Die 1910er Jahre markierten für den Film eine turbulente Zeit der Selbstfindung. In dieser äusserst kreativen und wechselhaften Umgebung wurde jedoch die Saat für erste Filmstudios gelegt und die ersten Major Studios feierten ihre Geburtsstunde...
Notizen:
Für die amerikanische Filmindustrie war das Jahr 1912 schicksalsträchtig. In dem Jahr, in welchem die Titanic sank, wurde der Grundstein für drei der grossen Filmstudios gelegt - Universal, Paramount und Sony Pictures. Der Anfang machte die Universal, die damit noch heute zum ältesten bestehenden Filmstudio Hollywoods zählt. Am 30. April 1912 wurde die Universal Pictures von Carl Laemmle, Mark Dintenfass, Charles O. Baumann, Adam Kessel, Pat Powers, William Swanson, David Horsley, Robert H. Cochrane und Jules Brulatour offiziell aus der Taufe gehoben.
Die Idee zur Gründung eines Filmstudios kam Carl Laemmle angeblich, als er stundenlang das Treiben vor einem Kino-Kartenschalter - im Fachjargon als Box-Office bezeichnet - beobachtete, die Besucher zählte und die daraus resultierenden Tageseinnahmen berechnete. Er gab daraufhin nur wenige Wochen später den Handel mit Trockenwaren auf und kaufte die ersten Nickelodeons. Als gewiefter Unternehmer witterte er das grosse Geschäft. Um das von Thomas Alva Edison geschaffene Monopol der Motion Pictures Patent Company und die damit einhergehenden Patentzahlungen zu umgehen, beschloss Laemmle zusammen mit anderen Nickelodeon-Besitzern, selber Filme zu produzieren.
Laemmle brach mit der Gewohnheit Edisons, die Namen seiner Darsteller nicht zu nennen. Damit holte er schnell die Sympathien zahlreicher führender Akteure der damaligen Zeit und legte auch den Grundstein für das spätere Starsystem. Er gab den Schauspielern so die Möglichkeit im Rampenlicht zu stehen und setzte sie bewusst für Marketingzwecke ein.
Durch den Zusammenschluss mehrerer kleinerer Studios und deren Kauf durch Laemmle bildetet sich schliesslich mit der Universal Pictures das erste grosse Filmstudio heraus. Die Universal war dabei als vertikal integriertes Unternehmen ausgelegt und vereinte damit sowohl die Produktion als auch den Vertrieb und die Vorführung in einem. Dadurch hatte das Studio die vollständige Kontrolle über sämtliche Bereiche des Filmschaffens und begründete das bis Ende der 1940er Jahre anhaltende Studiosystem.
Doch Laemmle war natürlich nicht der einzige, der den Braten roch und so kam es auch zur Gründung der Paramount Pictures.
Mit den Gewinnen des Verleihs der französischen Produktion Queen Elizabeth (1912) gründete der aus Ungarn stammende Adolph Zukor (1873 - 1976) die Famous Players Film Company. Damit legte er den Grundstein für das erste Majorstudio in der Geschichte des Films. Bereits 1914 entstand daraus eine eigene Verleihfirma, die Paramount Pictures Corporation. Zukor baute diese Verleihfirma äussert erfolgreich aus und sicherte sich Exklusivverträge mit Famous Players, Bosworth und Lasky. Dadurch waren bald die einflussreichsten Stars und Regisseure unter seiner Obhut. Die Paramount verpflichtete sich dabei, jeweils für jeden Film vorgängig Produktionskosten von 17'500 $ zu übernehmen sowie eine nationale Werbekampagne zu lancieren. Der Verleihgewinn sollte dann auf Basis eines vorher festgelegten Prozentsatzes zwischen den Produzenten und dem Studio aufgeteilt werden. Dies lockte natürlich Stars und Regisseure an und führte dazu, dass die Paramount schliesslich mehr als jede andere Filmgesellschaft verdiente. Darauf reagierte der spätere Gründer der 20th Century Fox, William Fox, und reorganiserte sein Unternehmen dahingehend, dass er die Produktion sowie den Vertrieb seiner Produktionen selbst übernahm. Zudem kümmerte er sich auch um den Vertrieb von Filmen ausserhalb des US-Markts.