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Der Gefangene von Alcatraz (1962)


★★★★★

Obwohl "Der Gefangene von Alcatraz" eine idealisierte und beschönigte Darstellung des echten Robert Stroud ist, funktioniert er als filmische Charakterstudie hervorragend. Burt Lancaster liefert dabei eine der besten Darstellerleistungen seiner Karriere ab und vermag insbesondere auch die verletzliche Seite seiner Figur glaubhaft darzustellen. Der restliche Cast sowie die geradlinige und schnörkellose Inszenierung John Frankenheimers sind weitere Pluspunkte dieses einvernehmenden Gefängnisdramas.

Story

Basierend auf dem Leben des Mörders Robert Stroud (1890-1963): 1912: Der aufsässige und gewaltätige Robert Stroud (Burt Lancaster) wird ins Bundesgefängnis Leavenworth in Kansas inhaftiert. Dort bring er einen Wärter um, der ihm verweigert, seine Mutter (Thelma Ritter) ausserhalb der Besuchszeiten zu sehen. Daraufhin droht ihm die Todesstrafe durch erhängen. Doch seine Mutter macht sich bei Präsident Woodrow Wilson stark, der ihn schliesslich begnadigen lässt und die Todesstrafe in lebenslänglich umwandelt. Eines Tages fliegt ein kranker Vogel in Strouds Gefängniszelle. Dieser verändert Strouds Leben nachhaltig, denn er beginnt sich mit Ornithologie zu beschäftigen und entwickelt sich schliesslich zur Koryphäe auf dem Gebiet...

 

Hintergrund

Zahlreiche Begebenheiten im Film entsprechen nicht der Realität. So wurde Robert Stroud von seinen Wärtern und Mithäftlingen als antisozial und manipulativ beschrieben. Die feinfühlige Art, welche er im Film an den Tag legt, ging ihm vollständig abhanden. Der Originaltitel des Films - "The Birdman of Alcatraz" - ist ebenfalls irreführend, da Stroud während seiner Zeit auf Alcatraz bereits keine Vögel mehr halten durfte.

 

Aufgrund der Popularität von "Der Gefangene von Alcatraz" wurde der echte Robert Stroud einer der berühmtesten Häftlinge von Alcatraz. Nur Al Capone war noch berühmter. Stroud starb nur ein Jahr nach der Veröffentlichung des Films am 21. November 1963 im Alter von 73 Jahren. Er verbrachte die letzten 54 Jahre seines Lebens in Haft, davon 42 in Einzelhaft. Frankenheimers Film über sein Leben durfte er nie sehen.

 

"Der Gefangene von Alcatraz" war einer von vier Filmen, welcher Burt Lancaster für die United Artists in den 1960er Jahren drehen musste. Die anderen waren "Die jungen Wilden" (1961), Der Zug (1964) und "Vierzig Wagen westwärts" (1965). Dabei musste Lancaster auf seine sonst übliche Gage von 750'000 Dollar verzichten und kassierte lediglich 150'000 Dollar für seine Dienste. Der Grund für diese Strafe waren die hohen Kostenüberschreitungen seiner Produktionsfirma Hecht-Hill-Lancaster.

 

"Der Gefangene von Alcatraz" wurde in den Kategorien Bester Hauptdarsteller (Lancaster), Bester Nebendarsteller (Telly Savalas), Beste Nebendarstellerin (Thelma Ritter) und Beste Kamera (Burnett Guffey) für den Oscar nominiert.

Originaltitel: The Birdman of Alcatraz

Regie: John Frankenheimer

Darsteller: Burt Lancaster, Karl Malden, Thelma Ritter, Neville Brand, Betty Field, Telly Savalas, Edmond O’Brien, Hugh Marlowe, Whit Bissell, Crahan Denton, James Westerfield, Adrienne Marden, Robert Burton

Laufzeit: 143 Minuten

Metacritic: 76/100

Budget: 2,6 Mio. $

Verleiheinspiel: 3,0 Mio. $ (USA/Kanada)

Kinostart DE: 02.10.1962

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