
"Cocktail für eine Leiche" ist ein cleveres, toll gespieltes und spannend inszeniertes Kriminalstück, welches die minimalistische Location raffiniert zu nutzen weiss und durch seine geistreichen Dialoge sowie die originelle Ausgangslage begeistert. Agatha Christie hätte es nicht besser machen können.
Story
Die Studenten Brandon (John Dall) und Phlip (Farley Granger) sind Angehörige von Manhattans High Society und teilen sich gemeinsam ein Appartement im Herzen New Yorks. Gemeinsam wollen sie den perfekten Mord ausüben. Ihr Opfer ist dabei ihr Freund David Kentley, den sie für intellektuell unterlegen halten. Kurzenhand locken sie ihn in ihre Wohnung und erdrosseln ihn. Anschliessend verstecken sie ihn in einer Holztruhe im Wohnbereich. Zur "Krönung" ihrer Tat laden sie Gäste ein und veranstalten eine kleine Party. Unter den Ahnungslosen befinden sich nicht nur die Verlobte (Joan Chandler) und die Eltern des Ermordeten sondern auch ihr ehemaliger Professor, Rupert Cadell (James Stewart). Doch im Gegensatz zu den übrigen Gästen schöpft Cadell bald Verdacht, dass etwas nicht mit rechten Dingen zu und her geht...
Hintergrund
Alfred Hitchcock wollte "Cocktail für eine Leiche" so inszenieren, als ob er in einem Take aufgenommen wurde. Da zum damaligen Zeitpunkt aber die Laufzeit einer Filmrolle nur etwa zehn Minuten betrug, musst er einen Trick anwenden. Er zoomte gegen Ende der Rolle jeweils so nah auf ein Bild (z.B. das Kleidungsstück eines der Protagonisten), bis dieses die ganze Fläche ausfüllte. Danach begann er die neue Filmrolle am selben Ort und zoomte mit der Kamera wieder zurück. So konnte er einen "unsichtbaren" Schnitt kreiieren. Dennoch musste er alle 20 Minuten einen "harten" Schnitt vornehmen, da nach diesem Zeitpunkt in den Kinos die Filmrollen gewechselt werden mussten.
Ursprünglich wollte Hitchcock Cary Grant in der Rolle von Rupert Cadell besetzen. Doch dieser lehnte wegen der homsexuellen Bezüge des Streifens ab. Auch Montgomery Clift, von dem bekannt war, dass er homosexuell war, wurde für eine der Hauptfiguren in Betracht gezogen. Doch auch er wurde schliesslich nicht verpflichtet.
An den Kinokassen war "Cocktail für eine Leiche" nicht der erhoffte Hit und spielte um ein vielfaches weniger ein als Hitckcocks vorherige Kassenschlager "Ich kämpfe um dich" (1945) und "Berüchtigt" (1946). Auch die Kritiker zeigten sich im besten Fall verhalten positiv und fanden keine überschwenglichen Worte für das Kriminalstück. Später sollte sich dies ändern und "Cocktail eine Leiche" wurde je länger je mehr als Klassiker geadelt.
"Cocktail für eine Leiche" war drei Jahrzehnte lang nicht erhältlich, weil die Rechte an dem Streifen - zusammen mit vier anderen Filmen aus demselben Zeitraum - von Sir Alfred Hitchcock zurückgekauft und als Teil seines Vermächtnisses seiner Tochter Patricia Hitchcock überlassen wurden. Unter Cineasten gingen die Filme als die berüchtigten "fünf verlorenen Hitchcocks" in die Geschichte ein. Zu den anderen Filmen zählten Das Fenster zum Hof (1954), Der Mann, der zuviel wußte (1956), "Immer Ärger mit Harry" (1955) und Vertigo: Aus dem Reich der Toten (1958). Alle fünf Filme wurden schliesslich 1984, nach 30-jähriger Abwesenheit, wieder in den Kinos aufgeführt.
Originaltitel: Rope
Regie: Alfred Hitchcock
Darsteller: James Stewart, John Dall, Farley Granger, Joan Chandler, Sir Cedric Hardwicke, Constance Collier, Douglas Dick, Edith Evanson
Laufzeit: 80 Minuten
US-Premiere: 25.09.1948
Metacritic: 73/100
Budget: 1,51 Mio. $
US-Verleiheinspiel: 2,02 Mio. $
Verleiheinspiel weltweit: 2,74 Mio. $
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