Der Paramount-Prozess und der Zerfall des Studiosystems


Die 1940er Jahre bedeuteten in mehrfacher Hinsicht das Ende der Goldenen Jahre Hollywoods. Insbesondere der berühmte Paramount-Prozess erschütterte die Filmindustrie in ihren Grundfesten und beschleunigte den Zerfall des klassischen Studiosystems... 

Die Auflösung des klassischen Studiosystems zeichnete sich bereits Ende der 1930er Jahre ab, wurde jedoch durch den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs verzögert. Hauptanklagegrund unabhängiger Kinobetreiber war die starke Monopolstellung der grossen Studios. Diese Stellung wurde u.a. mit Hilfe der zweifelhaften und umstrittenen Geschäftspraktik des Block Booking aufrecht erhalten. Beim Block Booking musste ein Kinobetreiber nebst dem potentiellen Blockbuster immer auch eine Reihe zweitklassiger Produktionen ins Programm aufnehmen.

 

Doch nicht nur das Block Booking sorgte für Unmut, sondern auch die Tatsache, dass die grossen Major-Studios MGM, Paramount, Warner Bros., 20th Century Fox und RKO Besitzer von über 70% der für den Kinomarkt überaus wichtigen Erstaufführungskinos waren. Diese Filmpaläste waren allesamt in den dichtbesiedelten Städten an strategisch besonders lukrativen Orten lokalisiert und erzielten dadurch 75% des gesamtamerikanischen Kinoumsatzes.

 

Nebenbei verfügten die Big Five über vertikale Geschäftsstrukturen, d.h. sie waren sowohl Hersteller als auch Betreiber ihrer Filme und konnten so den Markt massgeblich beeinflussen. Ein Filmstudio hatte also von der Herstellung bis zum Verleih der Filme sämtliche wichtigen Schlüsselpositionen inne.

 

Ein weiteres Problem stellte auch das hierarchische System des Filmvertriebs dar. So wurden Prestigeproduktionen als erstes in den grossen und luxuriösen Erstaufführungskinos gezeigt. Erst nach und nach erreichten diese Zuschauermagneten auch die kleineren und schlechter lokalisierten Kinos. Bis dahin waren die Filme jedoch praktisch "ausgelaufen". Dies führte auch dazu, dass die kleinen Kinos öfters auch B-Filme im Programm hatten um die Lücken zu füllen.

 

1948 erklärte der Oberste Gerichthof der USA die Geschäftspraktiken der grossen Studios schliesslich für illegal und bewirkte dadurch die Trennung der Studios von den Kinoketten. Dadurch erhielten unabhängige Produktionsfirmen grösserer Chancen auf dem Kinomarkt. 

 

Die Auflösung des Studiosystems in den 1950er Jahren hatte schliesslich auch zur Folge, dass sich viele Stars von ihren Studios lösten und nun fortan autonom ihren Marktwert festlegen und Filmeunabhängig vom Studio auswählen konnten.