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Es kann nur einen geben: Wie "Highlander" zum Kultfilm wurde


Eine Filmlandschaft ohne den Highlander ist heue kaum mehr vorstellbar. Nicht umsonst werkelt Hollywood unter der Ägide von "John Wick"-Schöpfer Chad Stahelski an einer Neuversion des kultigen Actionstoffs. Doch der Unsterbliche hatte es zu Beginn an den Kinokassen und bei den Kritikern alles andere als einfach...

Es ist der 7. März 1986. In Los Angeles feiert der 16 Mio. $ teure Fantasy-Action-Streifen "Highlander - Es kann nur einen geben" seine Premiere. Die Kritiken sind wenig schmeichelhaft. So urteilte das Branchenblatt Variety über den Streifen, dass er zwar unterhaltsame Momente biete, als Gesamtwerk jedoch eine echtes Chaos sei. Einzig der am Video-Clip angelegte visuelle Stil wurde von der Presse lobend hervorgehoben.

 

Auch an den US-Kinokassen lief es für den Highlander nicht viel besser: An seinem Premierenwochenende spielte er trotz der charismatischen Präsenz von Ex-Bond Sean Connery in 1'040 Kinos nur magere 2,45 Mio. $ ein. Dies entsprach gerademal 2'358 $ pro Kino. Ein lupenreiner Flop. Am Ende seiner Laufzeit standen gerademal 5,9 Mio. $ auf der Habenseite - viel zu wenig für den so wichtigen US-Markt. Die Erwartungen in Bezug auf den internationalen Markt hielten sich folglich in Grenzen.

 

In Frankreich, wo Hauptdarsteller Christopher Lambert bereits ein Star war, gelang "Highlander" jedoch eine handfeste Überraschung: Gestartet am 26. März 1986, also nur 19 Tage nach der US-Premiere, lockte er über 4,14 Millionen Franzosen in die Vorführsäle. Damit war er der siebterfolgreichste Film des Jahres 1986.

      

In Deutschland startete "Highlander - Es kann nur einen geben" erst am 28. August 1986 in den Kinos. Die Kritiken fielen ähnlich wie in den USA eher zurückhaltend aus und der Tenor lehnte sich an die Kritik des Lexikon des internationalen Films an, der da lautete:

 

„Ein mit großem Aufwand inszenierter, durchweg unterhaltsamer Fantasyfilm voller Aktion und Tempo. Die Klischees der Handlung werden durch ausgefeilte, nicht ohne Witz dargebotene Kino-Attraktionen, vor allem aber die formalen Mittel des Videoclips überspielt: ausgetüftelte Kamerafahrten, Lichteffekte, effektsichere Musik und vor allem die Montage schaffen einen schillernden filmischen Kosmos, der die Logik des Raum-Zeit-Gefüges reizvoll aufhebt.“

 

Im Gegensatz zu den US-Kritiken also fast schon euphorische Worte. Zu aller Überraschung gelang "Highlander" in Deutschland bereits auf Anhieb der gross Wurf und er lockt bis zum Ende seiner Auswertung 1,03 Millionen Besucher in die Kinos. Damit knackte er auf dem deutschen Kinomarkt sogar die Top 30 des Jahres 1986, während er in den USA nicht mal in die Top 100 vorstossen konnte. "Highlander" entwickelte sich also vor allem in Europa zum Kassenerfolg. Doch seinen Status als Kultfilm sollte sich der Streifen über den unsterblichen Highlander erst noch verdienen. 

 

Im Kino in den USA ein Flop, auf Video ein Hit
Im Kino in den USA ein Flop, auf Video ein Hit

 

Die 1980er Jahre brachten viele Neuerungen in der Filmlandschaft. So feierte das High Concept seinen Durchbruch, während Hollywood eine Fortsetzung nach der anderen auf die Kinobesucher losliess und sich der Sequelmania hingab. Gleichzeitig feierte das Home Video seinen Siegeszug in den heimischen vier Wänden und besorgte der Filmindustrie gänzlich neue Einnahmequellen. Dieses neue Medium war denn auch massgeblich dafür verantwortlich, dass "Highlander" eine zweite Chance erhielt und zur Film-Franchise werden konnte.

 

Das Medium Video vermochte insbesondere die junge Generation zu begeistern. Diese stürzten sich auf alles mögliche und waren insbesondere von Horror-, Action-, Science-Fiction- und Abenteuerfilmen angetan. In diese Kategorie passte "Highlander" hervorragend. Er hatte jedoch noch weitere Vorteile: Mit seiner Video-Clip-Ästhetik sowie dem fetzigen Soundtrack der Rockband Queen sprach er der MTV-Generation direkt aus dem Herzen. So kam es, dass mehrheitlich junge Männer den Film auf Video neu entdeckten und dafür sorgten, dass er auf dem Videomarkt zum Hit wurde. Und dies auch in den USA.

 

Obwohl die jungen Amerikaner mit den historischen Wurzeln des Highlander wahrscheinlich wenig anfangen konnten, waren sie vom visuellen und akustischen Stil des Streifens begeistert. "Highlander" erhielt also dank seiner äusserst erfolgreichen Videoauswertung ein zweites Leben. Dies zeigte sich überdeutlich in der Produktion der Fortsetzung "Highlander II - Die Rückkehr", welche mit 34 Mio. $ über doppelt soviel wie das Original kostete.

 

Die Kinoauswertung von "Highlander II" wiederum kurbelte den Verkauf der "Highlander"-Videokassetten erneut an und machte ihn noch populärer. Obwohl Teil zwei die Klasse seines Vorgängers in keinster Weise erreichen konnte und auch an den Kinokassen floppte (ausser in Deutschland, wo er wiederum eine Million Kinobesucher anzog), sorgte er dafür, dass der Highlander weiterhin im Gespräch blieb.

 

In den 1990er Jahren war der Unsterbliche deshalb omnipräsenter als je zuvor und erreichte insbesondere dank der TV-Serie "Highlander" (1992-1998) auch jenseits der Leinwand Popularität. In der Serie war jedoch nicht mehr Christopher Lamberts Connor MacLeod die Hauptfigur, sondern dessen Cousin Duncan MacLeod (verkörpert vom Briten Adrian Paul). Eine weitere TV-Serie in Zeichentrickform, welche von 1994-1996 über die US-Fernsehbildschirme flimmerte, sowie weitere Kino- und TV-Sequels folgten. Am Ende konnte es aber trotzdem immer nur einen geben: Russell Mulcahys Kultfilm "Highlander - Es kann nur einen geben".

 


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