
Ein Berg voller Muskeln, ein rotes Stirnband und viel, viel Munition: Das kann nur Rambo sein. Der Vietnam-Veteran füllte in den 1980er Jahren die Kinokassen wie kein anderer und sorgte
für einen Bodycount, den die FSK erschaudern liess. Zeit für einen Rückblick auf die wortkarge Ein-Mann-Armee...
Jagdmesser, Stirnband, stählerne Muskeln und jede Menge Munition - so zeigte sich eine der grössten Actionikonen der 1980er Jahre. Auch war John J. Rambo aka Sylvester Stallone Sinnbild für ein reaktionäres und patriotisches Amerika, welches nicht selten ein Loblied auf den Militarismus sang.
Dabei hatte der erste Teil mindestens noch eine gewichtige Botschaft und war auch in Bezug auf die Brutalität sowie den Bodycount um einiges zurückhaltender als seine Nachfolger. "Rambo" prangerte dabei die Tatsache an, dass Vietnamkriegsveteranen trotz ihres Einsatzes für das Heimatland bei ihrer Rückkehr nicht immer mit offenen Armen empfangen wurden. Ein eigentlich lobenswertes und überaus wichtiges Statement.
Doch die Fortsetzungen verirrten sich immer wie mehr in plumpem und eindimensionalem Patriotismus und verklärten zunehmend die Darstellung von Gewalt. Ein Umstand, den insbesondere den Zensurbehörden Kopfschmerzen bereitete. Doch beim überwiegend männlichen Publikum fanden die "Rambo"-Fortsetzung natürlich viel Anklang.
In den letzten 40 Jahren seit der Premiere von "Rambo" hatte die Franchise einige Hochs und Tiefs zu verkraften. Und nicht nur Rambo selbst sondern auch die Filme kassierten teilweise ordentlich Prügel. Zeit also für einen ausgiebigen Rückblick auf die Testosteron-Reihe...

1982: Rambo
Vietnamveteran John Rambo kehrt nach dem Krieg in seine alte Heimatstadt zurück. Dort will er seine ehemaligen Kameraden besuchen. Doch in dem Kleinstädtchen ist er alles andere als willkommen und wird von den örtlichen Gesetzeshütern (u.a. Brian Dennehy) drangsaliert. Schliesslich reisst ihm der Geduldsfaden und er flieht in die Wälder, wo er seinen Häschern mit Pfeil, Bogen und Messer aufwartet...
Der erste Teil ist gleichzeitig der beste der gesamten Reihe und bemüht sich redlich um eine differenzierte Darstellung seiner von Traumatas geplagten Hauptfigur. Die später so dominant werdenden und durch überbordenden Patriotismus gezeichneten Gewaltorgien seiner Nachfolger sucht man in "Rambo" vergebens. Und genau deshalb ist er auch so gut.
Während Rambo in der Romanvorlage das Zeitlich segnet, weigerte sich Sylvester Stallone, der auch als Co-Autor tätig war, dieses Ende auch für die Filmversion zu übernehmen. Zu seinem Glück. Denn der riesige Kassenerfolg von "Rambo" - weltweit spielte er bei Produktionskosten von 22 Mio. $ über 125 Mio. ein - brachte ihm neben "Rocky" eine weitere Filmfranchise ein, an der er Millionen verdienen konnte.

1985: Rambo II - Der Auftrag
John Rambo sitzt aufgrund seiner Taten aus dem ersten Teil eine mehrjährige Haftstrafe in einem Steinbruch ab. Eines Tages erscheint jedoch Colonel Trautmann (Richard Crenna), der ihm anbietet, seine Strafe mit einem Geheimauftrag abzugelten. Rambo soll in Vietnam noch immer in Gefangenschaft gehaltene US-Soldaten befreien. Seitens der Regierung wird deren Existenz jedoch vehement bestritten, womit es von offizieller Seite keine Unterstützung gibt. Rambo willigt ein...
Im Gegensatz zum ersten Teil fährt "Rambo II - Der Auftrag" sowohl den Bodycount als auch die Brutalität ein paar Stufen hoch und bietet brachiales und inhaltsleeres 1980er-Actionkino. Als dieses funktioniert der Streifen jedoch blendend und unterhält bis zur letzten Minute. Über alles andere macht man sich am besten nicht zu viele Gedanken.
An den Kinokassen ging die Fortsetzung damals so richtig durch die Decke und spielte weltweit 300 Mio. $ ein. Diese Summe entspricht inflationsbereinigt ungefähr 1,31 Mrd. $, womit "Rambo II - Der Auftrag" noch heute zu den kommerziell erfolgreichsten Actionfilmen überhaupt zählt. Der Zensur machte der Streifen zuvor jedoch jede Menge Ärger und so kam es, dass die damalige FSK-Freigabe ab 16 Jahren scharf kritisiert und auch angefochten wurde. Insbesondere wurden "Rambo II - Der Auftrag" rassistische und kriegsverherrlichende Tendenzen vorgeworfen.

1988: Rambo III
John J. Rambo hat sich in ein thailändisches Kloster zurückgezogen und verdient sich im Bestreiten von Stockkämpfen in Bangkock seine Brötchen. Dort wird er von Cololonel Trautmann (Richard Crenna) ausfindig gemacht, der ihn für eine geheime Mission in Afghanistan um Hilfe bittet. Rambo lehnt jedoch ab. Als Trautmann schliesslich in Gefangenschaft gerät, greift Rambo wieder zu den Waffen...
Auch der dritte Teil bläst in das gleiche Horn wie Teil zwei, lässt die Hauptfigur jedoch noch mehr zur unbesiegbaren und eindimesionalen Ein-Mann-Armee mutieren. Selbstverständlich darf auch der peinliche Patriotismus und die brachiale Gewalt nicht fehlen. Letztere verschuf "Rambo III" in den 1990er Jahren sogar einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde als brutalster Film. Den wenig schmeichelhaften Eintrag erhielt er aufgrund von insgesamt 221 gezählten Gewalttaten und 108 Toten.
Sorgte 1985 "Rambo II - Der Auftrag" mit seiner kontroversen FSK 16-Freigabe für Aufruhr, so löste Teil drei aus einem ganz anderen Grund Tumult aus: Die Filmbewertungsstelle Wiesbaden, verlieh dem Actionknüller das Prädikat "wertvoll", was insbesondere den Behörden sauer aufstiess.

2008: John Rambo
20 Jahre nach Teil drei wollte es Sylvester Stallone zum - vermeintlich - letzten Mal nochmals wissen und holte sein Jagdmesser aus dem Waffenschrank. Doch diesmal wollte der Superstar so viel Kontrolle wie möglich, weshalb er kurzerhand die Regie übernahm, produzierte und das Drehbuch schrieb. Viel Neues ist dabei nicht rausgekommen.
Auch im vierten Teil wird John J. Rambo aus seinem selbstauferlegten Asyl unfreiwillig erlöst. In Thailand lebt er vom Fangen und Verkaufen giftiger Schlangen, hilft aber schliesslich einer Gruppe christlicher Menschenrechtler beim Transport von Hilfsgütern. Als die Gruppe jedoch von burmesischen Soldaten gefangen genommen wird, ist es Zeit für Rambo in den Ein-Mann-Armee-Modus zu wechseln...
Auch "John Rambo" hat wieder jede Menge Brutalität und Tote zu bieten, was ihm auch diesmal mehrere Schnittfassungen einbrockte. Damit der Streifen in den deutschen Kinos mit der Altersfreigabe FSK 18 gezeigt werden durfte, musste er um eine Minute gekürzt werden. Die Los Angeles Times zählte insgesamt stattliche 246 Tote, was 2,59 Tote pro Filmminute entsprach und einen Rekord für die "Rambo"-Reihe bedeutete.

2019: Rambo: Last Blood
Elf Jahre nach dem vermeintlich letzten "Rambo"-Film bewies Sly Stallone mit "Rambo: Last Blood", dass er mit 73 Jahren noch lange nicht zu alt ist um den Bogen zu spannen und reaktionärem Gesindel die Leviten zu lesen. Diesmal kriegt es die Kampfmaschine mit mexikanischen Drogenbossen und Menschenhändlern zu tun. Als die Verbrecher die Tochter seiner Haushälterin entführen, zu der Rambo ein väterliches Verhältnis hat, sieht er sich gezwungen noch einmal in den Kampf zu ziehen...
Auch Teil vier hält sich nicht mit Brutalitäten sowie einer banalen Story zurück und bietet die üblichen gewaltverherrlichenden Bilder. Der Versuch, Rambo menschlichere Züge zu verleihen, wird durch die exzessive Gewaltorgie im Keim erstickt. Kein Wunder wurde "Rambo: Last Blood" u.a. in der Kategorie Rücksichtsloseste Missachtung von Menschenleben und öffentlichem Eigentum mit der Goldenen Himbeere ausgezeichnet. Eine weitere Auszeichnung erhielt der Streifen in der Kategorie Schlechteste Fortsetzung oder Neuverfilmung.
Auch für "Rambo: Last Blood" schrieb Sylvester Stallone am Drehbuch mit. Doch im Gegensatz zu "John Rambo" überliess er die Regie und Produktion dankend anderen. An der Kinokasse erwies sich der letzte Teil als erster handfester Misserfolg der Reihe und spielte bei Produktionskosten von 50 Mio. $ weltweit nur 92 Mio. $ wieder ein. Wenig überraschend musste "Rambo: Last Blood" auch bei den Kritikern ordentlich Federn lassen und wurde der am schlechtesten rezensierte Teil der Reihe.
"Rambo" - Das Kinokassen-Ranking
Die Auflistung der Filme erfolgt anhand des inflationsbereinigten weltweiten Box-Office. In Klammern ist das Original-Box-Office aufgeführt. Wenn immer möglich und
falls bekannt wird nur das Ergebnis der Erstaufführung berücksichtigt. Handelt es sich bei dem Original-Box-Office um eine Schätzung so ist dies mit einem Stern (*) nach dem Einspielergebnis
vermerkt. Hintergründe zur Berechnung des inflationsbereinigten Box-Office finden Sie hier.
"Rambo" - Das Kritiker-Ranking
Die Auflistung der Filme erfolgt anhand des Metascore von www.metacritic.com. Die Skala geht dabei von 1-100 und je höher der Wert, desto besser viel das Urteil der Kritiker aus. Ab einem Wert von 61 hatte der Streifen überwiegend positive Kritiken. Filme mit einem Wert von 81 und mehr erhalten das Gütesiegel "MUST-SEE" und gelten als besonders sehenswert.
"Rambo" - Das Publikums-Ranking
Die Auflistung der Filme erfolgt anhand der IMDb-Bewertung. Die IMDb (Internet Movie Database) ist die grösste Filmdatenbank im Internet und häufig erste Anlaufstelle für Filmfans auf der ganzen Welt. Deren registrierte Nutzer vergeben jeweils Wertungen zwischen 1,0 und 10,0. Die Bewertungen erfolgen von Nutzern aus der ganzen Welt und geben so ein interessantes Bild darüber ab, wie gut ein Film beim Publikum ankommt.
Nice to know...
- Sylvester Stallone verlangte für seinen ersten "Rambo"-Film eine Gage von 3,5 Mio. $. Die Produzenten boten ihm 2 Mio. $ an. Die restlichen 1,5 Mio. $ erhielt Stallone dank der äusserst erfolgreichen TV-Auswertung aber dennoch.
- Die Rolle des Colonel Trautmann sollte ursprünglich Kirk Douglas (Wege zum Ruhm, Spartacus) übernehmen. Aufgrund von kreativen Differenzen bezüglich des Skripts verliess Douglas die Produktion des ersten "Rambo"-Film jedoch kurz vor Drehbeginn. Das Studio suchte einen Last-Minute-Ersatz und wollte Rock Hudson, doch dieser lehnte die Rolle ab. Damit war der Weg frei für Richard Crenna.
- "Rambo II - Der Auftrag", "Rambo III" und "Rambo: Last Blood" wurden in der Kategorie schlechtester Film des jeweiligen Jahres für die Goldene Himbeere nominiert. Abstauben konnte den Anti-Oscar in der Hauptkategorie jedoch nur "Rambo II - Der Auftrag". Sylvester Stallone wurde bei allen drei Filmen zusätzlich als schlechtester Hauptdarsteller nominiert und gewann die Auszeichnung ebenfalls für "Rambo II - Der Auftrag".
- "Rambo II - Der Auftrag" ist sowohl in den USA als auch weltweit der kommerziell erfolgreichste Film der gesamten Reihe. In den USA brachte er inflationsbereinigt rund 547 Mio. $ ein, weltweit über 1,1 Mrd. $. In Deutschland sahen ihn 4,06 Millionen Kinobesucher, womit er auch hierzulande der mit Abstand erfolgreichste Teil der Reihe ist.
- Von allen Teilen erhielt "Rambo: Last Blood" mit einem Metascore von 26/100 die heftigste Kritikerschelte. Beim Publikum schnitt "Rambo III" mit einem IMDb-Ranking von 5,8 am schlechtesten ab. "Rambo" wiederum war bei beiden der beliebteste Film der gesamten Reihe (Metacritic: 61/100 IMDb: 7,7/10).
- Da "Rambo II - Der Auftrag" statt in Vietnam mehrheitlich in Mexiko gedreht wurde, hatte die Filmproduktion Mühe, asiatische Darsteller aufzutreiben.
Quellen:
- Wikipedia (englisch, diverse Recherchen)
- https://en.wikipedia.org/wiki/Rambo_(franchise) (englisch)
- www.thenumbers.com (Box-Office-Einnahmen)
- www.boxofficemojo.com (Box-Office-Einnahmen)
- www.imdb.com (englisch, diverse Recherchen)
- https://www.rottentomatoes.com/ (Tomatometer, Kritiken)
Kommentar schreiben