Trotz der Allgegenwart des Krieges scheute sich das Kino nicht davor diesen auf der Leinwand zu thematisieren. Ob die Heimatfront oder die tatsächlichen Kriegsschauplätze - alles fand seinen Weg in die Kinos. Überraschenderweise mit enormem Zuspruch seitens des Publikums...
Der 1939 ausgebrochene Zweite Weltkrieg ging auch an Hollywood nicht spurlos vorüber. Konnte die Traumfabrik Mitte der 1930er Jahre nach der einschneidenden wirtschaftlichen Depression der 1930er Jahre endlich wieder mit Müh und Not den internationalen Markt eroberen, so wurde dies nun durch den Ausbruch des Krieges wieder zunichte gemacht.
Bereits das im Dezember 1939 uraufgeführte Südstaaten-Epos Vom Winde verweht musste aufgrund der traurigen Ereignise auf einen Grossteil seines internationalen Publikums verzichten.
Doch nicht nur der in Europa und anderen Teilen der Welt blockierte Markt zwang Hollywood zu Sparmassnahmen sondern auch die amerikanische Regierung. Mit dem Kriegseintritt der USA im Dezember 1941 wurden seitens der Regierung Einschränkungen für den Alltag auferlegt, welche auch Hollywood in erheblichem Masse beeinflussten. Insbesondere an Material musste gespart werden, weshalb diverse Filmkulissen recyclet und bei den Dreharbeiten unnötige Takes vermieden wurden.
Ausserdem wurden zahlreiche berühmte Filmschaffende eingezogen oder meldeten sich freiwillig zum Dienst am Vaterland. Ob dieser Umstände ist es ist also kaum verwunderlich, dass der Zweite Weltkrieg in der ersten Hälfte der 1940er Jahre auch die Kinosäle dominierte.
Hollywood bot der amerikanischen Regierung nebst der personellen auch seine ideologische Unterstüzung an. So drehten z.B. Regisseure wie Frank Capra, John Ford, John Huston und William Wyler Filme zur Unterstützung der Alliierten und Stars durften sich mit Soldaten treffen sowie Werbung für Kriegsanleihen (sogenannte War Bonds) betreiben.
Erstaunlich war jedoch vor allem, dass Hollywood diesmal kein Blatt vor den Mund zu nehmen schien und auch Filme produzierte, welche die Schrecken des Krieges authentisch darstellten.
So stand z.B. in "Mrs. Miniver" (1942) das Leben und Leiden einer englischen Familie während des Zweiten Weltkriegs im Mittelpunkt. Der 1,3 Mio. $ teure Streifen erwies sich mit US-Verleiheinnahmen von 5,3 Mio. $ als einer der erfolgreichsten Filme der 1940er Jahre. Auch auf dem ausländischen Markt war "Mrs. Miniver" mit Einnahmen von 3,5 Mio. $ ein Riesenhit.
Bei den Oscarfeierlichkeiten gewann "Mrs. Miniver" insgesamt sechs Trophäen, u.a. in der Hauptkategorie Bester Film. Ironischerweise äusserte sich der deutsche Kriegspropagandaminister Joseph Goebbels euphorisch über den Film und sah in ihm ein ideales Beispiel, wie Kriegspropaganda auszusehen habe.
Während "Mrs. Miniver" die Erlebnisse der Zivilbevölkerung in den Vordergrund rückte, zeigte "Wake Island" den zermürbenden Alltag der amerikanischen Soldaten auf den Pazifikinseln und schildert die dort ausgetragenen Schlachten auf realistische Art und Weise.
Auch "Wake Island" (1942) war mit US-Verleiheinnahmen von 3,5 Mio. $ ein grosser finanzieller Erfolg und so erging es erstaunlicherweise zahlreichen Filmen, in welchem der Krieg direkt oder indirekt im Zentrum der Handlung stand.
Dabei musste es sich jedoch keineswegs um den aktuellen Zweiten Weltkrieg handeln. Mit "Sergeant York" erschien 1941 z.B. ein Streifen, welcher dem höchstdekorierten amerikanischen 1. Weltkrieg-Veteran Alvin York (1887 - 1964) gewidmet ist. Im Film wird er von Western-Legende Cary Cooper verkörpert.
Nur zwei Jahre später verkörperte Cooper in "Wem die Stunde schlägt" einen Sprengstoffexperten, der sich im spanischen Bürgerkrieg Partisanen anschliesst. Auch
in diesem Film spielt der Krieg eine entscheidende Rolle. Beide Filme zählten mit US-Verleiheinnahmen von je über 6 Mio. $ zu den grössten Kassenrennern der Dekade.
Selbst vor Musicals machte der Krieg damals nicht halt: Unter der Regie von Michael Curtiz sang das spätere US-Staatsoberhaupt Ronald Reagan zur moralischen Stärkung der Nation in "This is the Army".
Mit US-Verleiheinnahmen von 8,3 Mio. $ war der Streifen einer der grössten Kassenschlager der 1940er Jahre und der mit Abstand erfolgreichste Kriegsfilm der 1940er Jahre.
Das Kriegsfilmgenre boomte noch bis in die Mitte der 1950er Jahre hinein und flachte erst danach merklich ab. Eine neue Kriegsfilmwelle wurde dann erst wieder in den 1970er Jahren durch den äusserst umstrittenen Vietnamkrieg ausgelöst.
Die Auflistung der Filme erfolgt anhand der US-Verleiheinnahmen (inkl. Kanada). Die Beträge sind nicht um die Inflation
bereinigt. Wenn möglich und bekannt, werden nur die Zahlen der Erstaufführung berücksichtigt. In Klammern sind - sofern bekannt - die Herstellungskosten des Films aufgeführt.