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Ein filmischer Streifzug durch den Bibelfilm der 1950er


In den 1950er Jahren galt im Kino die Devise "BIGGER IS BETTER". Dafür eigenete sich neben dem Monumentalfilm kaum ein Genre besser als das des Bibelfilms. Kein Wunder wurde in den 1950er Jahren auf der Leinwand gepredigt, was das Zeug hält...

Die 1950er Jahre stellten sowohl gesellschaftlich als auch im Kino eine Zeit des Wandels dar. Auf der Leinwand wurden des öftern sozial relevanten Themen verarbeitet und auch die Jugendbewegung erhielt eine mächtige Stimme. Innerhalb dieser zahlreichen Umwälzungen keimte jedoch auch der Wunsch nach Tradition und Weltflucht auf. Epik war ein grosses Thema und wenig überraschend wurden die Leinwände immer wie breiter und breiter

 

Für diesen Eskapismus schien kein Genre besser geeignet als das des Bibelfilms. Obwohl der Bibelfilm sehr nah am Monumentalepos angesiedelt ist, unterscheidet er sich dennoch in einigen wichtigen Punkten. Im Bibelfilm geht es nämlich primär wirklich nur um Geschichten aus der Heiligen Schrift. Selbstredend hat dabei der Glaube für die jeweiligen Figuren einen hohen Stellenwert, sei es nur als geheimnisvolle Kraft, die noch entdeckt werden muss, oder als Leitstern in dunklen Stunden.

 

Aus heutiger Sicht wirkt natürlich so mancher Bibelfilm in Bezug auf die religiösen Aspekte und die Tonalität der Dramaturige als "angestaubt" und kitschig. Doch damals gehörte dies einfach zum guten Ton wie heute die bombastischen Spezialeffekte in den Eventfilmen à la Marvel.

 

Genau wie aktuell die Comicverfilmungen sorgten in den 1950er Jahren auch die Bibelfilme für traumhafte Umsätze und volle Kinosäle. So stellten mehrere der Filme kurz hintereinander Kassenrekorde auf. Den Auftakt machte hierbei bereits 1949 Cecil B. DeMilles "Samson und Delilah", der an den weltweiten Kinokassen damals astronomische Verleiheinnahmen von 14,2 Mio. $ einbrachte. Später folgten Quo vadis? (1951, 21 Mio. $), "Das Gewand" (1953, 32 Mio. $), Die zehn Gebote (1956, 60,2 Mio. $) und schliesslich Ben Hur (1959, 66,1 Mio. $).

 

Zeit für einen filmischen Rückblick auf die wichtigsten Werke der Dekade...

 

1951: David und Bathseba

 

Originaltitel: David and Bathseba FSK: 16 Kinostart DE: 19.02.1952 Metacritic: - IMDb: 6,1/10

 

Der opulente Streifen erzählt vom Aufstieg und Fall des berühmten Goliath-Bezwingers und späteren König David (Gregory Peck). In Rückblenden sinniert David dabei über seine Zeit als Schafhirte und die Prophezeiung Samuels, dass er einst zum mächtigen König werden würde. Doch auf dem Zenit seiner Macht begeht David aus Liebe zur schönen Bathseba (Susan Hayward) einen Fehler, der für ihn und sein Volk tragische Konsequenzen hat...  

 

Mit der Produktion von "David und Bathseba" stieg auch die 20th Century Fox auf den Bibelfilm-Zug auf und butterte 2,17 Mio. $ in die dramatische Geschichte aus dem Alten Testament. Diese ist natürlich der Mehrheit vor allem aufgrund des ungleichen Kampf zwischen David und Goliath ein Begriff. In dieser bezwingt David den Riesen mit Hilfe einer Steinschleuder. Im Film wurde der Gigant vom 2,03 Meter grossen litauschen Wrestler Walter Talun (1909-1980) verkörpert. An den Kinokassen war "David und Bathseba" ein grosser Kassenschlager und spielte allein in den USA 4,72 Mio $ ein.

 

1953: Das Gewand

 

Originaltitel: The Robe FSK: 12 Kinostart DE: 04.12.1953 Metacritic: - IMDb: 6,7/10

 

Unendliche Breiten: In diesem auf das Breitbildformat CinemaScope zugeschnittenen Epos wandelt sich ein römischer Millitärtribun (Richard Burton) vom Spötter zum Gläubigen. Behilflich ist ihm dabei eine attraktive Christin (Jean Simmons) sowie eine äusserst verstörende Vision. Diese ereilt ihn, als er das Gewand Jesu nach dessen Kreuzigung berührt.

 

Ursprünglich sollte "Das Gewand" bereits in den 1940er Jahren unter den RKO Studios entstehen. Doch das Projekt kam nie aus den Startlöchern und schliesslich ersteigerte die 20th Century Fox die Filmrechte für 300'000 $. Von den Kritikern wurde der Bibel-Edelkitsch damals zerrissen, füllte aber die Kinokassen wie kaum ein Film zuvor und machte Hauptdarsteller Richard Burton zum gefeierten Superstar. Allein in den USA spielte "Das Gewand" die damals astronomische Summe von 16,7 Mio. $ für den Verleiher ein (Produktionskosten: 4,1 Mio. $) und brachte damit die Bibelfilmwelle so richtig ins Rollen.

 

1953: Salome

 

Originaltitel: Salome FSK: 12 Kinostart DE: 20.08.1953 Metacritic: - IMDb: 5,8/10

 

Das Königspaar Herodes (Charles Laughton) und Herodias (Judith Anderson) herrschen über die römische Provinz Galiläa. Dort verurteilt Johannes der Täufer (Alan Badel) den ausufernden Lebenswandel des Herrscherpaares und prophezeit die Ankunft des Messias. Dafür will ihn Herodias töten lassen, doch Herodes zögert, da ihm propheizt wurde, dass ihn ein grauenvoller Tod erwartet sollte er dies tun. Gleichzeitig kehrt seine attraktive Stieftochter Salome (Rita Hayworth) nach Galiläa zurück und das Unglück nimmt seinen Lauf...

 

In "Salome" vollführt die Titelfigur am Ende des Streifens zur Rettung des Täufers den legendären "Tanz der sieben Schleier". Dabei entledigt sie sich sechs der sieben Kleidungsstücke. Diese wurden vom Kostüm- und Modedesigner Jean Louis (1907-1997) entworfen. Rita Hayworth bezeichnete den Dreh der Tanzszene später als der anspruchsvollste ihrer gesamten Karriere da zahlreiche Takes notwendig waren, bis das ganze perfekt aussah. Zumindest finanziell lohnten sich die Strapazen: An den US-Kinokassen zählte "Salome" mit einem Verleiheinspiel von 4,75 Mio. $ zu einem der grössten Hits des Jahres 1953.

 

1954: Die Gladiatoren

 

Originaltitel: Demetrius and the Gladiators FSK: 12 Kinostart DE: 04.11.1954 Metacritic: - IMDb: 6,6/10

 

In der Fortsetzung des Megablockbusters "Das Gewand" (1953) wird der ehemalige Diener des hingerichteten Militärtribun Marcellus zum Gladiator versklavt. Sein Glaube wird dabei auf eine harte Probe gestellt. Am Ende findet er aber wieder auf den rechten Weg und in die Freiheit.

 

Hauptdarsteller Victor Mature willigte bereits vor der Produktion von "Das Gewand" für die Fortsetzung ein. Diese entstand wie bereits der Vorgänger im farbenfrohen Technicolor und dem damals boomenden CinemaScope-Format. Trotz dieser technisch kostspieligen Investitionen kostete "Die Gladiatoren" im Endeffekt nur 1,99 Mio. $ und damit weniger als die Hälfte seines Vorgängers. Mit Verleiheinnahmen von 4,25 Mio. $ allein in den USA zählte er zu einem der grössten Hits des Jahres.

 

1954: Der silberne Kelch

 

Originaltitel: The Silver Chalice FSK: 12 Kinostart DE: 04.12.1953 Metacritic: - IMDb: 4,6/10

 

Im gleichen Jahr wie "Die Gladiatoren" erschien auch "Der silberne Kelch". Der Streifen handelt von dem Bildhauer Basilus (Paul Newman), der eine Kopie des Heiligen Grals mit dem Bildnis von Jesus Christus und seiner Jünger herstellen soll. Mit dem Bild von Jesus hat er jedoch sein Mühe und kann dieses erst nach einer persönlichen Vision umsetzen. 

 

"Der silberne Kelch" wurde von den zeitgenössischen Kritikern wenig wohlwohlend aufgenommen und primär als Kitsch bezeichnet. Sogar Hauptdarsteller Paul Newman distanzierte sich von dem Streifen und entschuldigte sich offiziell für sein schlechte Darstellung. An den Kinokassen floppte "Der silberne Kelch" und konnte in den USA seine Produktionskosten von 4,5 Mio. $ nicht wieder einspielen.

 

1955: Tempel der Versuchung

 

Originaltitel: The Prodigal FSK: 12 Kinostart DE: 23.12.1955 Metacritic: - IMDb: 5,2/10

 

Die Story des Films basiert lose auf der Parabel des verlorenen Sohnes aus dem Lukasevangelium. Darin verprasst der Sohn eines wohlhabenden Vaters dessen Vermögen und schwört dem Glauben ab, nur um später seine Sünden zu bereuen. Im Film wird die Hauptfigur zu seinen Sündentaten von einer Frau verführt, was Hollywood einen guten Grund gab, das damalige Sexsymbol Lana Turner lasziv in Szene zu setzen.

 

An den Kinokassen ging die Rechnung aber nicht auf und der 2,78 Mio. $ teure "Tempel der Versuchung" schrieb einen Verlust von 771'000 $. MGM-Studioboss Dore Schary (1905-1980) distanzierte sich später von dem Streifen und bezeichnete ihn als den schlechtesten Film, den er je unter der Leitung der MGM drehen liess. Die Kostüme, welche Lana Turner eigens anfertigen liess, waren zahlreichen konservativen Kirchenvertretern zu gewagt, weshalb sie zum Boykott aufriefen. Auf zahlreichen Werbeplakaten wurde deshalb seitens der Kinobesitzer Turners Bauchnabel nachträglich mit Airbrush überdeckt.

 

1956: Die zehn Gebote

 

Originaltitel: The Ten Commandments FSK: 12 Kinostart DE: 17.02.1958 Besucher DE: >9'000'000 Metacritic: - IMDb: 7,9/10

 

In epischen 220-Filmminuten erzählt Monumentalprofi Cecil B. DeMille die Geschichte von Findelkind Moses (Charlton Heston), der von der Frau des Pharao adoptiert wird und schliesslich als Erwachsener das Volk Israels in die Freiheit führt.

 

Mit einem Budget von 13,5 Mio. $, 14'000 Statisten und rund 15'000 Tieren fuhr "Die zehn Gebote" damals so ziemlich alles auf, was an gigantischem drinlag. Kein Wunder gilt der Streifen heute als Prototyp des Bibelfilms und ist auch filmhistorisch ein absoluter Meilenstein. Nebenbei machte er Charlton Heston zum Superstar und zur grössten Ikone des Bibelfilms. An den Kinokassen scheffelte "Die zehn Gebote" so viel Kohle wie kein anderer Film zuvor und übertraf mit weltweiten Verleiheinnahmen von 60,2 Mio. $ gar den damaligen Rekordhalter Vom Winde verweht (1939, 59 Mio. $ zum damaligen Zeitpunkt).

 

1959: Ben Hur

 

Originaltitel: Ben-Hur FSK: 16 Kinostart DE: 14.10.1960 Besucher DE: >10'000'000 Metacritic: 90/100 IMDb: 8,1/10

 

Das Nonplusultra des Bibel- und Monumentalfilms: War bereits Die zehn Gebote (1956) ein beispiellos auwändiger Streifen, so liess ihn "Ben Hur" wie ein Wicht aussehen. 15,2 Mio. $ Produktionskosten, über 100'000 Kostüme, 10'000 Statisten, 2'500 Pferde, 200 Kamele - das war zuvor noch nie auf der Leinwand zu sehen. Kein Wunder brach "Ben Hur" mühelos Kassenrekorde und ging mit einem weltweiten Verleiheinspiel von 66,1 Mio. $ als einer der grössten Kassenschlager in die Geschichte des Kinos ein.

 

Dabei hatte die (Leidens-)Geschichte des jüdischen Prinzensohn Judah Ben Hur (Charlton Heston) auch inhaltlich und künstlerisch einiges zu bieten, was sich in euphorischen Kritiken und sage und schreibe 11 Oscars (!) niederschlug.

 

1959: Der Fischer von Galiläa

 

Originaltitel: The Big Fisherman FSK: - Kinostart DE: 15.04.1960 Metacritic: - IMDb: 5,5/10

 

Der Streifen handelt von der Lebensgeschichte von Petrus (Howard Keel). Dieser ist ein erfolgreicher Fischer im kleinen Ort Galiläa und trifft dort auf die nach Rache sinnende junge Prinzessin Fara (Susan Kohner). Gemeinsam lernen Sie die Lehren von Jesus kennen und verinnerlichen nach und nach dessen Friedensbotschaft. Später werden sie schliesslich zu Jüngern und helfen dabei, seine Lehren zu verbreiten.

 

"Der Fischer von Galiläa" ist filmhistorisch wenig auffällig und auch im Bibelfilmgenre wenig bekannt. Dennoch war der 4 Mio. $ teure Streifen in mehreren Punkten wegweisend: Es war der erste Film, der im Super Panavision 70 gedreht wurde. Ausserdem war es der erste religiöse Film, den Walt Disney über sein Verleihunternehmen Buena Vista Distribution in die Kinos brachte. Disney selbst hatte zwar mit religiösen Themen wenig am Hut, liess sich jedoch von seinem Bruder Roy dazu überreden. An den Kinokassen floppte "Der Fischer von Galiläa" und konnte seine Produktionskosten nicht wieder einspielen.

 

1959: Salomon und die Königin von Saba

 

Originaltitel: Solomon and Sheba FSK: 12 Kinostart DE: 25.12.1959 Metacritic: - IMDb: 6,1/10

 

Auch der Sohn von König David (siehe "David und Bathseba", 1951) kriegte von Hollywood seinen eigenen Film spendiert. Die Geschichte von König Salomo aus dem Alten Testament war der United Artists gar 5 Mio. $ wert. In dem Streifen muss sich der Königssohn (im Film von Yul Brynner dargestellt) gegen seinen enteigneten Bruder, einen eifersüchtigen Pharao und die ebenso intrigante wie attraktive Saba (Gina Lollobrigida) zur Wehr setzen.

 

Ursprünglich wurde Tyrone Power für die Rolle des Salomo verpflichtet. Als bereits zwei Drittel des Films abgedreht waren, beklagte sich Powers während des Drehs einer Fechtszene über einen Schmerz im linken Arm. Kurze Zeit später starb er infolge eines Herzinfarkts am 15. November 1958. Sämtliche Szenen mit ihm mussten neu mit Yul Brynner nachgedreht werden. An den Kinokassen sowie bei den Kritikern schnitt "Salomon und die Königin von Saba" nur mittelprächtig ab.


Quellen:

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