Der Expressionismus - Von Licht und Schatten


Komposition und Bildgestaltung war im Kino schon immer bedeutend. In den 1920er Jahren tobten sich insbesondere deutsche Filmemacher auf diesem Gebiet aus. Dabei schufen sie nicht nur zeitlose Klassiker sondern verhalfen auch dem Expressionismus zur Blüte...

Zu Beginn der 1920er Jahre entwickelte sich in Europa eine neue Art der Filmsprache, den sogenannten Expressionismus. Der Expressionismus zeichnete sich in erster Linie durch einen starken visuellen Erzählstil aus. Dieser äusserste sich u.a. in dem kontrastreichem Spiel zwischen Licht- und Schatten, surrealistisch verzerrten Kulissen sowie überhöhten schauspielerischen Gesten. Insbesondere deutsche Filmemacher zeigten sich vom Expressionismus angetan.

 

 

Einer der ersten grossen Filme des deutschen Expressionismus war Paul Wegeners und Carl Boeses "Der Golem, wie er in die Welt kam" (1920). Die Geschichte um die Erschaffung eines aus Lehm bestehenden künstlichen Menschen eignete sich ideal für den Stil des Expressionismus.

 

Der in Deutschlands grösster und bekanntester Filmschmiede UFA entstandene Streifen erwies sich sowohl im Heimatland als auch auf dem internationalen Markt als grosser Erfolg. Damit machte der Streifen den Expressionismus auch ausserhalb Europas populär.

 

Das nächste bedeutende Werk aus deutschem Hause war "Dr. Mabuse, der Spieler" (1922). Fritz Lang, der später mit dem Science-Fiction-Klassiker "Metropolis" (1927) Kinogeschichte schrieb, führte bei dem Zweiteiler Regie. Dabei fing er mit beeindruckender Bildsprache die Unterwelt und den Zeitgeist der Weimarer Republik ein.

 

Mit einer Laufzeit von insgesamt 195 Minuten waren die beiden Teile der ersten Dr. Mabuse-Verfilmung für die damalige Zeit aussergewöhnlich lang. Die zeitgenössischen Kritiker waren jedoch begeistert von dem Film und auch das Publikum blieb dem Streifen nicht fern.

 

Max Schreck als Graf Orlock in Friedrich Wilhelm Murnaus Horror-Meisterwerk "Nosferatu - Eine Symphonie des Grauens" (1922)
Max Schreck als Graf Orlock in Friedrich Wilhelm Murnaus Horror-Meisterwerk "Nosferatu - Eine Symphonie des Grauens" (1922)

 

Einer der Höhepunkt des Expressionismus war zweifelsohne Friedrich Wilhelm Murnaus Horrorklassiker "Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens" (1922). Dieser trieb den Expressionismus in positivem Sinne auf die Spitze und beeindruckt durch seine hervorragende Bildgestaltung. Nicht zuletzt deshalb wird "Nosferatu" heute von Cineasten und Filmhistorikern zu Recht als der Prototyp des Vampirhorrorfilms angesehen.

 

Dabei hatte die Geschichte um den karpatischen Vampir-Grafen Orlock (Max Schreck) bei seiner Premiere alles andere als einen guten Start. Die deutsche Filmfirma UFA weigerte sich, den Film in ihren grossen Kinos zu zeigen. Die Ausgaben für den Film selbst und die grossangelegte Werbekampagne erwiesen sich als so hoch, dass das produzierende Filmstudio Prana Konkurs ging. Schliesslich wurde "Nosferatu" gar zur Pfändung freigegeben.

 

Filmszene aus Fritz Langs Meisterwerk "Metropolis" (1927)
Filmszene aus Fritz Langs Meisterwerk "Metropolis" (1927)

 

Mitte der 1920er Jahre kriselte es in der deutschen Wirtschaft allmählich. Dies hatte nicht nur auf das Konsumverhalten der Bevölkerung Auswirkungen sondern auch auf die Filmproduktion. Und auch der Antisemitismus erstarkte allmählich. Diese Faktoren trugen schliesslich dazu bei, dass zahlreiche kreative Filmschaffende Deutschland in Richtung Amerika verliessen.

 

Doch bevor es soweit kam, schuf Fritz Lang mit seinem Science-Fiction-Streifen "Metropolis" 1927 einen der wegweisendsten und einflussreichsten Filme in der Geschichte des Kinos. "Metropolis" verschmelzte wie kaum ein anderer Film zuvor die Vorzüge des Expressionismus mit der Kunst der Spezialeffektgestaltung. Fritz Lang gelang dabei eine visuell beeindruckende Zukunftsvision die später solch erfolgreiche Filmemacher wie George Lucas und Ridley Scott inspirieren sollte.

 

Doch die Entstehungsgeschichte des Klassiker erwies sich als eine traumatische Geburt und barg zahlreiche Komplikationen. Am Ende gab Perfektionist Fritz Lang die damals beispiellose Summe von 5 Millionen Reichsmark aus und belichtete mehr als 600 Kilometer Film, was rund 350 Stunden Laufzeit entsprach.

 

Der finanzielle Misserfolg von "Metropolis" führte schliesslich nicht nur zur Übernahme der finanziell angeschlagenen UFA-Studios durch nationalsozialistische Investoren sondern auch zum Ausklingen des deutschen Expressionismus.