Der Farbfilm - Jetzt wird's bunt


Trotz düsterer wirtschaftlicher Zeiten zeigte sich das Kino der 1930er Jahre auch von seiner bunten Seite. Der Farbfilm begann allmählich seinen Siegeszug und verschaffte dem Kinopublikum ein ganz neues Filmerlebnis...

Bereits in den Anfängen des Films wurde mit Farbe experimentiert. Doch sollte es mehr als drei Jahrzehnte dauern, bis sich der Farbfilm, wie er uns heute bekannt ist, durchsetzte. In der Stummfilmzeit war es gängige Praxis, einzelne Szenen einzufärben und so den Charakter dramatischer Szenen zu unterstreichen. In den 1920ern enthielten rund 80 Prozent aller Filme farbliche Elemente.

 

Ein entscheidender Schritt hin zum reinen Farbfilm war die Entwicklung des Kinemacolor-Verfahrens. Das vom britischen Fotografen George Albert Smith (1864-1959) entwickelte Verfahren arbeitete erstmals mit einem mehrfarbigen (rot, grün) Filterverfahren und verzichtete vollständig auf die überaus aufwändige Kolorierung einzelner Filmbilder. Der Wechsel der Farbfilter erfolgte durch eine Drehscheibe vor dem Objektiv.

 

Der eigentliche Durchbruch für den Farbfilm kam jedoch erst Mitte der 1930er Jahre mit dem Technicolor-Verfahren. Obwohl mit Technicolor-Verfahren bereits in den 1910er Jahren experimentiert wurde, feierte es seinen Durchbruch erst mit der Entwicklung des Drei-Farben-Verfahrens. Beim Drei-Farben-Verfahren wurde ein Schwarzweiss-Negativ durch einen grünen, blauen und roten Filter belichtet. 

 

Das besondere an dem neuen Technicolor war, dass erstmals sämtliche Farben des Lichtspektrums wiedergegeben und trotzdem von einem Schwarzweiss-Vorführapparat projiziert werden konnten.

 

"Robin Hood - König der Vagabunden" (1938): Ein perfektes Beispiel für eine aufwändige und zeitgenössische Farbfilmproduktion
"Robin Hood - König der Vagabunden" (1938): Ein perfektes Beispiel für eine aufwändige und zeitgenössische Farbfilmproduktion

 

Durch das neue Verfahren konnte erstmals auch die Farbstärke entscheidend verbessert werden, wodurch auf der Leinwand besonders klare und satte Farben wiedergegeben wurden. Der grosse Nachteil des Verfahrens lag in den hohen Kosten, weshalb das Technicolor anfangs relativ spärlich eingesetzt wurde und lediglich aufwändigen A-Filmen vorbehalten war.

 

So kostete Robin Hood - König der Vagabunden (1938) über 2 Mio. $, "Der Zauberer von Oz" (1939) bereits 2,77 Mio. $ und Vom Winde verweht (1939) satte 3,85 Mio. $. Alle drei Streifen wurden zu unsterblichen Klassikern der Filmgeschichte und beeindruckten das zeitgenössische Publikum mit einer nie zuvor dagewesenen Farbenpracht. Doch im Falle von "Der Zauberer von Oz" ging die Rechnung in finanzieller Hinsicht nicht auf und er schrieb bei seiner Erstauswertung trotz hervorragender Einspielergebnisse Verluste.

 

Die hohen Produktionskosten für Farbfilme waren einer der Gründe, warum der Schwarzweissfilm noch bis in die 1950er Jahre Bestand hatte. Erst danach wurde er komplett vom Farbfilm abgelöst und wurde später höchstens noch als filmisches Stilmittel eingesetzt wie z.B. in Steven Spielbergs grandiosem Holocaust-Drama "Schindlers Liste" (1993) oder in der liebevollen Stummfilm-Hommage "The Artist" (2011).