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Disney Goes Live - Die Live-Action-Remakes im Rückblick


Recycling mal anders: Seit Jahren verfilmt das derzeit erfolgreichste Filmstudio aller Zeiten seine Zeichentrickklassiker neu als Realfilme - mit riesigem Erfolg. Zeit für einen ausgiebigen Rückblick auf die Realfilm-Remakes des omnipräsenten Mäusestudios...

Nostalgie war in den letzten Jahren voll im Trend. Ob "Star Wars", "Jurassic Park", "Mad Max" oder "Halloween" - altbekanntes ist und bleibt beliebt. Marktführer Disney reitet ebenfalls schon seit einigen Jahren euphorisch auf der Nostalgiewelle und trieb das ganze auf die Spitze. Seit 2010 verfilmt das Studio seine Zeichentrickklassiker in regelmässigen Abständen als Realversionen und häufg gar als 1:1-Remake der Zeichentrickvorlage. "Will doch niemand sehen!" oder "Das kann doch nicht gutgehen!" waren anfänglich die typischen Reaktionen. 

 

Doch weit gefehlt. Das Publikum strömt für die realen Neuauflagen ihrer Lieblinge scharenweise in die Kinos und sorgte für traumhafte Gewinne beim Mäusestudio. So spielte z.B. "The Jungle Book" weltweit 967 Mio. $ ein, "Aladdin" durchbrach knapp die eine Milliarde-$-Schallmauer und Jon Favreaus "Der König der Löwen" überbot das ganze mit sensationellen 1,66 Mrd. $ Umsatz. Das zwischendurch mal eine Realversion finanziell weniger Glück hatte (z.B. Tim Burtons "Dumbo", 2019) konnte die Studiobosse bis heute nicht vom munteren Recycling ihrer Pinsel-Klassiker abhalten. 

 

Da mittlerweile unzählige Disney-Realverfilmungen auf den Markt drängten, ist es der ideale Zeitpunkt um einige der Verfilmungen Revue passieren zu lassen...

 

1996: 101 Dalmatiner

 

Realverfilmung von: "101 Dalmatiner" (1961)

 

Das Original zählt heue zu einem der beliebtesten Klassiker der Disney-Studios und zu einem unschlagbaren Evergreen. Die Herstellung des Streifens stand damals jedoch auf der Kippe, da die Produktionskosten zu hoch waren. Doch dank des neuartigen Fotokopierverfahrens Xerox, welches den aufwändigen Einfärbungsprozess ersparte, konnte er schliesslich für die Hälfte des ursprünglichen Budgets in den Kasten gebracht werden. An den Kinokassen war "101 Dalmatiner" bereits bei seiner Erstaufführung ein grosser Hit und brachte es allein in den USA auf Verleiheinnahmen von 6,2 Mio. $ (Kosten: 3,6 Mio.). 

 

Die Neuverfilmung von 1996 mit Glenn Close als fiese Hundehasserin Cruella de Vil war ebenfalls vom Start weg ein Erfolg. Und dies, obwohl die Kritiken zum Remake mehrheitlich negativ ausfielen und der Film von den Schreiberlingen unisono als "fad und sinnlos" abgestempelt wurde. Den Erfolg an den Kinokassen konnten sie jedoch nicht verhindern und "101 Dalmatiner" spielte weltweit fast 321 Mio. $ ein (Kosten: 67 Mio. $). 2000 folgte eine Fortsetzung des Remakes (Titel "102 Dalmatiner"), welche jedoch kommerziell nicht mehr überzeugen konnte.

 

2010: Alice im Wunderland

 

Realverfilmung von: "Alice im Wunderland" (1951)

 

Das Zeichentrickoriginal von 1951 war bei seiner Erstaufführung nur ein mittlmässiger Kassenerfolg. Mit US-Verleiheinnamen von 2,4 Mio. $ war er für das Disneystudio gar ein Verlustgeschäft da er mit über 3 Mio. $ Produktionskosten zu teuer war um Gewinne abzuwerfen. Die Kritiker standen "Alice im Wunderland" zwar mehrheitlich wohlwollend gegenüber, die Fans von Lewis Carrolls Romanvorlage waren jedoch weniger verständnisvoll. Sie warfen dem Streifen eine zu starke "Amerikanisierung" vor. 


Tim Burtons 2010er Neuverfilmung hatte mit solcherlei Dingen wenig zu kämpfen. Bis auf die mittelprächtigen Kritiken erhielt die 200 Mio. $ teuere Produktion wenig Gegenwind und entwickelte sich mit einem weltweiten Box-Office von 1,025 Mrd. $ zum zweiterfolgreichsten Film des Jahres 2010. Die Fortsetzung folgte 2016 unter dem Titel "Alice im Wunderland: Hinter den Spiegeln", konnte aber weder künstlerisch noch kommerziell überzeugen.

 

2014: Maleficent – Die dunkle Fee

 

Realverfilmung von: "Dornröschen" (1951)

 

"Maleficent - Die dunkle Fee" basiert nur lose auf Disneys 1959er Klassiker "Dornröschen".  Das Original war damals mit Produktionskosten von 6 Mio. $ die teuerste Disney-Produktion überhaupt. An den US-Kinokassen brachte es der Streifen zwar auf beeindruckende 5,3 Mio. $, doch brauchte er dennoch mehrere Wiederaufführungen bis es für die schwarzen Zahlen reichte. Die Kritiker standen dem Streifen eher mit gemischten Gefühlen gegenüber. 


Der Realverfilmung ging es da 2014 schon besser - zumindest in Bezug auf die Kinokasseneinnahmen. Diese betrugen weltweit 758 Mio. $ (Kostenpunkt: 180 Mio. $) und bestärkten so die Disneystudios zur weiteren Produktion von Realverfilmungen. Bei den Kritikern hatte "Maleficient" jedoch einen deutlich schwierigeren Stand und lediglich Angelina Jolie als böse Fee sowie die visuellen Effekte erhielten Lob.

 

2015: Cinderella

 

Realverfilmung von: "Cinderella" (1950)

 

Nach einer langen Durststrecke war "Cinderella" 1950 für das Disneystudio endlich wieder ein lupenreiner Kassenhit. Allein die US-Verleiheinnahmen betrugen 4,15 Mio. $, womit die Märchenverfilmung unter den Top Ten des Jahres 1950 rangierte. Und auch den Kritikern gefiel der Streifen: "Cinderella" erhielt die besten Rezensionen seit "Dumbo" (1941). 


Die 2015er Version von Shakespeare-Experte Kenneth Brannagh muss sich vor dem Original nicht verstecken: Nebst überwiegend positiven Kritiken schaffte es die Realverfilmung mit einem weltweiten Box-Office von 543 Mio. $ auf Rang 12 der Jahrescharts. Dies war zum grossen Teil auch "Downton Abbey"-Star Lily James zu verdanken, die Cinderella mit viel Natürlichkeit und unschuldigem Charme vekörpert. Doch auch der restliche Cast - u.a. Cate Blanchett als fiese Lady Tremaine, Stellan Skarsgård als Grossherzog und Helena Bonham Carter als gute Fee - weiss zu überzeugen.

      

2015: The Jungle Book

 

Realverfilmung von: Das Dschungelbuch (1967)

 

Das Original von 1967 entwickelte sich zu einem der beliebtesten und meistgesehenen Zeichentrickfilmen aller Zeiten. In Deutschland sahen ihn insgesamt über 27 Millionen Kinobesucher. Bei seiner Uraufführung wurde das Dschungelabenteuer mit US-Verleiheinnahmen von 13 Mio. $ einer der erfolgreichsten Filme des Jahres. Und dies obwohl 1967 überwiegend gesellschaftliche Dramen wie "Die Reifeprüfung" oder "Rat mal, wer zum Essen kommt" die Kinokassen klingeln liessen und "Das Dschungelbuch" deshalb fast schon eine Art "Anachronismus" darstellte. 

 

Die Skepsis gegenüber der Realverfilmung war verständlicherweise riesig. Doch Regisseur Jon Favreau gelang mit seiner 2016er Version erstaunliches und er konnte nicht nur den Geist des Originals einfangen sondern verschaffte auch dem Motion-Capture ein ordentliches Upgrade. Das Wort "photorealistisch" hat seither eine ganz andere Bedeutung. Und auch die Kinokasse stimmte: Produktionskosten von 175 Mio. $ stand ein weltweites Box-Office von 967 Mio. $ gegenüber.

 

2017: Die Schöne und das Biest

 

Realverfilmung von: "Die Schöne und das Biest" (1991)

 

Das Original von 1991 war in vielerlei Hinsicht wegweisend und brachte Disney als die Nummer eins für atemberaubende Zeichentrickunterhaltung wieder zurück ins kollektive Gedächtnis. Unvergessen blieben auch die zahlreichen mitreissenden Songs, von denen gar "Beauty and the Beast" mit dem Oscar ausgezeichnet wurde. Auch die Kritiker feierten Disneys Rückkehr zur Form euphorisch und vergaben "Die Schöne und das Biest" Bestnoten. Mit einem weltweiten Box-Office von 352 Mio. $ (umgerechnete auf 2024-Werte rund 1,22 Mrd.) wurde Hollywoods Interpretation des französischen Folkloremärchens zu einem der grössten Hits des Jahres 1991. In Deutschland zählte er über 5,1 Millionen Kinobesucher.


Obwohl die Realverfilmung mit "Harry Potter"-Star Emma Watson nicht die kreative Qualiät des Originals erreicht, war sie mit einem weltweiten Box-Office von 1,26 Mrd. $ dennoch ein gigantischer Kassenerfolg. Und auch die Kritiker vergaben der Realversion überwiegend gute Noten (Metascorce: 65/100).

      

2019: Dumbo

 

Realverfilmung von: "Dumbo" (1941)

 

Das Original von 1941 war in den Kriegsjahren einer der wenigen Filme welche dem Disneystudio keine Verluste bescherte. Während "Pinocchio" (1940) und "Fantasia" (1940) aufgrund ihrer enormen Produktionskosten rote Zahlen schrieben, konnte der Elefant mit den Riesenohren dem Studio das dringend benötigte Kleingeld einbringen (Kosten: 950'000 $; US-Verleiheinspiel: 1,3 Mio. $). Und auch bei den Kritikern hatte "Dumbo" viele Befürworter. 


Da hatte es Tim Burtons überaus solide Realverfilmung schon einiges schwieriger. Denn weder die Kritiker noch das Publikum konnten sich für seine Version so richtig erwärmen. Folglich blieb die "Dumbo" an den Kinokassen mit einem weltweiten Box-Office von 353 Mio. $ (Kosten: 170 Mio.) weit hinter den Erwartungen zurück. Eigentlich schade, denn Burtions Version hat sowohl zahlreiche visuelle und emotionale Höhepunkte als auch einen exzellenten Cast (u.a. Colin Farrell, Michael Keaton, Danny DeVito und Eva Green) zu bieten. 

 

2019: Aladdin

 

Realverfilmung von: "Aladdin" (1992)

 

Das Original von 1992 mauserte sich damals zu einem der erfolgreichsten Filme des Mäusestudios und machte den Zeichentrickfilm wieder kinokassentauglich. Die Geschichte aus 1001. Nacht war mit einem weltweiten Box-Office von 504 Mio. $ (auf heutige Werte umgerechnet ca. 1,75 Mrd.) nicht nur der grösste Kassenschlager des Jahres sondern gewann zudem noch zwei Oscars in den Kategorien Beste Filmmusik und Bester Song (A Whole New World). 

 

Die 2019er Realverfilmung erhielt hingegen bereits im Vorfeld viel Kritik - in erster Linie für die Besetzung von Will Smith als Flaschengeist Dschinni. Doch Guy Ritchies Remake war dann doch nicht so schlimm wie prophezeit und bietet visuell beeindruckende und kurzweilige Unterhaltung. Auch auf den kommerziellen Erfolg hatten die Kontroversen keinerlei Auswirkungen und "Aladdin" spülte bei Produktionskosten von 183 Mio. $ weltweit beeindruckende 1,05 Mrd. $ in die Kinokassen.

 

2019: Der König der Löwen

 

Realverfilmung von: Der König der Löwen (1994)

 

Mit atemberaubend animierten Bildern, liebvollen Charakteren und unvergesslichen Songs (Circle of Life, Can You Feel The Love Tonight, Hakuna Matata, etc.) schlich sich das Original 1994 direkt in die Herzen von Abermillionen Kinobesuchern. Kein Wunder brach "Der König der Löwen" mit einem globalen Box-Office von damals astronomischen 769 Mio. $ (in 2024-$ rund 2,58 Mrd. !) sämtliche Zeichentrickfilm-Rekorde und hatte gar ein äusserst erfolgreiches Broadway-Musical zur Folge. Zusätzlich heimste die bewegende Geschichte um Löwenjunge Simba zwei Oscars ein (Song Can You Feel The Love Tonight, Ton).

 

Es war also nur eine Frage der Zeit bis sich Disney auch an eine Realversion von "Der König der Löwen" herantraute. Nach dem gigantischen Erfolg von "The Jungle Book" im Jahr 2016, war es dann schliesslich soweit und Disney gab Regisseur Jon Favreau grünes Licht und ein Budget von stattlichen 260 Mio. $. Herausgekommen ist dabei technisch brillantes Popcornkino, welches jedoch den Charme und die Klasse der Originals vermissen lässt. Für gigantische Umsätze (Box-Office weltweit: 1,66 Mrd. $) und eine Oscarnominierung für die Besten Spezialeffekte reichte es aber dennoch.

 

2020: Mulan

 

Realverfilmung von: "Mulan" (1998)

 

Das Zeichentrick-Original war 1998 wenig auffällig. Weder hatte es euphorischen Zuspruch seitens Kritik- und Publikum, noch wartete es mit unvergesslichen Songs auf. Auch hatte es kein so gewaltiges Vermächtnis wie z.B. "Aladdin" oder "Der König der Löwen". An den Kinokassen lief "Mulan" zwar besser als "Hercules" (1997), aber für die Box-Office-Sphären von "Aladdin" oder "Der König der Löwen" reichte es dennoch nicht (Box-Office weltweit: 304 Mio. $). Mittlerweile hat der Streifen aber eine grosse Fangemeinde und zählt zu einem der beliebtesten Filme des Mäusestudios.

 

In der Realverfilmung geben sich unter der Regie von Niki Caro ("Whale Rider", 2002) u.a. Liu Yifei als Mulan, Donnie Yen als Kommandant Tung, Gong Li als mächtige Hexe und Jet Li als chinesicher Kaiser die Ehre. Allerdings wird die Neuinterpretation um das wohl beliebteste Elemente des Originals beraubt: Drache Mushu kommt nicht vor. Die Kritiker störten sich nicht daran und vergaben der Neuverfilmung überwiegend gute Noten (Metascore: 66/100). Das Publikum war jedoch anderer Meinung und "Mulan" zählt mit einer IMDb-Bewertung von 5,8 eher zu den schlechter bewerteten Realverfilmungen.

 

2023: Arielle, die Meerjungfrau

 

Realverfilmung von: "Arielle, die Meerjungfrau" (1989)

 

Das animierte Original war damals eine echt Überraschung. Disney hatte jahrelang keinen richtigen grossen Hit mehr vorweisen können und setzte folglich auch nicht die grössten Hoffnungen in die Kinoadaption des berühmten Märchens des dänischen Schriftstellers Hans Christian Andersen (1805-1875). Trotzdem investierte der Konzern 40 Mio. $ in die Zeichentrickversion. Zur grossen Überraschung der Studiobosse zahlte sich das ganze aber aus und "Arielle, die Meerjungfrau" wurde mit einem weltweiten Box-Office von 184 Mio. $ (695 Mio. in 2024-$) ein überraschend grosser Hit. Nebenbei wurde er von den Kritikern in den höchsten Tönen gelobt und konnte gar zwei Oscars abstauben (Song Under the Sea, Filmmusik).

 

2023 schliesslich wagte sich das Mäusestudio an die Realverfilmung. Wie zuvor wurden jedoch für die Realfilm-Variane kleinere Veränderungen vorgenommen. Herausgekommen ist dabei ein solides, aber wenig innovatives Remake, welches wie üblich an den Kinokassen überzeugen konnte. In einem waren sich aber alle einig: An das Original kommt die Neuverfilmung bei weitem nicht ran.

 


Die 10 erfolgreichsten Disney Live-Action-Remakes an der Kinokasse


Die Auflistung erfolgt anhand des geschätzten inflationsbereinigten weltweiten Box-Office in US-$. In Klammern ist das Original-Box-Office aufgeführt.

 


Die 10 besten Disney Live-Action-Remakes gemäss den Kritikern


Die Auflistung der Filme erfolgt anhand des Metascore von www.metacritic.com. Die Skala geht dabei von 1-100 und je höher der Wert, desto besser viel das Urteil der Kritiker aus. Ab einem Wert von 61 hatte der Streifen überwiegend positive Kritiken. Filme mit einem Wert von 81 und mehr erhalten das Gütesiegel "MUST-SEE" und gelten als besonders sehenswert. 

 


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