
Clint Eastwood ist vieles - der Mann ohne Namen, Dirty Harry, Josey Wales, etc. Aber vor allem ist er ein der grössten lebenden Legenden des Kinos. Zeit für einen Box-Office-Rückblick auf die erfolgreichsten Filme des 93-Jährigen...
Er ist eine der grössten lebenden Legenden Hollywoods - Clint Eastwood. Vor wenigen Monaten ist seine voraussichtlich letzte Regiearbeit im Kino erschienen: "Juror #2". Doch Eastwoods Gesicht war viel zu markant und einprägsam, als dass es nur hinter der Kamera verborgen bleiben konnte. Denn angefangen hat der Superstar natürlich als Schauspieler vor der Kamera.
Seinen letzten grossen Auftritt als Schauspieler hatte der heute 93-Jährige in dem Neo-Western "Cry Macho", in welchem er einen abgehalfterten Ex-Rodeo-Star spielt, der den Sohn eines Freundes aus Mexiko zurückbringen soll und dabei eine väterliche Beziehung zu ihm aufbaut. An den Kinokassen und bei den Kritikern floppte "Cry Macho". Nicht der erste Flop in Eastwoods Karriere.
Doch Eastwood war in all den Jahrzehnten ein Fels in der Brandung und lieferte immer wieder - häufig auch in Folge - Kassenhits ab. Zeit also für einen Rückblick auf die grössten Hits des Superstars. Da nicht für alle Filme von Eastwood die weltweiten Box-Office-Einnahmen bekannt sind erfolgt der Rückblick anhand des inflationsbereinigten US-Box-Office (inkl. Kanada). Wie üblich wird das originale Box-Office angegeben. Sollte es sich um eine Schätzung handeln, so ist dies mit einem Stern (*) nach dem Box-Office vermerkt. Es werden nur die Film, bei welchen er auch vor der Kamera stand berücksichtigt. Einen seiner grössten Hits - "American Sniper" (2014) - ist folglich nicht in der Liste zu finden.

1. Der Mann aus San Fernando (1978) - 592 Mio. $
Box-Office original: 85 Mio. $
Metacritic: 41/100
In diesem seichten Action-Roadmovie heftet sich Clint Eastwood als trinkfester und schlagkräftiger Lkw-Fahrer an die Fersen seiner grossen Liebe (Sondra Locke). Unterstützt wird er dabei von seinen Kumpel Orville (Geoffrey Lewis) und Orang-Utan Clyde. Neben Richard Donners Superman war "Der Mann aus San Fernando" der erfolgreichste Film des Jahres 1978. Für Clint Eastwood erwies er sich ausserdem unerwartet als grösster Kassenhit seiner Karriere. Nebenbei war "Der Mann aus San Fernando" ganz klar ein Kind seiner Zeit und versuchte erfolgreich den Erfolg von Burt Reynolds Mega-Blockbuster "Ein ausgekochtes Schlitzohr" (1977) zu kopieren. Über seinen animalischen Mitstreiter fand Eastwood übrigens nur lobende Worte und er nannte Orang-Utan Manis, der im Film Clyde heisst, "einen der natürlichsten Schauspieler, mit denen ich je gearbeitet habe."

2. Mit Vollgas nach San Fernando (1980) - 419 Mio. $
Box-Office original: 71 Mio. $
Metacritic: 51/100
Wenig überraschend ist auf Rang zwei von Eastwoods grössten Kassenhits die Fortsetzung zu "Der Mann aus San Fernando" zu finden. In dieser will sich Lkw-Fahrer Philo von seinen Faustkämpfen zurückziehen. Als die Mafia jedoch seine Flamme Lynn (wiederum von Sondra Locke dargestellt) entführt, um ihn zu einem grossen Kampf zu überreden, muss Philo nochmals die Fäuste fliegen lassen. Der Streifen war das Regiedebüt von Stuntman Buddy van Horn. Mit Eastwood drehte er noch die Dirty Harry-Fortsetzung "Das Todesspiel" (1988) sowie die Komödie "Pink Cadillac" (1989).

3. Calahan (1973) - 389 Mio. $
Box-Office original: 40 Mio. $
Metacritic: 58/100
Im zweiten Teil der beliebten Dirty Harry-Reihe muss Clint Eastwood als Inspektor Harry Callahan einer Gang von Strassenpolizisten das Handwerk legen. Diese üben Selbstjustiz aus und töten hochrangige Kriminelle. Die Regie für den Streifen lehnte Eastwood ab, behauptete später jedoch, dass er und Buddy Van Horn diverse Szenen gedreht haben. "Calahan" erhielt damals negative Schlagzeilen, da die Mordszene an einer Prostituierten, welche mit einem Abflussreiniger getötet wird, angeblich als Vorlage für die realen Hi-Fi-Morde von Ogden (Utah) diente. Bei diesen Morden überfielen drei Angehörige der US Air Force am 22. April 1974 ein Hi-Fi-Geschäft in Odgen (Utah), nahmen fünf Geiseln, wovon drei getötet und eine weibliche vergewaltigt wurde.

4. Dirty Harry (1971) - 381 Mio. $
Box-Office original: 36 Mio. $
Metacritic: 87/100
Mit diesem Streifen gelang Clint Eastwood endlich auch der Durchbruch im Heimatland USA. Während er dort zwar durch die TV-Serie "Tausend Meilen Staub" (1959-1966) bekannt wurde, gelang ihm im Kino zuvor nie der grosse Wurf. Er arbeitet deshalb in den 1960er Jahren auch fürs europäische Kino und feierte mit Sergio Leones "Für eine Handvoll Dollar"-Trilogie riesige Erfolge. Doch mit seiner Interpretation des ruppigen und die Regeln brechenden Inspektor Harry Calahan begeisterte er auch das US-Publikum. Im ersten Teil muss der Cop aus San Francisco einen skrupellosen Serienkiller (Andy Robinson) stoppen und übertritt dabei des Öfteren die Grenzen des Gesetzes. In der Öffentlichkeit wurde dies sowie die vermeintliche Gewaltverherrlichung des Streifens heiss diskutiert.

5. Dirty Harry III - Der Unerbittliche (1976) - 360 Mio. $
Box-Office original: 46 Mio. $
Metacritic: 58/100
Nachdem er sich mit Regisseur Ted Post am Set des Vorgängers, "Calahan" (1973), zerstritten hatte, wollte Eastwood ursprünglich für den dritten Dirty Harry-Streifen auch die Regie übernehmen. Da er jedoch noch mitten in der Produktion seines Spätwesterns Der Texaner (1976) war, konnte er sich nicht genügend vorbereiten und überliess seinem Regie-Assistent James Fargo den Posten. Diesmal legt sich Harry Calahan mit einer terroristischen Organisation, welche sich aus Vietnam-Veteranen zusammensetzt, an und kriegt eine weibliche Inspektorin zur Seite gestellt. Diese wird von Tyne Daly dargestellt, welche später im TV durch ihre Rolle der Mary Beth Lacey in "Cagney & Lacey" (1981-1988) berühmt wurde.

6. Erbarmungslos (1992) - 344 Mio. $
Box-Office original: 101 Mio. $
Metacritic: 85/100
Mit diesem brillanten Spätwestern feierte Clint Eastwood einen der grössten Erfolge seiner langjährigen Laufbahn und wurde für seine Regie-Arbeit erstmals mit dem Oscar ausgezeichnet. Weitere Trophäen gingen an den Film selbst, Nebendarsteller Gene Hackman und den Schnitt. In dem Streifen spielt Eastwood einen alternden Revolverhelden, der ein letztes Mal zum Colt greift und den tyrannischen Sheriff (Gene Hackman) einer US-Kleinstadt zur Rechenschaft zieht. Schützenhilfe erhält er dabei von einem alten Freund (Morgan Freeman) und einem kurzsichtigen Jungspund (Jaimz Woolvet). Nach Der Texaner (1976) und Pale Rider - Der namenlose Reiter (1985) ist dies bereits Eastwoods dritte Regiearbeit im Westerngenre.

7. In the Line of Fire - Die zweite Chance (1993) - 343 Mio. $
Box-Office original: 102 Mio. $
Metacritic: 74/100
Direkt nach seinem finanziellen und künstlerischen Triumph mit "Erbarmungslos" (1992) legte Eastwood noch einen drauf und lieferte mit diesem ungemein packenden Thriller einen weiteren Hit und Kritikererfolg nach. Auf dem Regiestuhl nahm er diesmal aber nicht mehr Platz, sondern überliess diesen dem Exil-Deutschen Wolfgang Petersen (1941-2022). In dem Streifen mimt Eastwood einen Secret Service Agenten, der sich auf ein Katz-und-Maus-Spiel mit einem psychopathischen Killer (brillant: John Malkovich) einlässt. Dieser will niemand geringeren als den US-Präsidenten höchstpersönlich ermorden. Der Secret Service stellte dabei erstmals seine uneingeschränkte Mitarbeit für einen Film zur Verfügung und fungierte als Berater.

8. Dirty Harry kommt zurück (1983) - 333 Mio. $
Box-Office original: 68 Mio. $
Metacritic: 52/100
"Go ahead, make my day". Dieser ikonische Ausspruch ist hier erstmals aus Inspektor Harry Calahans Mund zu hören. Er sagt den legendären Satz bereits zu Beginn des vierten Dirty Harry-Streifens zu einem bewaffneten Räuber. Doch der ist nicht der Einzige, der den Weg des Hardliner-Cop streift und so wird Calahan als Strafe von seinem Vorgesetzten auf eine Mordserie in einer Kleinstadt ausserhalb San Franciscos angesetzt. Für Eastwood war "Dirty Harry kommt zurück" ein äusserst lukratives Geschäft: Sein Gehalt beinhaltete 60% aller Filmprofite, während die restlichen 40% an die Warner Bros gingen. Angeblich soll Eastwood rund 30 Mio. $ mit dem Streifen verdient haben. Nebenbei konnte er auch noch mit seiner damaligen Partnerin Sondra Locke (1944-2018), welche im Film eine Nebenrolle hat, Zeit verbringen.

9. Flucht von Alcatraz (1979) - 276 Mio. $
Box-Office original: 43 Mio. $
Metacritic: 76/100
Dieser enorm spannende und pseudo-dokumentarische Fluchtthriller war die letzte gemeinsame Zusammenarbeit des Erfolgsduo Don Siegel und Clint Eastwood. Zuvor drehten sie "Coogans großer Bluff" (1968), "Ein Fressen für die Geier" (1970), "Betrogen" (1971) und Dirty Harry (1971). "Flucht von Alcatraz" erzählt die wahre Geschichte der beiden Brüder John und Clarence Anglin (Fred Ward, Jack Thibeau) sowie Frank Morris (von Eastwood verkörpert), denen angeblich als einzige die Flucht aus Alcatraz gelang. Obwohl keine Leichen gefunden wurden, gibt es dennoch keine Beweise dafür, dass ihnen die Flucht wirklich gelang.

10. Der Mann, der niemals aufgibt (1977) - 261 Mio. $
Box-Office original: 35 Mio. $
Metacritic: 59/100
In diesem belanglosen Actionthriller spielt Eastwood einen abgehalfterten Streifenpolizisten, der einen Zeugen aus einem Gefängnis in Las Vegas abholen soll. Der Zeuge "Gus" erweist sich jedoch als eine attraktive junge Frau (Eastwoods Langzeit-Partnerin Sondra Locke), die von der Mafia gejagt wird. Als er sie von Las Vegas nach Phoenix bringen soll, muss er sich gegen zahlreiche Handlanger zu Wehr setzen. Von den 5,5 Mio. $, die der Produktion zur Verfügung standen, gingen rund 1 Mio. $ für die zahlreichen Actionszenen drauf. Geplant war "Der Mann, der niemals aufgibt" übrigens nicht als Clint Eastwood-Vehikel, sondern sollte mit Marlon Brando und Barbara Streisand in den Hauptrollen in die Kinos kommen. Als dann Steve McQueen übernahm und sich mit Streisand zerstritt, war der Weg frei für Eastwood und Sondra Locke.

11. Firefox (1982) - 248 Mio. $
Box-Office original: 47 Mio. $
Metacritic: 44/100
Auch Clint Eastwood konnte es sich nicht verkneifen und wollte auf dem Box-Office-Erfolg von Krieg der Sterne (1977) mitreiten. In diesem soliden, aber wenig innovativen Actionthriller spielt er einen US-Agenten, der in der Sowjetunion den Prototyp eines geheimen Kampfjets klauen soll. Die Referenzen an den Sternenkrieg sind denn auch nicht zu übersehen, wozu auch Spezialeffekt-Experte John Dykstra einiges beitrug. Dykstra arbeitete zuvor bereit bei "Lautlos im Weltraum" (1972), "Star Trek - Der Film" (1979) und - tada! - "Krieg der Sterne" mit. Mit einem Budget von 21 Mio. $ war dies einer von Eastwoods teuersten Filmen überhaupt.

12. Gran Torino (2008) - 245 Mio. $
Box-Office original: 148 Mio. $
Metacritic: 73/100
Eastwood brilliert diesmal vor der Kamera als griesgrämiger Koreakrieg-Veteran Walt Kowalski. Dieser nimmt einen jungen Nachbaren, welcher der Hmong-Gemeinschaft angehört, unter seine Fittiche. Dieser wollte seinen heissgeliebten Gran Torino Baujahr 1972 stehlen. Im Film hat sein Sohn Scott Eastwood einen Gastauftritt. Allerdings wird er im Nachspann noch unter seinem Geburtsnamen Scott Reeves aufgeführt. Eastwood drehte "Gran Torino" in nur 33 Tagen - geplant waren 35 Tage. Für die Dreharbeiten griff er überwiegend auf Laiendarsteller der Hmong-Gemeinschaft zurück.

13. Die Brücken am Fluss (1995) - 223 Mio. $
Box-Office original: 72 Mio. $
Metacritic: 69/100
Kaum zu glauben, aber Dirty Harry kann auch Süssholz raspeln. Und das nicht mal schlecht, wie diese unprätentiös erzählte und von Eastwood höchstpersönlich inszenierte Liebesgeschichte beweist. Einiges zum Gelingen von "Die Brücken am Fluss" trägt aber auch Meryl Streep bei, die in der Rolle der vernachlässigten und sich nach echter Liebe sehnenden Hausfrau erneut beweist, dass sie ein schauspielerisches Schwergewicht ist. Dafür gabs denn auch wieder eine Oscarnominierung. Den Film selbst drehte Eastwood entgegen des üblichen Vorgehens in chronologischer Reihenfolge.

14. Der Wolf hetzt die Meute (1984) - 220 Mio. $
Box-Office original: 48 Mio. $
Metacritic: 61/100
Clint Eastwood überrascht in diesem überaus soliden und spannenden Thriller als ambivalenter Polizeiinspektor, der mit einem gesuchten Serienmörder mehr gemeinsam hat, als ihm lieb ist. Als er dem Killer auf die Spur kommt wird er vom Jäger plötzlich zum Gejagten. Ein Grossteil der Aufnahmen entstand in und um New Orleans und in einer Nebenrolle ist Eastwoods Tochter Alison zu sehen. Ursprünglich sollte "Der Wolf hetzt die Meute" aber in San Francisco gedreht werden, doch aufgrund der zu starken Parallelen mit Eastwoods Klassiker Dirty Harry (1971) entschieden sich die Studiobosse dagegen. Da Regisseur Richard Tuggle aus Eastwoods Sicht zu langsam arbeitete, übernahm er inoffiziell das Zepter und drehte zahlreiche Szenen selbst.

15. Space Cowboys (2001) - 215 Mio. $
Box-Office original: 90 Mio. $
Metacritic: 73/100
Clint Goes to Space: Obwohl "Space Cowboys" technisch gesehen nicht Clint Eastwoods erster Science-Fiction-Film ist - diese Ehre gebührt "Firefox" (1982) - so verschlägt es den Haudegen dennoch erstmals ins Weltall. In diesem vergnüglichen und unterhaltsamen Actionstreifen spielt er einen pensionierten Ingenieur, der einen ausser Kontrolle geratenen Satelliten unschädlich machen soll. Dafür holt er seine ehemaligen Kameraden (Tommy Lee Jones, Donald Sutherland und James Garner) aus dem Ruhestand. Während der Dreharbeiten kugelte sich James Garner die Schulter aus und Donald Sutherland brach sich das Knie. Die Filmmusik wurde von Lennie Niehaus komponiert, der zuvor schon zahlreiche Filme von Eastwood untermalte, so u.a. auch dessen grössten Triumph Erbarmungslos (1992).
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