Der Komödienboom - Lachen ist die beste Medizin


Star-Komiker Harold Lloydin einem seiner berühmtesten Filme, "Ausgerechnet Wolkenkratzer" (1921)
Star-Komiker Harold Lloydin einem seiner berühmtesten Filme, "Ausgerechnet Wolkenkratzer" (1921)

 

In den Roaring Twenties war das Kino ein Ort des Spasses und der Freude. Komiker wie Harold Lloyd, Charlie Chaplin oder Dick und Doof sorgten beim Publikum für Zwerchfellattacken. Heiterkeit war das Gebot der Stunde...

In den 1920ern wurde im Kino viel gelacht. Komödien waren der Trend der Stunde. Der Humor war dabei meist physischer Natur und kam in Form des Slapstick daher. Die Hauptprotagonisten wurden dabei meist in haarsträubende Situationen verwickelt und sorgten nebst Lachern auch immer wieder für Schweissausbrüche im Publikum. So hing z.B. Harold Lloyd in "Ausgerechnet Wolkenkratzer" (1923) wagemutig an der Uhr eines Wolkenkratzers, während Buster Keaton in "Der General" (1927) auf einer fahrenden Dampflokomotive herumturnte. 

 

Brillenträger Harold Lloyd mauserte sich mit Kassenhits wie "Harold Lloyd - Mädchenscheu" (1924), "Das Wasser kocht" (1924), "Der Sportstudent" (1923), "Harold, der Pechvogel" (1927) und "Strassenjagd mit Speedy" (1928) zum populärsten Komiker der Vereinigten Staaten und zu einem der reichsten Entertainer der Dekade. 

 

Seine Filme durchbrachen auf dem US-Markt jeweils regelmässig die 1-Mio.-$-Einnahmemarke - in den 1920ern eine enorme Summe. "Der Sportstudent" (1923) erwies sich mit Verleiheinnahmen von 2,6 Mio. $ gar als einer der erfolgreichsten Filme des Jahrzehnts und liess damit selbst Charlie Chaplins Blockbuster "Der Vagabund und das Kind" (1921, 2,5 Mio. $) und "Goldrausch" (1925, 2,15 Mio. $) hinter sich.

 

Wiederkehrende Merkmale von Harold Lloyds Komödien waren meist waghalsige Verfolgungsjagden und akrobatische Meisterstücke, welche der Schauspieler in der Regel selbst ausführte. Cineasten erfanden für Filme dieser Art eigens den Ausdruck Thrill Comedy.

 

Buster Keaton, das Genie der Pantomime (hier in seinem grössten Klassiker "Der General" von 1926)
Buster Keaton, das Genie der Pantomime (hier in seinem grössten Klassiker "Der General" von 1926)

 

Ein weiterer bekannter Verteter der Thrill Comedy war Buster Keaton. Obwohl nicht weniger draufgängerisch oder innovativ veranlagt wie Harold Lloyd, war Keaton nicht ein solch starker Kassenmagnet wie sein bebrillter Mitstreiter. Während Lloyds Filme in der Regel problemlos die Massen in die Kinos lockten, waren Keatons Filme (u.a. "Der Navigator", 1924, "Sherlock, Jr. ", 1924, "Sieben Chancen", 1925, "Der Cowboy", 1925, "Der Killer von Alabama", 1926) mehr Achtungs- denn grosse Kassenerfolge.

 

Während die Filme von Lloyd und Chaplin auf dem US-Markt regelmässig über eine Mio. $ und mehr einbrachten, spielten Keatons Filme nur zwischen 450'000 $ und 750'000 $ ein. Mit US-Verleiheinnahmen von 680'406 $ war "Der Navigator" (1924) sein grösster Kassenhit. Diese Summe war jedoch ein Pappenstiel im Vergleich zu den 2,6 Mio. $ die Harold Lloyds "Der Sportstudent" (1926) einspielte.

 

Schliesslich wurde Buster Keaton der Misserfolg seines genialen Streifens "Der General" (1926) zum Verhängnis. Der Film kostete 750'000 $, brachte es in den USA jedoch nur auf ein Verleiheinspiel von 474'264 $. Und auch die Einnahmen aus den übrigen Teilen der Welt konnten den Streifen nicht in die schwarzen Zahlen bringen.

 

Keaton verschwand in der Folge zunehmend von der grossen Leinwand und hatte vermehrt mit Alkoholproblemen zu kämpfen. Erst in den 1950er Jahren wurde er wiederentdeckt und konnte im Fernsehen grosse Erfolge feiern. 1960 erhielt er für sein filmisches Gesamtwerk schliesslich einen wohlverdienten Oscar.

 

Unsterblich: Charlie Chaplin als Tramp in "Goldrausch" (1925)
Unsterblich: Charlie Chaplin als Tramp in "Goldrausch" (1925)

 

In den 1920er Jahren gelang einer weiteren Ikone des Komödiengenres sein Durchbruch: Charles Chaplin. Obwohl Chaplin bereits in den 1910er Jahren seine filmische Karriere begann, startete er erst in den 1920er Jahren mit Filmen wie "Der Vagabund und das Kind" (1921), "Goldrausch" (1925) und "Der Zirkus" (1928) durch.

 

Waren Harold Lloyd und Buster Keaton vor allem für ihr physisches Engagement berühmt, so erwies sich Chaplin als Multitalent. Nebst seiner Rolle als Hauptdarsteller fungierte er meist auch als Regisseur, Produzent, Drehbuchautor und Komponist seiner Filme.

 

Obwohl Multitalent Charles Chaplin in seinen Filmen ebenfalls auf Elemente des Slapstick zurückgriff, gelang es ihm wie keinem anderen auch sozialkritische Themen in seine Geschichten einfliessen zu lassen (z.B. Armut in "Der Vagabund und das Kind", 1921). Unvergessen blieb dabei die von ihm geschaffene Figur des Tramp. Im Gegensatz zu Buster Keaton und Harold Lloyd glückte Chaplin auch der Übergang ins neue Jahrzehnt, wo er mit "Lichter der Grossstadt" (1931) und "Moderne Zeiten" (1936) zwei seiner besten Filme ablieferte.

 

Kinder des 1920er-Komödienboom - Stan Laurel und Oliver Hardy, eines der bekanntesten Komiker-Duo aller Zeiten
Kinder des 1920er-Komödienboom - Stan Laurel und Oliver Hardy, eines der bekanntesten Komiker-Duo aller Zeiten

 

Neben Harold Lloyd, Buster Keaton und Charles Chaplin waren insbesondere Stan Laurel und Oliver Hardy als Dick und Doof mit Slapstick-Streifen wie "Alles in Schlagsahne" (1927), "Der beleidigte Bläser" (1928) oder "Blaue Jungs in Schwierigkeiten" (1928) ein Garant für volle Kinokassen. Ihren ersten gemeinsamen Auftritt hatten sie in dem 16-minütigen Kurzfilm "Lucky Dogs" (Deutscher Titel: "Laurel und Hardy: Der glückliche Hund"). Dessen genaues Entstehungsjahr ist nicht mehr bekannt, Premiere feierte er aber am 01. Dezember 1921. Das Duo war trat aber noch nicht zusammen auf sondern als Gegenspieler. Während Stan Laurel den Helden der Gesichte spielte fungierte Oliver Hardy als dessen Antagonist. Gekostet hat der Streifen gerademal schätzungsweise 3'000 $.

 

Ab 1926 standen beide zufällig bei Hal Roachs Produktionsfirma unter Vertrag. Zu dieser Zeit konnte Stan Laurel bereits 50 Filme vorweisen, während Oliver Hardy bereits rund 250 Produktionen auf dem Buckel hatte. Meist war Hardy aber nur in Nebenrollen zu sehen. Ihren ersten Auftritt als Komikerduo hatten sie schliesslich 1927 in dem Film 20-minütigen Kurzfilm "Duck Soup" (Deutscher Titel: "Laurel und Hardy: Leichte Beute"). Im selben Jahr wurden sie schliesslich für den Film "The Second Hundred Years" erstmals als Duo angepriesen. Die Legende war geboren.

 

Ihre Rollen waren auf der Leinwand meist klar verteilt: Währen Stan Laurel in der Regel die naiv-kindliche Figur verkörperte, übernahm Oliver Hardy den wichtigtuerisch-väterlichen Part, der meist unter den Aktionen seines Partner leiden muss. Dies auch meist physisch, denn die Stan Laurel und Oliver Hardy-Filme waren in erster Linie dem Slapstick-Humor verschrieben. Dabei wird oft genüsslich alles mögliche zerstört und gezielt auf die Schadenfreude des Publikums gesetzt.

 

Hinter der Kamera war insbesondere Stan Laurel der Tausendsassa. Neben seiner Arbeit als Darsteller brachte er sich auch als kreativer Kopf mit ein, entwickelte Gags und Drehbücher, beteiligte sich am Schnitt und führte gar bei mehreren Filmen Regie.

 

Im Gegensatz zu den anderen Komödienstars der 1920er Jahren wie Buster Keaton und Harold Lloyd schaffte das Komiker-Duo mühelos den Sprung ins neue Jahrzehnt und waren dort weiterhin sehr erfolgreich. Insgesamt drehten sie 107 Filme zusammen - 80 Kurzfilme und 27 Langfilme.


Komödienhits der 1920er (Auswahl)


Die Auflistung erfolgt anhand der US-Verleiheinnahmen (inkl. Kanada) in US-$. Die Zahlen sind nicht um die Inflation bereinigt. Falls möglich wird nur das jeweilige Erstaufführungsergebnis berücksichtigt. Wiederaufführungen werden separat aufgeführt (in Klammern mit WA gekennzeichnet).

 

  1. Der Sportstudent (1925) - $2'600'000
  2. Der Vagabund und das Kind (1921) - $2'500'000
  3. Goldrausch (1925) - $2'150'000
  4. Der Zirkus (1928) - $1'820'000
  5. Mädchenscheu (1924) - $1'550'000
  6. Ausgerechnet Wolkenkratzer! (1923) - $1'500'000
  7. Hot Water (1924) - $1'350'000
  8. Dr. Jack (1922) - $1'275'000
  9. Großmutters Liebling (1922) - $1'100'000