Der B-Film war schon immer Teil der Filmlandschaft - meist in Form des Horrors. Doch in den 1950er Jahren war im B-Film-Markt Wandel angesagt - sowohl qualitativ als auch ökonomisch. In dieser Dekade gelang es dem B-Film endlich, sich vom Image des Lückenbüssers zu befreien...
In den 1930er und 1940er Jahren diente der B-Film meist als Lückenbüsser um die Kinos mit dringend notwendigem Filmmaterial zu versorgen. Die Produktionen waren dabei meist von zweitrangiger Qualität und wiesen kurze Laufzeiten auf (55 - 70 Minuten). Die B-Filme wurden in der Regel mit Hilfe des sogenannten Block Booking vertrieben. Beim Block Booking werden Filme niederer Qualität, also B-Filme, mit einem oder mehreren A-Filmen kombiniert und als Paket an die Kinobesitzer verliehen.
Während die A-Filme meist auf einer Prozentbasis der Box-Office-Ergebnisse vermarktete wurden, so galten für die "minderwertigen" B-Filme meist vertraglich festgelegte Pauschalbeträge (sogenannte flat rentals). Dies widerspiegelte treffend das Vertrauen, welches in B-Filme gesetzt wurde. B-Filme waren schlicht und einfach dazu da, die Lücken im Kinoprogramm zu füllen und den Studios und Kinos so ein paar zusätzliche Dollars einzubringen.
Da B-Filme meist eine überaus kurze Produktionszeit sowie niedrige Herstellungskosten aufwiesen, waren sie in der Regel ein kalkulierbares "Risiko" und die fixen Verleihgebühren sorgten für schnell verwertbare Dollars für die Studios.
Doch in den 1950er Jahren zeichnete sich ein Wandel im B-Film ab. Dieser war in erster Linie auf die neuen ökonomischen Realitäten Hollywoods zurückzuführen. Die grossen Studios mussten sich nach dem Urteil des berühmten Paramount-Prozess von 1948 u.a. von ihren lukrativen Erstaufführungskinos trennen. Dies führte dazu das sie von der Produktion bis zur Verwertung nicht mehr sämtliche Prozesse kontrollieren konnten.
Die grossen Studios setzten deshalb vermehrt auf aufwändige Produktionen, produzierten gleichzeitig jedoch weniger Filme um zu sparen. Dies drohte in den Kinos zu Engpässen zu führen. Diese Lücken waren eine ideale Gelegenheit für unabhängige Produzenten und Filmstudios, die so ihre Produktionen unters Volk bringen konnten.
Obwohl diese B-Filme erneut als eine Art Lückenbüsser dienten, wurden sie von den jeweiligen Produzenten nicht so vermarktet. Diese handelten nämlich Beteiligungen an den Kinokasseneinnahmen aus und vertrieben ihre Filme damit analog den grossen Studios.
Viele B-Film-Produzenten verliessen sich jedoch nicht nur auf die Produktion eigener Filme sondern kauften diese relativ günstig aus dem Ausland. Eines der bekanntesten Beispiele hierfür ist "Godzilla" (1954). Produzent Joseph H. Levine erwarb die Rechte an dem japanischen Monsterfilm für 25'000 $ der Toho ab und liess für die US-Version eigens neue Szenen mit US-Schauspieler Raymond Burr drehen (Kostenpunkt: $100'000).
Während das Original 1954 in den USA lediglich einem kleinen japanischen Publikum vorgeführt wurde, erhielt Levines Version unter dem neuen Titel "Godzilla, King of the Monsters!" 1956 eine landesweite und äusserst erfolgreiche Verwertung. Die Einnahmen aus dem Verleih betrugen schätzungsweise 2 Mio. $, was ihn zu einem der finanziell erfolgreichsten Science-Fiction-Filmen des Jahrzehnts machte.
Levine setzte schliesslich weiter auf ausländische Importe und konnte mit der Vermarktung des italienischen Fantasyabenteuers "Le fatiche di Ercole", besser bekannt unter dem Titel "Die unglaublichen Abenteuer des Herkules" (1957), einen seiner grössten finanziellen Erfolge verbuchen. Allein auf dem US-Markt brachte das Muskelprotz-Abenteuer mit Bodybuilder Steve Reeves in der Hauptrolle Verleiheinnahmen von 4,4 Mio. $ und rangierte damit unter den Top 20 des Jahres 1959. Levines Investition: 1,25 Mio. $ für die Werbekampagne.
Neben Joseph H. Levine machte sich insbesondere die American International Pictures (kurz: AIP) einen Namen auf dem B-Film-Markt. Die AIP wandte sich mit ihren Produktionen in erster Linie und mit grossem Erfolg an das jugendliche sowie das Drive-in-Publikum.
Dabei produzierte die AIP meist formelhaft-simple Unterhaltungsstreifen aus unterschiedlichen Genres in denen jedoch meist jugendliche Protagonisten im Zentrum der Handlung standen. Bestes Beispiel hierfür ist "Der Tod hat schwarze Krallen" (1957; Originaltitel: "I Was a Teenage Werewolf"), in dem ein Teenager (der spätere "Bonanza"-Star Michael Landon) zum Werwolf mutiert und seine Mitschüler bedroht. An den Kinokassen erwies sich der gerademal 82'000 $ teure Streifen mit US-Verleiheinnahmen von rund 2 Mio. $ als beachtlicher Erfolg.
Das besondere an der AIP war, dass sie ihre Produktionen voll und ganz auf das jeweilige Zielpublikum zuschnitt und den Kinobesitzern jeweils zwei Filme desselben Genres anbot - zum Preis von einem. Dabei handelten sie für diese sogenannten double bills statt fixe Verleihgeühren jeweils Verträge aus, bei welchen sie an den Kinokasseneinnahmen prozentual beteiligt wurden. Damit waren sie - zumindest verleihtechnisch - den grossen Filmstudios ebenbürtig.
Immer öfters erhielten in den 1950er Jahren auch besonders vielversprechende B-Filme ansehnliche Werbebudgets und nicht selten erwiesen sich diese Produktionen an den Kinokassen als beachtliche Erfolge. Dies war jedoch nicht nur den Werbekampagnen zu verdanken, sondern auch der soliden Qualität der verschiedenen Filme.
Insbesondere die B-Filme aus dem Genre des Science-Fiction wie z.B. "Dinosaurier in New York" (1953), "Der Schrecken vom Amazonas" (1954), "Die Dämonischen" (1956), "Fliegende Untertassen greifen an" (1956) und "Die Fliege" (1958) hatten unbestreitbare Unterhaltungsqualitäten und entwickelten sich gar zu Klassikern und Vorzeigefilmen.
Die simple Formel "B-Film = Billigfilm" ging also nicht mehr auf. So kam es, dass der eher negativ behaftete Begriff B-Movie der treffenderen Bezeichnung Low-Budget weichen musste. Denn B-Filme waren nicht zwangsläufig schlechte Filme, sie wurden lediglich als weniger wichtig eingestuft.
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