In keiner Dekade zuvor oder danach erfreute sich das Kino so grosser Beliebtheit wie in den 1940er Jahren. Denn trotz oder gerade wegen des grassierenden Zweiten Weltriegs zu Beginn des Jahrzehnts stiegen die Besucherzahlen und Umsätze jährlich. Dies hatte mehrere Gründe...
Ende der 1930er Jahre erholte sich die Wirtschaft der USA von der grossen Depression. Doch durch den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs Ende 1939 brachen bereits wieder dunkle Wolken am Horizont auf. Diese sollten bereits den phänomenalen Erfolg von Vom Winde verweht überschatten. Während der Streifen in den USA sämtliche Besucher- und Kassenrekorde sprengte, konnte er seinen Siegeszug aufgrund des Kriegsausbruch in Europa und vielen Teilen der Welt nicht fortführen. Der Kinomarkt war dort aufgrund der tragischen Ereignisse für ausländische Produktionen praktisch unzugänglich.
Dennoch hatte der Zweite Weltkrieg zumindest in den USA nicht nur negative Auswirkungen auf die Filmindustrie. Ganz im Gegenteil: Da mit Kriegseintritt Ende 1941 auch die USA zu staatlich verordneten Sparmassnahmen gezwungen waren und viele junge Amerikaner in den Krieg zogen, war an der Heimatfront das Kino praktisch die einzige Freizeitbeschäftigung.
Folglich gingen die Umsätze auf dem heimischen Markt nicht zurück sondern stiegen jährlich. Tages- und Wochenschauen liefen im 24-Stunden-Takt und Hollywood rührte mit Filmen wie "Wake Island" (1942), "Mrs. Miniver" (1942), "Bestimmung Tokyo" (1943), "Dreissig Sekunden über Tokio" (1944) oder "God Is My Co-Pilot" (1945) ordentlich die Werbetrommel für die nationalen Truppen. Realitätsflucht war also nur in Form von (cineastischem) Patriotismus an der Tagesform.
Die steigenden Umsätze wurden jedoch nicht mit einer höheren Anzahl Filme generiert. Denn diese schwankten und gingen gar zurück. So erschienen 1940 noch 673 US-Filme, während 1945 nur 377 veröffentlicht wurden. Dennoch betrug der Umsatz im Jahr der Beendigung des Zweiten Weltkriegs in den nordamerikanischen Kinos 1,45 Mrd. $ während er im Jahr 1940 "nur" 735 Mio. $ betrug.
Ein Teil des Unterschieds ist selbstverständlich auf die hohe Anzahl grosser Kassenschlager wie z.B. "Die Glocken von St. Marien" (8 Mio. $ Verleiheinspiel), Todsünde (5,5 Mio. $), "Spiel mit dem Schicksal" (5,1 Mio. $) oder "Ich kämpfe um Dich" (4,7 Mio. $) zurückzuführen. Doch 1940 hatte ebenfalls Kassenschlager zu bieten, allen voran "Vom Winde verweht", der im Dezember 1939 startete und seinen Hauptumsatz 1940 generierte. Und dieser betrug immerin stattliche 14,1 Mio. $.
Der Kinoboom ging jedoch mit Ende des Krieges und der Rückkehr zahlreicher US-Soldaten so richtig durch die Decke. War das Kinojahr 1945 mit einem Jahresumsatz von 1,45 Mrd. $ (USA/Kanada) bereits traumhaft, so erwies sich 1946 mit 1,69 Mrd. $ schlicht als phänomenal. Auf heutige Massstäbe umgerechnet entspricht dieser Betrag einer Summe von 23,7 Mrd. $. Zum Vergleich: Im Jahr 2019 betrug der Umsatz an den nordamerikanischen Kinokassen 11,32 Mrd. $, also weniger als die Hälfte des inflationsbereinigten Umsatzes von 1946.
Das Kinojahr 1946 sollte jedoch als letztes Jahr mit solch gigantischen Zahlen in die Kinogeschichte eingehen. Denn der enorme wirtschaftliche Boom der zweiten Hälfte der 1940er Jahre, die Etablierung des Fernsehen und die Verbreitung des urbanen Lebensstils sorgten bereits in den 1950er Jahren für ein "Kinosterben", welches sich als beispielhaft in der Geschichte des Films erweisen sollte.
Nachfolgend sind die geschätzen Kinoeintritte in Millionen für die USA und Kanada von 1940-1949 aufgeführt. Die Eintritte wurden anhand des jährlichen Box-Office sowie der jährlichen durchschnittlichen Eintrittspreise abgeleitet.
Nachfolgend sind die Kinoauftritte pro Kopf von 1940-1949 aufgeführt. Diese wurden anhand der geschätzen Kinoeintritte berechnet.