit.

2007: Elizabeth - Das goldene Königreich
In Shekhar Kapurs 55 Mio. $ teurer Fortsetzung des Überraschungshits "Elizabeth" (1998) dreht sich alles um die turbulente Regenschaft von Königin Elizabeth I. (erneut von Cate Blanchett dargestellt). Diese muss sich sowohl gegen höfische Intrigen als auch eine spanische Armada erwehren. Nebenbei erlebt sie die Hochs und Tiefs der Liebe und ergeht nur knapp einem Attentat. Bei den Kritikern schnitt das Werk eher schlecht ab, in einem jedoch war man sich einig: Cate Blanchett überzeugt zum zweiten Mal als problemgeplagte Monarchin. An den Kinokassen liefs diesmal aber nicht mehr so gut und mit einem weltweiten Box-Office von knapp 76 Mio. $ bliebt der Streifen hinter den Erwartungen zurück. Als künstlerischer Ausgleich wurden immerhin die Kostüme mit einem Oscar belohnt.

2007: Die letzte Legion
Rom im Jahr 470 nach Christus: Der gerademal 12-jährige Kaiser Romulus Augustus (Thomas Sangster) wird von einer Horde gotischer Barbaren entführt. Kurzerhand machen sich dessen väterlicher Lehrmeister Ambrosius (Ben Kingsley), der Chef seiner Leibgarde Aurelius (Colin Firth) und die geheimnisvolle ostländische Amazone Mira (Aishwarya Rai) auf, um ihren Kaiser zu befreien. Trotz eines stattlichen Budgets von 67 Mio. $ und einer ansehnlichen Besetzung (u.a. Colin Firth, Ben Kingsley und Aishwarya Rai) bietet der Streifen wenig Neues und unterhält primär als actiongeladenes, aber inhaltsleeres Schlachtengemälde. Kein Wunder floppte "Die letzte Legion" sowohl an den Kinokassen (Box-Office weltweit: 25 Mio. $) als auch bei den Kritikern.

2009: Die Päpstin
Antikfilm made in Germany: In Sönke Wortmanns ("Der bewegte Mann", 1994) opulent bebilderten Streifen geht es um die wissbegierige und redegewandte Johanna (Johanna Wokalek), die es auf zahlreichen Umwegen u.a. in einen Mönchsorden schafft und schliesslich bis zur römischen Päpstin aufsteigt. Die rund 22 Mio. Euro teure Umsetzung von US-Schriftstellerin Donna Woolfolk Cross gleichnamigem Roman wurde von der Kritik zwiespältig aufgenommen. Das Publikum jedoch liebte den Streifen und machte ihn mit 2,53 Millionen Eintritten zu einer der erfolgreichsten deutschen Produktionen des Jahres 2009. Zeitgleich zur Kinoversion entstand übrigens auch eine verlängerte TV-Version, welche erstmals am 19.12.2011 im Ersten gezeigt wurde.
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