Alle Macht der Jugend - Die Teenager erobern Hollywood


In den 1950er Jahren kam eine neue Macht ans Ruder - die Jugend. Schauspieler wie James Dean, Marlon Brando oder Montgomery Clift waren Ausdruck eines gesellschaftlichen Wandels den insbesondere die Jugendlichen vorantrieben. Zunehmend entschieden sie, was im Kino zu laufen hatte...

Die zahlreichen Teenager-Filme, welche ab Mitte der 1950er Jahre den Kinomarkt eroberten, widerspiegelten nicht nur eindrücklich den gesellschaftlichen Wandel, den Amerika durch die Urbanisierung und das Fernsehen vollzog, sondern zeigte auch, dass sich Hollywoods primäre Zielgruppe innerhalb weniger Jahre signifikant verändert hatte.

 

Waren früher die Kinobesuche auf praktisch alle Altersklassen relativ ausgewogen verteilt, so kristallisierten sich in den 1950er Jahren immer deutlicher die Teenager als die marktbestimmende Gruppe heraus. 


Eine Studie aus dem Jahre 1952 ergab, dass über die Hälfte der zwischen 10- und 19-jährigen mehr als einmal in der Woche die Kinos besuchten. Die Teenager konnten also über Erfolg oder Misserfolg eines Filmes massgeblich mitentscheiden.

 

Als erstes erkannten die Independent-Studios - die sogenannten Poverty Rows - das Potenzial des Teenager-Filmmarkts und überschwemmten diesen mit günstig produzierten Horror- und Science-Fiction-Filmen. Dabei verstanden sie es gekonnt, den Geschmack der Teenies zu befriedigen.

 

Insbesondere die für damalige Verhältnisse relativ blutigen Horrorfilme erfreuten sich grosser Beliebtheit. Dies war auch kaum verwunderlich, stellten diese Filme doch kaum Publikumsansprüche und eigneten sich deshalb ideal als Date-Movie oder belanglos-belustigendes Gruppenerlebnis. Also ein ideales Unterhaltungsprodukt für ausgeh- und erlebnisfreudige Teenager.

 

Nachdem die Independent-Studios den grossen Studios vormachten, wie man die Teenager für sich gewinnen konnte, starteten diese die filmische Offensive - mit grösseren Budgets, aufwändigeren Werbekampagnen und vielversprechenden jungen Talenten. 


So avancierte James Dean mit nur zwei Filmen, "Jenseits von Eden" und …denn sie wissen nicht, was sie tun (beide 1955), zum gefeierten Teenie-Idol und zur Galionsfigur der Jugendbewegung der 1950er Jahre. Finanziert wurden die Filme mit einem Budget von je über 1,5 Mio. $ von der Warner Bros. und damit von einem der grossen Major-Studios. 

 

Mit US-Verleiheinnahmen von 5 Mio. $ bzw. 4,6 Mio. $ qualifizierten sich "Jenseits von Eden" und "…denn sie wissen nicht, was sie tun" problemlos für den Mainstream und vermochten dennoch das Teenager-Publikum auf einer emotionalen sowie kulturellen Ebene anzusprechen.

 

Es geht auch ohne Rebellion: Pat Boone & Shirley Jones in "April Love" (1957)
Es geht auch ohne Rebellion: Pat Boone & Shirley Jones in "April Love" (1957)

 

Tradition statt Rebellion - Die Clean Teenpics

 

Obwohl sich Filme mit rebellierenden Jugendlichen als populär erwiesen, erfreuten sich gegen Ende der Dekade immer öfter auch die sogenannten Clean Teenpics grosser Beliebtheit. 

 

Filme wie "Bernardine" (1957), "Tammy" (1957), "April Love" (1957) oder "Gidget" (1958) stellten Jugendliche, welche Sitte, Moral und Tradition und damit die Werte der Erwachsenenwelt beherzigten, in den Mittelpunkt und erwiesen sich an den Kinokassen als überraschend erfolgreich. So brachte es "Bernardine" bei Produktionskosten von 1,23 Mio. $ allein in den USA auf Verleiheinnahmen von 3,75 Mio. $. 

 

Aushängeschilder für diese "kultivierten" Judgendlichen waren u.a. Pat Boone, Sandra Dee, James Darren, Cliff Robertson oder Debbie Reynolds.

 

Dieser Wandel im Geschmack des jugendlichen Publikums war jedoch keineswegs ein Paradoxon sondern zeigte vielmehr das Verlangen des Teenager-Publikums nach Vielseitigkeit. Denn eines konnte der Jugend sicher nicht vorgeworfen werden: mangelnde Offenheit.