
Billy Wilder schuf mit "Zeugin der Anklage" ein raffiniertes, spannendes und nebenbei auch sehr humorvolles Justizdrama. Der Geist der genialen Kriminalautorin Agatha Christie ist dabei jederzeit spürbar und wird dank der tollen Darstellerriege sowie der einvernehmenden Inszenierung noch verstärkt. Die überraschende Wende am Ende des Filmes trägt ihr übriges dazu bei, um "Zeugin der Anklage" einen festen Platz unter den besten Gerichtsfilmen aller Zeiten einzuräumen.
Story
Der scharfsinnige Anwalt Sir Wilfried Robarts (Charles Laugthon) hat einen Herzinfarkt erlitten, weshalb er vom Doktor strikte Ruhe verordnet bekommen hat. Der Dickschädel lässt sich jedoch nicht gerne etwas verbieten, weshalb er auch entgegen der Ratschläge seiner Vertrauten einen neuen Kriminalfall annimmt. Er will den Handelsverterter Leonard Vole (Tyrone Power) vor Gericht verteidigen, da er von dessen Unschuld überzeugt ist. Vole soll angeblich die reiche alte Witwe Mrs. Emily French (Norma Varden) ermordet haben, um an ihr Geld zu kommen. Als einziges Alibi hat Vole die Aussage seiner deutschen Ehefrau Christine (Marlene Dietrich), die beteuert, dass er zur Tatzeit zu Hause war. Zu wenig, um ohne gute Verteidigung vor Gericht zu bestehen...
Hintergrund
"Zeugin der Anklage" wurde bereits bei seiner Erstaufführung von den Kritikern euphorisch aufgenommen. Auch die Oscarjury zeigte sich von Billy Wilders Gerichtsdrama angetan und nominierte es für insgesamt sechs Trophäen, u.a. in den so wichtigen Kategorien Film, Regie, Hauptdarsteller (Charles Laughton) und Nebendarstellerin (Elsa Lanchester). Am Ende konnte "Zeugin der Anklage" aber keinen einzigen Oscar gewinnen. In der Hauptkategorie musste er sich gegen David Leans grandioses Kriegsepos Die Brücke am Kwai (1957) geschlagen geben.
Thrillerexperte Alfred Hitchcock (Das Fenster zum Hof, Vertigo - Aus dem Reich der Toten, Der unischtbare Dritte) wurde gemäss eigenen Aussagen oft auf den Film angesprochen. Zahlreiche Leute sagten ihm angeblich immer wieder, wie sehr ihnen "Zeugin der Anklage" gefallen habe. Sie meinten, dass Hitchcock den Film inszenierte. Ironischerweise wurde Billy Wilder immer wieder auf "Der Fall Paradin" (1947) angesprochen, einen Film, den eigentlich Hitchcock inszeniert hat.
Originaltitel: Witness for the Prosecution
Regie: Billy Wilder
Darsteller: Charles Laughton, Tyrone Power, Marlene Dietrich, Elsa Lanchester, John Williams, Henry Daniell, Ian Wolfe, Torin Thatcher, Una O’Connor, Philip Tonge, Francis Compton, Norma Varden, Ruta Lee
Laufzeit: 113 Minuten
US-Premiere: 17.12.1957
Metacritic: 76/100
Budget: 2 Mio. $
US-Verleiheinspiel: 3,8 Mio. $
(Top 30 1957, Rang 12)
Kommentar schreiben