CinemaScope, VistaVision & 3D - Hollywoods Kampf um die Gunst der Zuschauer


Um der Omnipräsenz des Fernsehens Herr zu werden wurden in den 1950er Jahren nicht nur die Filme epischer sondern auch die Leinwände. Je breiter, je besser war das Motto und so feierten CinemaScope und VistaVision ihren Siegeszug. Doch die Leinwände gingen nicht nur in die Breite sondern wurden auch mehrdimensionaler...

Mit Aufkommen des Fernsehens sah sich Hollywood wie nie zuvor in seiner Existenz bedroht und bekämpfte die viereckige Flimmerkiste an verschiedensten Fronten. So setzte es einerseits auf aufwändige Produktionen wie z.B. "Samson & Delilah", "Das Gewand", "In 80 Tagen um die Welt" oder "Die zehn Gebote", andererseits auf neue, atemberaubende Bildformate wie CinemaScope oder VistaVision.

 

Das die Bedrohung des Kinos durch das Fernsehen nicht einfach ein Hirngespinst Hollywoods war, bewies die rasch zunehmende Popularität des neuen Mediums und die dadurch rückläufigen Kinobesuche

 

Strömten 1950 gemäss dem US Census Bureau noch wöchentlich durchschnittlich 60 Millionen Zuschauer in die amerikanischen Kinos, so waren es 1960 gerademal 40 Millionen. Im gleichen Zeitraum stieg die Anzahl der amerikanischen Haushalte mit einem Fernseher von anfänglich einer Million auf rund 50 Millionen an.

 

20th Century Fox Werbeplakat für ihre CinemaScope-Offensive
20th Century Fox Werbeplakat für ihre CinemaScope-Offensive

 

Ein erster Versuch, der Fernsehkonkurrenz Herr zu werden, startete 1953 die 20th Century Fox mit dem Monumentalfilm "Das Gewand". Der Streifen war der erste Film, der mit dem neuen CinemaScope-Aufnahmeverfahren gedreht wurde. Dieses Verfahren lässt durch eine raffinierte Projektionstechnik das Bild auf der Leinwand breiter erscheinen, wodurch die Filme um einiges spektakulärer wirken als mit den herkömmlichen Verfahren.

 

"Das Gewand" war mit US-Verleiheinnahmen von 16,7 Mio. $ einer der grössten Kassenschlager der frühen 1950er Jahre. Dieses sensationelle Ergebnis überzeugte Hollywood, dem Zuschauerschwund Paroli bieten zu können. Fortan lizenzierte es die Idee des CinemaScope und liess dadurch anderen Studios ebenfalls die Möglichkeit, Filme mit diesem Verfahren zu drehen.

 

Parallel mit der Einführung des CinemaScope, entwickelte die Paramount ihr eigenes Breitwandverfahren, welches 1954 erstmals unter dem Titel VistaVision vorgestellt wurde. Der erste Film, der mit diesem Verfahren gezeigt wurde, war "Weisse Weihnachten", eine Musical-Romanze mit Bing Crosby, Danny Kaye und Rosemary Clooney (die Tante des späteren Superstar George Clooney) in den Hauptrollen. Der Streifen war mit US-Verleiheinnahmen von 8,1 Mio. $ ein riesiger Kassenschlager und machte das VistaVision einem grossen Publikum schmackhaft. 

 

Besonders an dem Verfahren war jedoch nicht so sehr die Technik, sondern die Tatsache, dass VistaVision lizenzfrei war und damit für Studios finanziell äusserst lukrativ. Trotz dieser Tatsache nutzten anfangs nur wenige Majorstudios das neue Verfahren (u.a. verwendeten MGM, United Artists und Warner Bros. VistaVision).

 

Ausssschnit des 3D-Werbeplakats für den Science-Fiction-Film "Der Schrecken vom Amazonas" (1954)
Ausssschnit des 3D-Werbeplakats für den Science-Fiction-Film "Der Schrecken vom Amazonas" (1954)

 

Die Leinwände wurden in den 1950ern nicht nur breiter, sondern auch mehrdimensionaler. So wurde als weiterer Versuch, den Zuschauerrückgang zu bremsen, vermehrt auf 3-D-Filme gesetzt. Eine der ersten Grossproduktionen, die in 3-D in die US-Kinos kam, war der von Warner Bros. produzierte Horrorfilm "Das Kabinett des Professor Bondi" (1953). Der 650'000 $ teure Streifen war mit US-Verleiheinnahmen von 4,3 Mio. $ überraschend ein riesiger Kassenhit und machte den 3D-Film markttauglich. Nebenbei etablierte er Hauptdarsteller Vincent Price als eine der grössten Ikonen des Horrorkinos.

 

In der Folge liess sich auch Science-Fiction-Profi Jack Arnold vom grassierenden 3D-Boom anstecken und drehte mit "Gefahr aus dem Weltall" (1953) und "Der Schrecken vom Amazonas" (1954) sowie dessen Fortsetzung, "Rache des Ungheuers" (1955), gleich mehrere 3D-Streifen nacheinander.

 

Obwohl sich 3D vor allem für die Genres Fantasy, Horror und Science-Fiction hervorragend eignete, wagten sich die Filmemacher auch in andere Genres vor. So spielte Haudegen und Revolverheld John Wayne unter der Regie von John Farrow in dem 3D-Western "Man nannte mich Hondo". Mit US-Verleiheinnahmen von 4,1 Mio. $ bewies der Streifen, dass es für das 3D-Format nun keine Grenzen mehr gab.

 

Trotz dieser Ausweitung des 3D auf praktisch sämtliche Genres flachte der Boom bereits Mitte der 1950er Jahre wieder ab und konnte sich erst Jahrzehnte später mit Avatar - Aufbruch nach Pandora (2009) als feste Grösse im Kino etablieren.

 

Trotz der zahlreichen Inovationen, mussten die Studios Mitte der 1950er Jahre schliesslich einsehen, dass kein Weg an dem neuen Medium Fernsehen vorbeiführte. Anstatt weiterhin das Fernsehen zu bekämpfen beschloss man schliesslich, andere Wege einzuschlagen und mit der anfänglichen Konkurrenz zusammenzuarbeiten. Diese Zusammenarbeit brachte schliesslich beiden Seiten finanzielle sowie künstlerische Vorteile.

 

So verkauften in der zweiten Hälfte der 1950er Jahre zahlreiche Studios ihre Filme an das Fernsehen, wobei dieses im Gegenzug von hohen Einschaltquoten profitieren konnten. Und mit der Zeit hatten schliesslich sämtliche Studios Abteilungen, in welchen Produktionen fürs Fernsehen entstanden. Und auch als Werbeplattform gewann das Fernsehen zunehmend an Bedeutung.

 

Am Ende der Dekade war schliesslich auch eine Wende in Bezug auf die Zusammensetzung der Kinobesucher zu erkennen. Waren es vor Einführung des Fernsehens sämtliche Altersgruppen, die ins Kino strömten, so fokussierten sich nun die Kinogänger auf die unter 30jährigen. Sie entwickelten sich zur treibenden Kraft des Kinos und trugen schliesslich auch entscheidend dazu bei, dass dieses nicht von der Bildfläche verschwand. Bis heute hat sich daran kaum etwas geändert.