Psalme und Moneten - Der Bibelfilmboom


In keiner Dekade wurde so viel gepredigt wie in den 1950er Jahren. Ob Moses, Jesus oder sonstige Propheten - die heiligen Schriftgelehrten waren in aller Munde und feierten gigantische Erfolge. Das Kino machte den sonntägliche Kirchgang beinahe überflüssig...

Um der Konkurrenz des Fernsehens und dem Besucherschwund Herr zu werden, setzten die Hollywoodstudios vermehrt auf die Produktion monumentaler Epen. Besonders grosser Beliebtheit erfreuten sich dabei die sogenannten Bibelfilme. Kaum verwunderlich, boten die Geschichten doch allerhand erzählerische Dramatik und waren deshalb ideal für die grosse Leinwand.

 

Den erfolgreichen Auftakt machte dabei der bereits 1949 erschienene "Samson und Delilah". Cecil B. DeMilles Epos um die tragische Liebesgeschichte des heldenhaften Samson (Victor Mature) mit der verführerischen Delilah (Hedy Lamarr) entwickelte sich mit einem weltweiten Verleiheinspiel von 14,2 Mio. $ zu einem gigantischen Kassenschlager. Damit bewies der Streifen, dass Bibelstunden im Kino angesagt waren.

 

Bereits 1951 folgten mit "David und Bathsheba" und Quo Vadis? zwei weitere wegweisende Bibelfilme. Ersterer erzählt vom Aufstieg und Fall des berühmten Goliath-Bezwingers David, letzterer von einem Kommandeur, der den christlichen Glauben entdeckt und sich gegen das römische Imperium auflehnt. An der Kinokasse waren beide Filme erfolgreich: "David und Bathsheba" spielte bei Produktionskosten von 2,2 Mio. $ weltweit 8 Mio. $ ein, während die Superproduktion "Quo Vadis" gar 21 Mio. $ einbrachte (bei Kosten von 7,6 Mio. $).

 

Jean Simmons & Richard Burton im epischen CinemaScope-Bibelblockbuster "Das Gewand" (1953)
Jean Simmons & Richard Burton im epischen CinemaScope-Bibelblockbuster "Das Gewand" (1953)

 

Weitere Bibelverfilmungen liessen nicht lange auf sich warten. Vorläufiger Höhepunkt war das Römerspektakel "Das Gewand" (1953) mit Victor Mature und Richard Burton in den Hauptrollen. Der wahre Star war jedoch ein anderer: das Breitwandformat CinemaScope. Das Format liess die Bilder auf der Leinwand breiter erscheinen als je zuvor und und das Publikum strömte in Scharen in die Kinos. "Das Gewand" brach in der Folge mühelos sämtliche Kassenrekorde und entwickelte sich mit einem weltweiten Verleiheinspiel von 32 Mio. $ zu einem der grössten Kassenrenner der 1950er Jahre.

 

Der eingespielte Gewinn steckte die 20th Century Fox umgehend in eine Fortsetzung. Diese erschien 1954 unter dem Titel "Die Gladiatoren" in den Kinos. In der Hauptrolle war wiederum Victor Mature zu sehen, der seine Rolle als Demetrius von "Das Gewand" wiederholte. 

 

Trotz der Präsenz Matures wurde "Die Gladiatoren" nicht der erhoffte Kassenschlager obwohl er mit US-Verleiheinnahmen von 4,25 Mio. $ (Kostenpunkt: 1,99 Mio. $) alles andere als ein Flop war. Verglichen zu den 16,7 Mio. $, die "Das Gewand" auf dem US-Markt einspielte, war dies jedoch ein Pappenstiel.

 

Im gleichen Jahr wie "Die Gladiatoren" erschien auch "Der silberne Kelch". Der Streifen handelt von dem Bildhauer Basilus (Paul Newman), der eine Kopie des Heiligen Grals mit dem Bildnis von Jesus Christus und seiner Jünger herstellen soll. Mit dem Bild von Jesus hat er jedoch sein Mühe und kann dieses erst nach einer persönlichen Vision umsetzen. 

 

"Der silberne Kelch" wurde von den zeitgenössischen Kritikern wenig wohlwohlend aufgenommen und primär als Kitsch bezeichnet. Sogar Hauptdarsteller Paul Newman distanzierte sich von dem Streifen und entschuldigte sich offiziell für sein schlechte Darstellung. An den Kinokassen floppte der Streifen und konnte in den USA seine Produktionskosten von 4,5 Mio. $ nicht wieder einspielen.

 

Charlton Heston als Moses im Megablockbuster "Die zehnt Gebote" (1956)
Charlton Heston als Moses im Megablockbuster "Die zehnt Gebote" (1956)

 

Mehr Glück hatte da schon Paramounts Neuverfilmung von "Die zehn Gebote" (1924), welche 1956 das Licht der Leinwand erblicke. Obwohl die Neuauflage mit einem Budget von 13,5 Mio. $ damals sämtliche Rekorde sprengte, war er mit weltweiten Verleiheinnahmen von 60,2 Mio. $ ein gigantischer Blockbuster. 

 

Der Streifen erzählt in 220-Filmminuten die berühmte Gesichte von Moses, welcher als Findelkind vom Pharao aufgenommen wird und schliesslich als Erwachsener das Volk Israels in die Freiheit führt.

 

Die zehn Gebote gilt zu Recht als der Prototyp aller Bibelfilme und ist auch filmhistorisch ein absoluter Meilenstein. Nebenbei machte er Charlton Heston zum Superstar und zur grössten Ikone des Bibelfilms. Vergleichbares gelang Hollywood und dem Bibelfilm erst wieder 1959 mit der Neuverfilmung von Lew Wallace berühmtem Roman "Ben Hur". 

 

Ben Hur sprengte in vielerlei Hinsicht sämtliche Dimensionen und war mit Produktionskosten von über 15 Mio. $ der bis dato teuerste Film in der Geschichte des Kinos. Dies war jedoch nicht die einzige Gemeinsamkeit, die "Ben Hur" mit "Die zehn Gebote" teilte. Auch Hauptdarsteller Charlton Heston sowie Rekorde an den Kinokassen hatten die beiden Produktionen gemeinsam. Mit elf gewonnen Oscars stellte "Ben Hur" ausserdem einen Rekord auf, der bis zu James Camerons Titanic im Jahr 1997 unangefochten blieb.

 

Max von Sydow als Jesus von Nazareth im Kassenflop "Die grösste Geschicht aller Zeiten" (1965)
Max von Sydow als Jesus von Nazareth im Kassenflop "Die grösste Geschicht aller Zeiten" (1965)

 

Der gigantische Erfolg von "Ben Hur" - weltweit spielte er 66,1 Mio. $ ein - stellte für den Bibelfilm jedoch gleichzeitig auch den Zenit des Booms dar. Denn kein nachfolgender Film erreichte je auch nur annährend die Popularität und den Status von "Ben Hur". Und auch nach Bibelgeschichten trachtete es dem Kinopublikum immer weniger.

 

So erreichten selbst eher kostengünstige Produktionen wie "Der Fischer von Galiläa" (1959, 4 Mio. $ Produktionskosten), "Das Buch Ruth" (1960, 2,9 Mio. $) oder "Sodom und Gomorrha" (1962, 4,5 Mio . $) nicht den erwünschten Erfolg an den Kinokassen. 

 

Mit dem schlechten Abschneiden von Big-Budget-Bibelfilmen wie "Die grösste Geschichte aller Zeiten" (1965;  Produktionskosten: 21 Mio. $; weltweites Einspiel: 8 Mio. $) und "Die Bibel" (1966; Produktionskosten: 18 Mio. $; weltweites Einspiel: 25 Mio. $) endete der Boom Mitte der 1960er Jahre schliesslich abrupt.

 

Seitdem haben nur sporadisch Bibelfilme den Weg in die Kinos gefunden (z.B. "König David", 1984, "Die letzte Versuchung Christi", 1988, "Die Passion Christi", 2004, "Noah", 2014 und "Exodus: Götter und Könige", 2014) und erwiesen sich mit wenigen Ausnahmen mehrheitlich als finanzielle Misserfolge.

 


Quellen:

  • Wikipedia (englisch und deutsch, diverse Recherchen)
  • www.imdb.com
  • "Epics, Spectacles and Blockbusters: A Hollywood History" (2010, Sheldon Hall & Steve Neale)
  • "George Lucas's Blockbusting: A Decade-by-Decade Survey of Timeless Movies Including Untold Secrets of Their Financial and Cultural Success"
  • "The Historical Epic & Contemporary Hollwood: From Dances with Wolves to Gladiator" (2007, James Russell)
  • "Annual US Top Film Rentals 1912-1979" (2017, Leonidas Fragias)