Stramme Jäger und mutige Förster, holde Bauernmägde, idyllische Bergdörfer und vor allem Natur pur - dies alles machte den Heimatfilm der 1950er Jahre aus. Was den Amerikanern ihr Western
war, war dem deutschsprachigen Publikum ihr Heimatfilm...
Der Heimatfilm hatte seinen Ursprung eigentlich im früheren Bergfilm. Bereits dort wurde u.a. von Wander- und Klettervögeln wie Luis Trenker das Idyll der Berglandschaft zelebrierte und nicht selten auch glorifiziert. So wurde dem Kinopublikum die Bergwelt und das ländliche Leben meist als "heile Welt" verkauft und die Schönheit der Landschaft stand nicht selten dafür Pate.
Nebenbei werden im Heimatfilm primär die Werte wie Familie, Liebe und Freundschaft ins Zentrum gerückt. Diese finden sich selbstredlich am einfachsten in der heilen Welt der Berglandschaft.
Einer der ersten Vertreter des Heimatfilms entstand bereits 1934 und kam unter dem Titel "Der verlorene Sohn" in die Kinos. In dem Streifen wandert Luis Trenker als tirolischer Bergdorfbewohner nach New York aus. Doch im Big Apple findet er weder Erfolg noch Glück und kehrt schliesslich reumütig und von Heimweh geplagt nach Hause zurück. Trenker reiste dabei höchst persönlich in die Grossstadt und machte bevorzugt Aufnahmen der von Armut betroffenen Stadteile. Ein stark verzerrtes Bild, welches in der vom Nationalsozialismus zerfressenen Heimt Trenkers auf viel Gegenliebe stiess.
Den Heimatfilm-Boom der 1950er Jahre brachte jedoch insbesondere ein Film ins Rollen: "Grün ist die Heide" (1951). In dem ersten bundesdeutschen Nachkriegsfilm in Farbe wird die Liebesgeschichte eines Försters und der Tochter eines Wilderers mit viel Gesang und Kitsch erzählt. Der vom Bundesministerium des Inneren geförderte Streifen erwies sich als gigantischer Publikumsrenner und lockte rund 16 Millionen Deutsche in die Kinos. Die beiden Hauptdarsteller Sonja Ziemann und Rudolf Prack stiegen zu Stars des Genres auf.
Der Erfolg des Heimatfilms war nun nicht mehr zu bremsen und zahlreiche Filme erhielten grünes Licht. Bis 1960 entstanden so mehr als 300 Filme, welche sich meist an ein ähnliches inhaltliches Muster hielten.
Das Massenphänomen betraf aber nicht nur Deutschland sondern zeigte sich auch in Österreich und der Schweiz. Denn auch dort entstanden massenhaft Heimatfilme, welche beim Publikum grosse Erfolge erzielten. So lockte z.B. "Uli der Knecht" (1954) 1,6 Millionen Schweizer in die Kinos, was damals fast einem Drittel (!) der Gesamtbevölkerung entsprach.
Die Popularität des Heimatfilms hatte mehrere plausible Gründe: Einerseits sehnte sich insbesondere Deutschland nach der Nachkriegszeit nach einer filmischen Weltflucht und einer heilen Welt. Die Zerstörung des Krieges hallte noch stark nach, gleichzeitig fand auch in Deutschland eine Urbansierung der Gesellschaft und damit eine Abkehr vom ländlichen Leben statt. Dies hatte auch städtische Tristesse zur Folge.
Andererseits war der Heimatfilm aber auch tadellose Familienunterhaltung für alle Altersklassen. Somit hatten Filme dieses Genre auch ein leichtes Spiel um die grosse Masse in die Kinos zu locken.
Ausserdem war der Heimatfilm eines der wenigen Genres, welches primär im deutschsprachigen Raum Erfolg hatte und auch dort verankert war. Es war also in diesem Sinn identitätsstiftend. Während die Amerikaner ihre Western hatten, hatten Deutschland, Österreich und die Schweiz ihren Heimatfilm. Doch die Überproduktion innerhalb des Heimatfilms führte ironischerweise auch zum versiegen des Trends und das Genre verabschiedete sich bereits zu Beginn des neuen Jahrzehnts aus den Kinos.