
"Der dritte Mann" ist ein atmosphärisch exzellenter, schauspielerisch herausragender und inszenatorisch makelloser Kriminalfilm. Zu den unvergesslichen filmischen Highlights zählen u.a. die Szene im Prater-Riesenrad und die finale Verfolgungsjagd in der Wiener Kanalisation.
Story
Wien, 1948: Die Stadt ist in vier Besatzungszonen der Grossmächte USA, Sowjetunion, Frankreich und Grossbritannien aufgeteilt. Inmitten dieses politischen Schmelztiegels verschlägt es den amerikanischen Schriftsteller Holly Martins (Joseph Cotton). Dieser will dort seinen Jugendfreund Harry Lime (Orson Welles) besuchen, der für den finanziell angeschlagenen Autor Arbeit hat. Vor Ort muss er jedoch erfahren, dass Lime angeblich bei einem Autounfall ums Leben kam. Von dem britischen Major Calloway (Trevor Howard) erfährt er ausserdem, dass Lime in den Schwarzhandel verwickelt war. Martins kann dies nicht glauben und stellt eigene Nachforschungen an...
Hintergrund
Um für sein Drehbuch zu Recherchieren reiste Autor Graham Greene eigens nach Wien. Inspiration erhielt er dort insbesondere durch einen Besuch in der örtlichen Kanalisation und durch einen britischen Offizier, der ihm von einem Ring von Penicilin-Schiebern erzählte.
Produzent Alexander Korda ("Der Dieb von Bagdad", 1940) stemmte die Produktion mit Hilfe von David O. Selznick. Dieser stellt u.a. die bei ihm damals unter Vertrag stehenden Hauptdarsteller Joseph Cotten und Alida Vali zur Verfügung. Im Gegenzug forderte Selznick jedoch die gesamten Einnahmen aus der US-Filmverwertung sowie das Recht auf die finale Schnittfassung für den amerikanischen Markt.
Orson Welles konnte für eine Gage von 100'000 $ verplichte werden. Welles behauptete später, die Dialog für seine Figur selbst geschrieben zu haben. Dies wurde jedoch von mehreren an der Produktion beteiligten Personen in Frage gestellt. Die "Kuckucksuhr"-Rede stammt jedoch von Welles selbst und basierte auf einem Zitat von Winston Churchill aus dem Jahre 1938.
An den Kinokassen war "Der dritte Mann" nur im Ausland ein Erfolg. An den US-Kinokassen blieb er weit hinter den Erwartungen zurück und spielte lediglich etwas mehr als 2 Mio. $ für den Verleiher ein. Damit platzierte er sich nicht mal unter den Top 30 des Jahres 1949. In Frankreich hingegen war er mit über 5,7 Millionen Eintritten ein Riesenerfolg und rangierte auf Platz drei der Jahrescharts von 1949. Und auch in England zählte er zu den grössten Hits des Jahres.
Vom American Film Institut wird "Der dritte Mann" regelmässig unter die besten Filme aller Zeiten gewählt und auch in anderen einschlägigen Magazinen wird Carol Reeds Klassiker immer wieder erwähnt. Auch zahlreiche Filmschaffende nennen "Der dritte Mann" als einen ihrer Lieblingsfilme.
Originaltitel: The Third Man
Regie: Carol Reed
Darsteller: Joseph Cotten, Alida Valli, Orson Welles, Trevor Howard, Bernard Lee, Wilfrid Hyde-White, Paul Hörbiger, Annie Rosar, Ernst Deutsch, Erich Ponto, Siegfried Breuer, Hedwig Bleibtreu
Laufzeit: 108 Minuten
Metacritic: 97/100
Budget: -
Verleiheinspiel: 2,15 Mio. $ (USA/Kanada)
Oscars: 1 (Kamera)
Kinostart DE: 06.01.1950
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