
Die 2000er Jahre brachten eine kaum überschaubare Welle an Horror-Remakes hervor. Diese waren zwar bereits in Dekaden vorher gang und gäbe, nicht jedoch in dieser Quantität. Während in den 1990er und 1980er vor allem Horrorfilm-Sequels dominierten, waren die 2000er die Dekade der Horror-Remakes…
Im selben Jahrzehnt als Hollywood den Reboot entdeckte setzte die Traumfabrik auf eine altbewährte Tradition: die Neuverfilmung. Remakes waren bereits früh in der Filmgeschichte ein bewährtes Mittel, um Kapital aus alten Geschichten zu schlagen. So auch im Horrorgenre. In den 2000er Jahren sollte jedoch eine beispiellose Flut an Horrorfilm-Remakes den Kinomarkt überschwemmen.
Den Auftakt machte dabei 2003 die Neuauflage des Slasher-Klassikers "Blutgericht in Texas" (1974), besser bekannt unter dem markanten Titel "The Texas Chainsaw Massacre". Verantwortlich zeichnete Krawall-Profi Michael Bay ("The Rock – Fels der Entscheidung", 1996).
Doch statt dem Remake neue Facetten abzugewinnen, drehte Bay einfach den Gore-Faktor ein paar Stufen höher und sorgte so für eine bei Horrorfans allseits beliebte R-Rated-Freigabe (in Deutschland mit FSK 18 vergleichbar).
Obwohl das Remake dem Original weit unterlegen war und auch miserable Kritiken erhielt, spielte es bei läppischen Produktionskosten von 9,5 Mio. $ allein an den US-Kinokassen 81 Mio. $ ein (inflationsbereinigt immerhin 144 Mio.). Dies reichte für Hollywood aus, um weiter auf Horror-Remakes zu setzen. Und diese folgten in einer schier unüberschauberen Zahl.
Unter den zahlreichen Remakes befand sich jedoch keines, welches die Kritiker oder Fans vollends zufrieden stellen konnte. Ausserdem konnte keine der Neuverfilmungen die Magie oder Wirkung des Originals entfalten. Die Remakes blieben in der Regel billige Abziehbilder ihrer berühmten Orginale.
An den Kinokassen waren sie aber eine Goldgrube und brachten unabhängig von ihrer jeweiligen Qualität in der Regel Profite ein. Dies war meist auch nicht schwierig, da sie in der Regel wie die restlichen Horrorfilme kostengünstig und ohne teure A-Liga-Stars produziert werden konnten. Die Horror-Remakes waren also meist eine sichere und risikolose Investition. Einige waren gar so erfolgreich, dass sie Fortsetzungen nach sich zogen, so z.B. "The Hills Have Eyes" (2006; Sequel: 2009) und "Halloween" (2007; Sequel: 2009).
Welche schaurigen Geschichten so alle neu aufgelegt wurden erfahren Sie in diesem Artikel...

2001: 13 Geister
Remake von: "Das unheimliche Erbe" (1960)
Erbschaften haben so ihre Tücken: In Steven Becks Mischung aus Fantasy und Horror erbt die Familie eines reichen Sammlers sein ganzes Hab und Gut - inklusive einer Schaar bösartiger Geister. Das Original von 1960 erschien damals im Illusion-O-Format, welches dem Zuschauer erlaubte, anhand von Spezialbrillen zu wählen, ob es die Geister sehen will oder nicht. Das Remake wartet natürlich nicht mit solchen technischen Spielereien auf und kann auch sonst nur mit wenig punkten. Immerhin wissen aber die Spezialeffekte, das Produktionsdesign und "Monk"-Star Tony Shalhoub zu überzeugen. An den Kinokassen reichte dies jedoch nicht aus und "13 Geister" erwies sich als handfester Flop.

2003: Michael Bay's The Texas Chainsaw Massacre
Remake von: "Blutgericht in Texas" aka "The Texas Chainsaw Massacre" (1974)
Das Original gilt allgemein neben dem Alfred Hitchcock-Klassiker Psycho (1960) und dem kanadischen Horrorschocker "Black Christmas" (1974) als der Begründer des Slasherfilms. Doch Produzent Michael Bay schien dieses Erbe wenig zu scheren und der "Transformers"-Macher liess den deutschstämmigen Regisseur Marcus Nispel eine brutal-blutige Folterorgie drehen. Diese konnte dem wegweisenden Original, in welchem eine Gruppe Jugendlicher von einer psychopathischen Familie gejagt und ermordet wird, aber keine neue Facetten hinzufügen und bot auch sonst nichts Neues für das Genre. Das (Horror-)Publikum kam dennoch in Scharen und bescherte dem 9,5 Mio. $ "teuren" Streifen ein weltweites Box-Office von 107 Mio. $.

2004: Dawn of the Dead
Remake von: "Zombie" (1978)
George A. Romeros Original war eine geniale Reflexion über eine von Konsum und Kapitalismus begeisterte Nation und war für einen Zombie-Film damit überraschend vielschichtig. Zack Snyders Neufassung ist zwar nicht mehr ganz so gut, kann aber dennoch als eines der geglückteren Horror-Remakes der Dekade angesehen werden. Dieser Meinung war auch George A. Romero, der zwar einige Elemente der Neuverfilmung ablehnte, insgesamt aber von dem Film beeindruckt war. Und auch das Kinopublikum blieb Zack Synders Remake nicht fern und machte es mit einem weltweiten Box-Office von 102 Mio. $ (Budget: 26 Mio. $) zu einem Hit.

2005: Amityville Horror - Eine wahre Geschichte
Remake von: "Amityville Horror" (1979)
Das Original war in den USA ein Kinokassenphänomen und spielte 1979 rund 86 Mio. $ ein. Heute entspricht dies einer Summe von sage und schreibe 479 Mio. $, womit "Amityville Horror" nach wie vor einer der erfolgreichsten Horrorfilme aller Zeiten ist. Die Neuauflage mit "Deadpool"-Star Ryan Reynolds war bei weitem nicht so erfolgreich, hatte jedoch mit dem Original immerhin eines gemeinsam: miserable Kritiken. Horrorfans liessen sich die neue Version der berühmten Geschichte um das Dämonenhaus an der US-Ostküste aber dennoch nicht entgehen und liessen weltweit immerhin 107 Mio. $ liegen. Bei Produktionskosten von 19 Mio. $ eine mehr als ausreichende Summe.

2005: The Fog - Nebel des Grauens
Remake von: The Fog - Nebel des Grauens (1980)
John Carpenters Original gilt heute neben Halloween - Die Nacht des Grauens (1978) und Das Ding aus einer anderen Welt (1982, ein Remake des gleichnamigen Sci-Fi-Klassikers von 1951) als einer der besten Filme des Horror-Maestros. Das das Remake nicht an das Original heranreichen konnte, war keine Überraschung. Das die Neuinterpretation der Geschichte um einen geheimnisvollen und todbringenden Nebel aber so schlecht werden würde war dann doch überraschend. Mit einem IMDb-Rating von 3,7 ist der Streifen selbst für einen Horrorfilm grottenschlecht bewertet. Kein Wunder war "The Fog" eines der wenigen Horror-Remakes der 2000er, welches an den Kinokassen scheiterte.

2005: House of Wax
Remake von: "Das Kabinett des Professor Bondi" (1953)
Das Original hat schon ein paar Jahrzehnte auf dem Buckel, gilt heute aber als heimlicher Klassiker des 1950er Horrorfilms und nebenei als einer der besten 3D-Filme seiner Zeit. Ausserdem machte der Streifen Hauptdarsteller Vincent Price zur Horrorikone. Der riesige Kassenerfolg - allein in den USA brachte er 5,5 Mio. $ für den Verleiher ein (Kosten: 1 Mio. $) - machte den Horrorfilm massentauglich. Umso enttäuschender, dass das Remake auf der ganzen Linie versagt und trotz eines stattlichen 40 Mio. $-Budgets weder dem Horrorfilm noch der Remakewelle etwas wirklich neues hinzufügen konnte. Mit einem weltweiten Box-Office von 70 Mio. $ blieb "House of Wax" auch an den Kinokassen hinter den Erwartungen zurück.

2006: Das Omen
Remake von: Das Omen (1976)
"Das Omen" war mit einem US-Box-Office von 61 Mio. $ (ca. 410 Mio. in 2022-$) eine der grössten Kassenhits des Jahres 1976 und einer der erfolgreichsten Horrorfilme der 1970er Jahre. Im Kino hatte dies immerhin zwei Fortsetzung zur Folge, welche 1978 und 1981 in die Lichtspielhäuser kamen. John Moores Remake war mit einem Budget von 25 Mio. $ ein eher "teurer" Horrorfilm, konnte aber trotz einem soliden Cast (u.a. Julia Stiles, Liev Schreiber und Mia Farrow) und einer zeitgemässen Anpassung der Story nicht wirklich überzeugen. An den Kinokassen war "Das Omen" mit einem weltweiten Box-Office von 120 Mio. $ aber dennoch erfolgreich.

2006: The Hills Have Eyes - Hügel der blutigen Augen
Remake von: "Hügel der blutigen Augen" (1977)
Mit dem Original machte "Nightmare"- und "Scream"-Schöpfer Wes Craven erstmals nachhaltig auf sich aufmerksam. Das zwischen 350'000 und 700'000 $ "teure" Schauerstück des Philosophiestudenten schlug in den 1970ern hohe Wellen und war an den Kinokassen ein grosser Erfolg. Das Remake wurde zwar nicht von Craven inszeniert, er war jedoch als Produzent beteiligt. Wahrscheinlich nicht zuletzt deshalb zählt "The Hills Have Eyes" zu den besseren Horror-Remakes der Dekade und erhielt auch für einen Horrorfilm überaus solide Kritiken (Metascore: 52/100). Aufgrund des grossen Kassenerfolgs (Budget: 15 Mio. $; Box-Office welweit: 70 Mio. $) folgte gar ein Fortsetzung, welche 2009 in die Kinos kam.

2007: Halloween
Remake von: Halloween - Die Nacht des Grauens (1978)
Es war nur ein Frage der Zeit, bis sich Hollywood an eine Neuverfilmung des grössten und wahrscheinlich auch erfolgreichsten Slasherklassikers aller Zeiten wagen würde. 2007 war es endlich soweit: Mit "Halloween" brachte Rockmusiker Rob Zombie seine Variante des Killerpsychopathen Michael Myers auf die Leinwände. Doch nur mit der Regie liess er sich nicht abspeisen und der Künstler schrieb auch das Drehbuch und fungierte als Produzent. Das Ergebnis brachte für Fans der Reihe jedoch wenig neues auf den Tisch, konnte aber immerhin an den Kinokassen überzeugen (Budget: 15 Mio. $; Box-Office weltweit: 80 Mio. $). Die Folge: Rob Zombie durfte 2009 eine Fortsetzung drehen.

2008: Prom Night
Remake von: "Prom Night - Die Nacht des Schlächters" (1980)
Ein weiterer kanadischer Slasherfilm, der von der Remakewelle nicht verschont wurde: Auch in der Neuverfilmung treibt sich auf einem Abschlussball ein sadistischer Mörder rum und meuchelt einen Absolventen nach dem anderen ab. Während das Original mindestens noch eine treue Anhängerschaft hinter sich vereinen konnte und mit einem kultigen Disco-Soundtrack aufwartete, bleibt das Remake blass und einfallslos. An den Kinokassen liefs aber dennoch gut und der Streifen spielte bei Produktionskosten von 20 Mio. $ weltweit 57 Mio. $ ein.

2009: Freitag der 13.
Remake von: "Freitag der 13." (1980)
Ein weiteres Opfer der Remakemania der 2000er war Sean S. Cunninghams 1980er Kassenschlager "Freitag der 13.". Der Streifen dominierte damals die Kinosommersaison und sorgte mit einem US-Box-Office von fast 40 Mio. $ (ca. 204 Mio. in 2022-$) für einen regelerechten Slasher-Filmboom. Dabei erhielt die Geschichte um Serienkiller Jason Voorhees, dessen Mutter am Camp Crystal Lake aus Rachemotiven zahlreiche Teenager abmurkst, bei seiner Uraufführung miserable Kritiken. Und auch zum Klassiker reichte es für den Streifen nicht. Dasselbe trifft auch auf Marcus Nispels schwaches Remake zu, nur einfach in verstärkter Form.

2009: My Bloody Valentine 3-D
Remake von: "Blutiger Valentinstag" (1981)
Das kanadische Original ist sicherlich alles andere als ein Klassiker, war aber dennoch ein gelungener Beitrag zur damals grassierenden Slasherfilmwelle. Dasselbe kann von Patrick Lussiers Remake gesagt werden. Denn entgegen des vorherrschenden Trends konnte seine Neuversion immerhin auch die Kritiker mehr oder weniger überzeugen (Metascore: 51/100). An den Kinokassen war er mit einem weltweiten Box-Office von 101 Mio. $ (Kosten: 14 Mio. $) ein weiterer Triumph für die Horror-Remakewelle. Dabei scherte es kaum jemanden, dass die Neuauflage inhaltlich kaum innovatives bot.

2009: The Last House on the Left
Remake von: "The Last House on the Left" (1972)
Ein Remake ist nicht genug: Nachdem Horror-Spezialist Wes Craven 2006 bereits die Neuversion seines 1977er Klassikers "Hügel der blutigen Augen" produziert hatte, legte er auch beim Remake seines Regiedebüts Hand an. Das Original ging seinerzeit an die Grenze des zumutbaren und löste heftige Kontroversen aus. In dem Streifen vergewaltigt und tötet eine Gruppe Jugendlicher zwei Teenager-Mädchen und finden schliesslich im Haus eines der Eltern der Opfer unterschlupf. Als diese Wind davon kriegen üben sie Selbstjustiz aus. Das Remake konnte nicht mehr die Sogwirkung des Originals entfalten und taugt höchstens als solider Genredurchschnitt. An den Kinokassen war die Neuverfilmung dennoch einigermassen profitabel (Budget: 15 Mio. $; Box-Office weltweit: 46 Mio. $).
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