
"Der Exorzist - Bekenntnis" konnte an den Kinokassen nicht so recht überzeugen. Mit einem weltweiten Box-Office von 45 Mio. $ am Premierenwochenende war er zwar ein solider Horror-Erfolg,
doch im Gegensatz zum gigantischen Box-Office des 1973er Originals ein Zwerg. Der Reboot-Versuch des Dämonenhorrors ist dennoch eine gute Gelegenheit für einen Rückblick auf die
Horror-Franchise...
45 Mio. $ weltweites Box-Office in drei Tagen sind für einen Horrorfilm eigentlich keine Schande. Diesjährige Horrorstreifen wie "The Pope's Exorcist", "The Boogeyman" oder "Saw X" erwirtschafteten diese Summe nicht mal auf dem US-Markt. "Der Exorzist - Bekenntnis" müsste sich also eigentlich nicht verstecken, wäre da nicht die übermächtige (Box-Office-)Präsenz seines Vorgängers, Der Exorzist (1973).
Denn der Horrorschocker spielte in der Kinosaison 1973/74 innerhalb von 24 Wochen in nur 386 Kinos 65,5 Mio. $ ein. Eine Summe, die heute ungefähr 615 Mio. $ entspricht. Und das war noch lange nicht das Ende der Fahnenstange. Am Ende brachte "Der Exorzist" der Warner Bros. dank mehrerer Wiederaufführungen allein in den USA Verleiheinnahmen von über 89 Mio. $ - damals eine gigantische Summe, insbesondere für einen Horrorfilm. Nebenbei wurde "Der Exorzist" für sage und schreibe zehn (!) Oscars nominiert, u.a. auch für den Besten Film. Ein Meilenstein, den seither kein einziger Horrorfilm mehr erreichte.
Von solchen Zahlen kann die Neuverfilmung nur träumen. Und auch vom künstlerischen Erfolg ist "Der Exorzist - Bekenntnis" meilenweit entfernt. Denn die Kritiker gingen mit dem Streifen hart ins Gericht (Metascore: 39/100). Der Kinostart des Reboot-Versuchs ist dennoch die ideale Gelegenheit für einen Rückblick auf die Dämonen-Horrorreihe...

1973: Der Exorzist
Es gab wohl kaum einen Film in den 1970er Jahren, der dem Kinopublikum so sehr das Fürchten lehrte wie dieser unsterbliche Horrorklassiker. Zahlreiche Kinobesucher verliessen bereits lange vor dem Abspann das Kino. Schwindel, Übelkeit oder schlicht und einfach Angst, trieben sie aus dem Dunkel des Kinosaals. Der Streifen wurde ein kulturelles Phänomen, wie es im Kino selten zu sehen war und liess die Kinokassen klingeln wie kein Horrorfilm zuvor. Bei Produktionskosten von 12 Mio. $ brachte es "Der Exorzist" weltweit auf ein Verleiheinspiel von 112 Mio. $ - damals eine enorme Summe.
Doch die Geschichte um die von einem Dämon besessene 12-jährige Regan (Linda Blair) war erstaunlicherweise nicht nur ein Publikumsrenner, sondern zog auch die Kritiker sowie die Oscarjury in seinen Bann. Letztere nominierte den Streifen in insgesamt zehn (!) Kategorien, u.a. sogar als Bester Film. Gewinnen konnte "Der Exorzist" schliesslich in den Kategorien Bestes Drehbuch und Bester Ton.

1977: Exorzist II - Der Ketzer
Insgesamt 14 Mio. $ pumpte die Warner Bros. in die Fortsetzung eines ihrer grössten Kassenhits. Doch der Streifen, in welchem die mittlerweile zum Teenager herangewachsene Regan (Linda Blair) erneut Dämon Pazuzu bekämpfen muss, hatte von Anfang an mit Problemen zu kämpfen. So wollten weder der Regisseur des Originals, William Friedkin, noch Romanautor William Peter Blatty mit dem Streifen etwas zu tun haben.
Die Dreharbeiten selbst waren die reinste Katastrophe und mussten gar für einen Monat unterbrochen werden da Regisseur John Boorman (Excalibur, 1981) am Wüstenfieber erkrankte. Als "Exorzist II - Der Ketzer" dann auch noch an den Kinokassen versagte (US-Verleiheinspiel: 13,9 Mio. $) und von den Kritikern zerrissen wurde, wurde die Franchise auf Eis gelegt.

1990: Der Exorzist III
Mit dem dritten Teil sollte der Reihe wieder neues Leben eingehaucht werden, weshalb die Produzenten auch auf den Schöpfer der Romanvorlage, William Peter Blatty, als Regisseur setzte. Dieser wollte den Streifen aber nicht mit dem Titel "Der Exorzist III" in die Kinos bringen, sondern unter dem Titel seiner Romanvorlage, "Legion" (1983). Doch das produzierende Morgan Creek Studio bestand aus kommerziellen Erwägungen auf den Titel "Der Exorzist III". Viel genützt hat es aber nicht. Denn obwohl der dritte Teil von den Kritikern mehr Lob erhielt als sein Vorgänger, enttäuschte auch er an den Kinokassen und spielte bei Produktionskosten von 11 Mio. $ weltweit nur 44 Mio. $ ein.
Die Geschichte dreht sich diesmal um Lt. William Kindermann (George C. Scott), der im Zuge seiner Mordermittlungen in einer psychiatrischen Klinik auf den totgeglaubten Pfarrer Damien Karras (Jason Miller) trifft. Beide Figuren wahren zentrale Charaktere im ersten Teil.

2004: Exorzist: Der Anfang
Hollywood brauchte lange, um den Exorzisten wieder zu entdecken. Doch mit diesem Streifen sollte die Franchise endlich so richtig in Rollen kommen. Das produzierende Morgan Creek Studio legte dabei einen solchen Perfektionismus an den Tag, dass es sogar den ursprünglich gedrehten Film von Paul Schrader verwarf und ihn nochmals neu von Renny Harlin inszenieren liess. Doch das Ganze zahlte sich nicht aus und wie seine beiden Vorgänger enttäuschte auch "Exorzist: Der Anfang" an den Kinokassen (Budget: 50 Mio. $; Box-Office weltweit: 78 Mio. $).
Die Story des Streifens dreht sich dabei um die erste Begegnung von Pater Lankester Merrin (dargestellt von Stellan Skarsgård), der im ersten Teil den Exorzismus an Regan MacNeil durchführte, mit dem Dämon Pazuzu.

2005: Dominion: Exorzist – Der Anfang des Bösen
Nachdem die Neuversion "Exorzist: Der Anfang" an den Kinokassen nicht überzeugen konnte, wandte sich Rechteinhaber Morgan Creek Productions reumütig an Paul Schrader, dessen ursprüngliche Version sie zur Veröffentlichung ablehnten. Dabei stellten sie Schrader ein begrenztes Budget zur Verfügung um seine Version fertigzustellen. Am Ende kostete seine Geschichte, welche weniger effekthaschend daherkommt und sich mehr auf die Gewissenkonflikte der Hauptfiguren konzentriert, rund 30 Mio. $. Selbst für heutige Verhältnisse ein stattliches Budget für einen Horrorfilm. Doch auch Schraders Version konnte dem Exorzisten keine Frischzellenkur verpassen und floppte an den Kinokassen gnadenlos. In den USA spielte er gerademal 251'495 $ ein - ein katastrophales Ergebnis.
Quellen:
- https://en.wikipedia.org/wiki/The_Exorcist_(franchise) (englisch)
- Wikipedia (englisch und deutsch, diverse Recherchen)
- www.imdb.com (Trivia, diverse Informationen)
- Quellangaben Besucherzahlen
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