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The Midas Touch: Als "Goldfinger" James Bond auch in den USA populär machte


Obwohl James Bond in Europa bereits ein Star war und vielerorts Kassenrekorde brach, fristete er in den USA noch ein Schattendasein. Doch mit "Goldfinger" sollte sich dies im Dezember des Jahres 1964 schlagartig ändern...

Es ist der 22. Dezember 1964. In New York City feiert James Bond 007 - Goldfinger Premiere. Es ist nicht der erste Auftritt von 007 auf der grossen Leinwand. Es ist nach James Bond 007 jagt Dr. No und James Bond 007 - Liebesgrüsse aus Moskau sogar bereits der dritte. Doch irgendetwas ist anders. Die Menge ist anders. Denn im Gegensatz zu den Vorgängern sind bereits kilometerlange Schlangen vor den Vorführsälen. Diese bilden sich bereits um drei Uhr früh. Die Nachfrage wird sogar so hoch werden, dass das DeMille Kinotheater in New York City den Film mehrere Tage lang ununterbrochen laufen lassen muss. Die Premiere gleicht einer Sensation.

 

Doch zurück ins Jahr 1962. Genauer gesagt zum 5. Oktober 1962. An diesem Tag feiert "James Bond 007 jagt Dr. No" in London seine gloriose Premiere. Vom Start weg wird der Agententhriller zum Kassenschlager, spielt in nur zwei Wochen damals gigantische 840'000 $ ein und macht Sean Connery über Nacht zum Superstar. Auch in anderen Teilen Europas wird der Film ein grosser Publikumserfolg und macht den MI6-Agent 007 zur neuen Actionikone.

 

In den USA feiert der Streifen am 8. Mai 1963 seine Premiere. Die Produzenten sowie die für den Verleih zuständige United Artists erhoffen sich grosses. Doch jenseits des grossen Teichs kann "James Bond 007 jagt Dr. No" an den Kinokassen nicht so recht überzeugen. Mit Verleiheinnahmen von 2,4 Mio. $ ist er zwar alles andere als ein Flop - vor allem in Anbetracht seiner geringen Produktionskosten von 1,1 Mio. $ -, doch ein Hit sieht anders aus. Er kann sich nur knapp für die Top 50 des Jahres qualifizieren (Rang 44). Gegenüber den 4 Mio. $, die "James Bond 007 jagt Dr. No" jedoch ausserhalb der USA einbrachte, nur Kleingeld.

 

Sean Connery in "James Bond 007 jagt Dr. No" - Ein Hit in Europa, ein moderater Erfolg in den USA
Sean Connery in "James Bond 007 jagt Dr. No" - Ein Hit in Europa, ein moderater Erfolg in den USA

 

Am guten Willen und Engagement der Produzenten lag es jedoch nicht. Denn diese starteten ihre US-Werbekampagne bereits 15 Monate vor Beginn der Londoner-Premiere. Mit Hilfe von u.a. James Bond-Handbüchern, welche die Vorlieben und Abneigungen der Hauptfigur beleuchteten, und Zeitungsartikeln versuchten sie, den Bekanntheitsgrad von Ian Flemings Filmfigur zu erhöhen. Auch brachten sie erste Fotos von Bond-Girl Ursula Andress im Bikini sowie erste Teaser-Trailer und Steckbriefe zu James Bond in Umlauf. Dennoch ging die United Artists nicht auf volles Risiko und wartete mit der Intensivierung der Kampagne den Kinostart in Europa ab.

 

In erster Linie konzentrierten sich die Produzenten auch darauf, Sean Connery zum Star und in den USA bekannt zu machen. Dafür engagierten sie den jungen Schotten für eine landesweite Werbetour, in welcher Connery u.a. New York, Chicago, Los Angeles, San Francisco und Kansas City besuchte. An seiner Seite war auch Regisseur Terence Young.

 

Obwohl die Bemühungen für "James Bond 007 jagt Dr. No" nur mässig Früchte trugen, waren sie dennoch segensreich. Denn bereits ein Jahr nach der Premiere des Streifens lieferten die Produzenten ein weiteres Abenteuer des MI-6-Agenten ab: "Liebesgrüsse aus Moskau". 


Der Streifen erwies sich als noch spektakulärer als sein Vorgänger und feierte in den USA am 27. Mai 1964 seine Premiere. Gegenüber seinem Vorgänger konnte "Liebesgrüsse aus Moskau" an den Kinokassen noch eine Schippe drauflegen und erzielte auf dem US-Markt Verleiheinnahmen von 4,5 Mio. $. Damit spielte er nicht nur fast das Doppelte seines Vorgängers ein, sondern zählte auch zu den 20 umsatzstärksten Filmen des Jahres. Doch der grosse Wurf sollte erst noch folgen.

 

"Liebesgrüsse aus Moskau": Ein beachtlicher Erfolg, aber noch kein Blockbuster (im Bild: Daniela Bianchi, Sean Connery)
"Liebesgrüsse aus Moskau": Ein beachtlicher Erfolg, aber noch kein Blockbuster (im Bild: Daniela Bianchi, Sean Connery)

 

Zurück zum 22. Dezember 1964 und zur Premiere von "Goldfinger" in New York City. Dort knallen die Korken wie nie zuvor bei den Bond-Produzenten. Denn mit "Goldfinger" haben sie nicht nur einen Hit in der Hand, sondern ein regelrechtes Box-Office-Phänomen. Seine Produktionskosten von 3 Mio. $ spielte der von der Kritik ebenfalls euphorisch gefeierte Streifen in nur zwei Wochen wieder ein. "Goldfinger" wurde ausserdem simultan in rund 40 Städten der USA und Kanada aufgeführt. Innerhalb von 14 Wochen brachte das Agentenabenteuer schliesslich eine Verleihsumme von 10,3 Mio. $ ein. Gemäss dem Branchenblatt Variety spielte nie ein Film zuvor in einer solch kurzen Zeit eine solch enorme Summe ein.

 

Ausserhalb der USA war "Goldfinger" ebenfalls ein Kassenschlager und wurde wie in den USA flächendeckend im sogenannten Saturation Release vermarktet. Insgesamt waren weltweit rund 1'100 Kopien im Umlauf. Allein in Deutschland waren rund 100 Kopien im Einsatz, während üblicherweise für einen Neustart zur damaligen Zeit lediglich 20 Kopien vonnöten waren. Zahlreiche Kinos in aller Welt meldeten Umsatz- und Besucherrekorde.

 

Am Ende seiner Auswertung erwirtschaftete "Goldfinger" in den USA 19,7 Mio. $ und weltweit 46 Mio. $ an Verleiheinnahmen. Damals gigantische Summen. In den USA reichte dies für Platz zwei der Jahrescharts 1964 - nur Walt Disneys gefeiertes Musical Mary Poppins war mit 31 Mio. $ erfolgreicher. Viel wichtiger war jedoch, dass der berühmteste Agent seiner Majestät nun endlich auch in den USA ein Blockbuster-Garant war. Denn auch die Amerikaner zählten nun vortan auf das bis heute eingelöste Versprechen im Abspann: James Bond Will Return.


Quellen:

  • "United Artists, Volume 2, 1951–1978: The Company That Changed the Film Industry" (1978, Tino Balio)

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