Monster, Mumien und Vampire - Das Grauen erwacht


Die 1930er Jahre waren eine ideale Zeit um sich im Kino zu fürchten: Blutsaugende Vampire, Mordende Mumien, hungrige Werwölfe - die Leinwände waren voll davon. Der Horrorfilm feierte seine Blütezeit und Dracula, Frankenstein & Co. sorgten regelmässig für Gänsehaut...

Obwohl das Genre des Horrorfilms bereits seit den Anfangstagen des Kinos in seinen Bann zu ziehen vermochte, waren die 1930er Jahre zweifelsohne eine Blütezeit für dieses Genre. Mit der Erfindung des Tonfilms war es nun erstmals möglich, den Zuschauern auch mit Hilfe der Akkustik das Fürchten zu lehren. 

 

Mit "Dracula" und Frankenstein (beide 1931) erschienen bereits zu Beginn der Dekade zwei der wegweisendsten Horrorfilme überhaupt. Obwohl aus heutiger Sicht beide Filme in puncto Horror und Gewalt harmlos wirken, schockierten die von der Universal produzierten Streifen seinerzeit das Publikum.

 

Bei der New Yorker Premiere von "Dracula" fielen die Zuschauer angeblich reihenweise in Ohnmacht, was die Geldgeber zu Sorgen veranlasste. Diese waren jedoch unbegründet und "Dracula" erwirschaftete schliesslich bei Produktionskosten von moderaten 355'000 $ einen Profit von rund 700'000 $. Damit war der Grusler für die Universal einer der profitabelsten Filme des Jahres. Grossen Anteil an diesem Erfolg hatte sicher Hauptdarsteller Bela Lugosi sowie die gekonnte Bild- und Tonkomposition.

 

Boris Karloff in "Frankenstein"
Boris Karloff in "Frankenstein"

 

Angespornt durch den grossen finanziellen Erfolg von "Dracula" produzierte Universal in Windeseile "Frankenstein" und schuf einen weiteren Meilenstein des Genres. "Frankenstein" erwies sich als noch erfolgreicher als "Dracula" und brachte der Universal bei einer Investition von 262'000 $ einen Profit von rund 708'000 $. In Zeiten der wirtschaftlichen Depression und steigender Arbeitslosigkeit ein beeindruckendes Ergebnis.

 

Genau wie Bela Lugosi avancierte auch "Frankenstein"-Darsteller Boris Karloff zur Ikone des Horrofilms und schuf mit der Interpretation des Monsters ein bleibendes filmisches Denkmal. Lugosi und Karloff standen schliesslich in "Die schwarze Katze" 1934 erstmals gemeinsam vor der Kamera und sollten bis zum Ende ihrer Karrieren insgesamt noch siebenmal zusammenarbeiten.

 

"Dr. Jekyll & Mr. Hyde": Fredric March als zwiegespaltene Persönlichkeit
"Dr. Jekyll & Mr. Hyde": Fredric March als zwiegespaltene Persönlichkeit

 

Nur ein Monat nach der Kinopremiere von "Frankenstein", folgte am 31. Dezember 1931 mit Rouben Mamoulians "Dr. Jekyll & Mr. Hyde" eine weitere filmische Interpretation eines literarischen Klassikers.

 

Ähnlich wie "Dracula" und "Frankenstein" erwies sich auch dieser Streifen als visuell sowie tricktechnisch wegweisend. Insbesondere die Verwandlungsszenen von Dr. Jekyll in Mr. Hyde beeindruckten Kritik- und Publikum gleichermassen. Die hervorragende schauspielerische Leistung von Hauptdarsteller Fredric March wurde einhellig gelobt und gar mit einem Oscar gewürdigt.

 

Da war es kaum verwunderlich, dass "Dr. Jekyll & Mr. Hyde" ebenfalls ein grosser Kassenschlager wurde. Die Profite fielen jedoch nicht mehr so hoch aus wie bei "Dracula" und "Frankenstein" da der Streifen mit Produktionskosten von 535'000 $ für einen Horrorfilm doch relativ teuer war. Mit diesem Etat war er bereits der kostspieligen A-Film-Klasse zugeordnet.

 

Dr. Fu-Manchu, einer der vielen Horrorgestalten der 1930er ("Die Maske des Dr. Fu Manchu", 1932)
Dr. Fu-Manchu, einer der vielen Horrorgestalten der 1930er ("Die Maske des Dr. Fu Manchu", 1932)

 

Der grosse Erfolg von "Dracula", "Frankenstein" und "Dr. Jekyll & Mr. Hyde" löste schliesslich eine richtige Welle an Horrorfilmen aus, welche bis Mitte der 1930er Jahre andauerte und solch unterschiedliche Werke wie "Der geheimnisvolle Dr. X" (1932), Graf Zaroff - Genie des Bösen (1932), "Die Mumie" (1932), "Die Maske des Fu-Manchu" (1932), "Freaks" (1932), "Der Unsichtbare" (1933), King Kong (1933), "Das Geheimnis des Wachsfigurenkabinetts" (1933), "Die schwarze Katze" (1934), "Der Rabe" (1935) oder "Der Werwolf von London" (1935) hevorbrachte.

 

Dabei variierten die Themen der einzelnen Filme zwar, doch in der Regel erfreuten sich insbesondere Monster menschlicher oder tierischer Natur grosser Beliebtheit. Ein ebenfalls beliebtes Motiv stellte der verrückte Wissenschaftler, im Fachjargon auch Mad Scientist genannt, dar. Dieser war u.a. in "Doktor X" (1932) und "Der Unsichtbare" (1933) eine zentrale Figur.

 

Bei den Studiobossen waren insbesondere Filme mit literarischem Hintergrund beliebt, da man sich aufgrund der bekannten Namen mehr Dollars an den Kinokassen erhoffte. So erlangten nebst den Werken von Mary Shelly, Robert Louis Stevenson und Bram Stocker auch solche von Edgar Allan Poe, Sax Rohmer oder H.G. Wells filmische Ehren.

 

Der Horrorfilmboom der 1930er Jahre war insofern erstaunlich, als dass den einzelnen Filmen relativ grosszügige Budgets zugesagt wurden. Am häufigsten waren Summen zwischen 150'000 $ und 400'000 $. In diesem Rahmen bewegten sich u.a. Frankenstein (1931, 262'000 $), "Dracula" (1931, 355'000 $), "Die Mumie" (1932, 195'000 $), "Doktor X" (1932, 224'000 $), "Freaks" (1932, 316'000 $), "Die Maske des Dr. Fu Manchu" (1932, 377'000 $), "Das Geheimnis des Wachsfigurenkabinetts" (1933, 279'000 $), "Der Unsichtbare" (1933, 328'000 $) und "Frankensteins Braut" (1935, 397'000 $). 

 

Filme mit Budgets unter 100'000 $ - was damals eher als Low-Budget galt - waren eher die Ausnahme. Im Gegensatz zu den heute produzierten Horrofilmen waren die Filme der 1930er in der Regel also in der mittleren Budgetklasse vorzufinden.

 

Obwohl der Horrorfilmboom der 1930er Jahre bereits Mitte der Dekade merklich abflachte, verschwand der Horrorstreifen bis heute nie ganz aus den Kinos und feierte immer wieder Erfolge. Im Gegensatz zum Western oder Musical ist das Genre des Schreckens also nach wie vor eine Konstante im Kino.


Erfolgreiche Horrorfilme der 1930er (Auswahl)


Die Auflistung der Filme erfolgt anhand der US-Verleiheinnahmen (inkl. Kanada) und ist nicht um die Inflation bereinigt. Wenn möglich und bekannt, werden nur die Zahlen der Erstaufführung berücksichtigt. Bei Filmen mit einem Stern (*) am Ende des Einspielergebnisses handelt es sich bei der Zahl um eine Schätzung.

 

  1. Dr. Jekyll und Mr. Hyde (1931) - $1'300'000
  2. Frankensteins Braut (1932) - $1'275'000*
  3. Frankenstein (1931) - $895'000
  4. King Kong (1933) - $745'000
  5. Dracula (1931) - $669'000
  6. Der Unsichtbare (1933) - $500'000*
  7. Doctor X (1932) - $405'000
  8. Die Maske des Fu-Manchu (1932) - $377'000
  9. Svengali (1931) - $359'000
  10. King Kongs Sohn (1933) - $331'000
  11. Das Geheimnis des Wachsfigurenkabinetts (1933) - $325'000
  12. Freaks (1932) - $289'000
  13. The Mad Genius (1932) - $278'000
  14. Graf Zaroff - Genie des Bösen (1932) - $263'000