In den Roaring Twenties etablierte sich in Hollywood ein System, welches bis in die 1950er Jahre bestand haben sollte: Das Starsystem. Dabei bauten die Studios ihre Darsteller auf und verpassten ihnen ein unverkennbares Image. Doch das Ganze hatte nicht nur Vorteile...
In den 1920er Jahren bildete sich nicht nur das sogennante Studiosystem sondern auch das Starsystem. Dessen Ursprung ging zurück auf die Theaterpraxis Ende des 19. Jahrhunderts. Die Grundregeln des Starsystems waren dabei klar vorgegeben:
Obwohl dies alles sehr rigoros klingt, hatten die Stars mehr Einfluss, als man zuerst glauben könnte. Sie konnten bei der Wahl des Regisseurs sowie der Filmpartner mitreden und hatten auch meist eine stattliche Gage. Auch durften Sie unter den Ihnen vorgelegten Drehbüchern auswählen. Je populärer ein Star war desto mehr Privilegien konnte er einfordern.
Diese Privilegien endeten jedoch spätestens mit den wirtschaftlichen Interessen der Filmstudios. So konnte ein Star z.B. nicht "gegen den Strich" besetzt werden, d.h. in einer Rolle, die seinem vom Studio aufgebauten Image schaden könnte. Auch privat mussten sich die Stars entsprechend benehmen.
So kam es, dass Clark Gable oft als draufgängerischer Liebhaber und Kavalier und Greta Garbo als kühle blonde Schönheit daherkamen. Diese Images waren natürlich für die kreative Freiheit der Stars wenig förderlich und glichen einem Type Casting. Dies war auch einer der Gründe, warum sich immer wieder Schauspieler gegen das Starsystem auflehnten.
Viele profitierten jedoch vom Starsystem, insbesondere in den krisengeplagten 1930er Jahren. Bot das System doch finanzielle Sicherheit und nebenbei das Recht auf Top Billing, also das Recht als erster über dem Filmtitel genannt zu werden. Dies schmeichelte natürlich dem Ego der Stars und war auch für die Umsätze förderlich. Den schliesslich investierten die Filmstudios viel Geld und Zeit in den Aufbau ihrer Zugpferde.
Das Starsystem hatte jedoch auch Nachteile, insbesondere für Schauspieler die nicht zur A-Liga gehörten. Und diese stellten die Mehrheit dar. Sie mussten sowohl auf Mitspracherechte in Bezug auf die Wahl der Drehbücher als auch auf eine lukrative Gage verzichten. Dennoch verfügten auch sie über Langzeitverträge, die denen der Stars in Bezug auf die Laufzeit ähnelten. Fairerweise muss gesagt werden, dass auch diese Schauspieler immerhin die Chance erhielten, zum Star aufzusteigen.
Obwohl die Stars im Starsystem eigentlich vertraglich an eine Filmstudio gebunden waren kam es immer wieder vor, dass die Studios ihre Talente ausliehen. So kam es, dass z.B. Clark Gable von der MGM an die Columbia Pictures ausgehliehen wurde und dort den Klassiker Es geschah in einer Nacht (1934) drehte. Eigentlich als Strafe für Gables angeblich aufsässiges Verhalten gedacht, wurde der Streifen einer seiner populärsten Filme und Gewinner von insgesamt fünf Oscars.
Obwohl das Starsystem lange sehr erfolgreich Bestand hatte, kam es in den 1950er Jahren immer wie mehr aus der Mode. Einer der Hauptgründe dafür war der unaufhaltsame Siegeszug des Fernsehens sowie die daraus resultierende Krise der Filmindustrie. Zunehmend setzten sich die Einzelverträge durch, in denen die Schauspieler jeweils für einen Film und unabhängig vom Studio angeheuert wurden.