Der Western war schon immer Teil der (amerikanischen) Filmlandschaft. Doch die 1950er waren diesbezüglich eine regelrechte Blützeit für das Genre. Nebst zahlreichen B-Western wagten sich auch die grossen Studios an prestigeträchtige Projekte und sorgten dafür, dass im Kino die Munition nicht ausging...
Die 1950er Jahre waren eine prägende Dekade mit vielen gesellschaftlichen Umwälzungen und Veränderungen. So zogen die Amerikaner von der Stadt in urbane Gegenden und entdeckten einen neuen
Fetisch: das Automobil. Gleichzeitig erstarkte auch die Konkurrenz des Fernsehens und sorgte für einen historisch beispiellosen Zuschauerrückgang in den Kinos.
All diese Veränderungen hatten zur Folge, dass sich Hollywood gänzlich neu orientieren und erfinden musste. Dabei setzte es insbesondere auf grosses Eventkino, welches vor allem in Form des
Bibel- und Monumentalfilms daherkam. Auch Filme, welche soziale Themen ansprachen, erfreuten sich grosser Beliebtheit.
In diesem Klima des Wandels und der Unsicherheiten sehnte sich das Kinopublikum aber auch nach traditionellem. So war es wenig verwunderlich, dass das uramerikanischste aller Genres, der Western,
eine regelrechte Blütezeit erlebte.
Dabei schälte sich ein ähnliches Muster wie beim Science-Fiction-Film heraus. So wurden sowohl aufwändige Filme in die Kinos gebracht als auch zahlreiche Billigproduktionen. Letztere entstanden
mehrheitlich unter der Ägide der Independents wie z.B. Republic Pictuers oder Monogram Pictures.
Die Kosten der Billigwestern waren meist überschaubar und bewegten sich wie beim Billig-Sci-Fi-Film irgendwo im Low-Budget-Bereich zwischen 30'000 $ und 200'000 $. Oftmals wurden diese Filme auch
in Form eines Double Features uraufgeführt und hatten eine relativ kurze Laufzeit von 55 - 75 Minuten. Eine Gemeinsamkeit, welche sie ebenfalls mit dem Science-Fiction-Film der 1950er Jahre
hatten. In der Regel stellten die Billigwestern für die Produktionsstudios kein grosses Risiko dar, da sie wenig Geld einspielen mussten, um Gewinne abzuwerfen.
Doch auch sogenannte Prestigwestern fanden den Weg in die Kinos und sorgten dafür, dass auch das anspruchsvollere Publikum zufrieden gestellt wurde. So zählten z.B. "Der gebrochene Pfeil" (1950),
"Zwölf Uhr Mittags" (1952), "Vera Cruz" (1954) oder Der Schwarze Falke (1956) zu den besten Vertretern des Genres und
füllten nebenbei auch noch die Kinokassen.
Doch egal ob A oder B-Western, dass Genre erwies sich in den 1950er Jahren als eher sichere Bank und es entwickelte sich eine gesunde Balance zwischen der Billigware und den ambitionierten
Produktionen. Die Westernlandschaft der 1950er war also von einer grossen Bandbreite geprägt.
Innerhalb des Westerngenres der 1950er gab es jedoch klare Trennlinien. So war z.B. ein Western mit Randolph Scott, Audie Murphy, Glenn Ford oder Joel McCrea meist preisgünstiger und von anderer
Qualität als ein Western mit Gary Cooper, James Stewart oder John Wayne. Erstere waren mehr den gehoberenen B-Western zuzuordnen während letztere sich klar in der A-Klasse bewegten.
Entsprechend wusste das zeitgenössische Kinopublikum relativ schnell, auf welchen Typ Western es sich einliess. Dies soll nicht heissen, dass die Western mit Scott, Murphy, Ford oder McCrea
qualitativ minderwertig waren. Sie waren einfach konventioneller und häufig auch nach einfacherem filmischem Erzählmuster.
Diese "Produktdifferenzierung" zeigte sich auch an den Kinokassen. Während die Filme mit Cary Cooper, James Stewart oder John Wayne gute Chancen hatten, in die Top 30 der jährlichen
Box-Office-Charts vorzudringen, blieb dies den Streifen von Scott, McCrea und Co. meist verwehrt. US-Verleiheinnahmen von über 2 Mio. $ - damals noch eine ordentliche Stange Geld - erreichten die
Western von Cooper, Stewart und Wayne in der Regel problemlos, während diese Marke von den anderen Filmen eher selten durchbrochen wurde.
Dennoch waren die B-Westernfilme von Scott, Murphy und Co. für die produzierenden Filmstudios meist lukrativ, da sie in der Regel auch Gewinne abwarfen. Da die Produktionskosten meist moderat
waren, mussten die Filme auch nicht die Einnahmen ihrer A-Klasse-Konkurrenten erreichen um profitabel zu sein.
Diese Marktdifferenzierung hatte aber nicht nur für die Studios und ihre Stars Vorteile sondern auch für die Kinobesitzer. Diese konnten sich auf einen ständigen Fluss an neuen Filmen
unterschiedlicher Klasse erfreuen und konnten so ihr wöchentliches Kinoprogramm abwechslungsreicher gestalten. Ausserdem konnten sie bei den B-Filmen meist die besseren Vertragsbedingungen
aushandeln und mussten nicht so hohe Prozentsätze der Kinokasseneinnahmen an die Verleiher abliefern.
Während Scott und Co. für den soliden "Durchschnittswestern" standen, verkörperten Cooper, Wayne und Stewart meist den Prestigewestern. Ihre Filme waren dabei häufig psychologischer angelegt,
verfügten in der Regel über grössere Budgets und waren meist von epischem Format.
Auch ergründeten diese Filme meist den Mythos des Westerns und versuchten diesem neue Facetten abzugewinnen. Dabei waren die Hauptprotagonisten nicht einfach strahlende Helden sondern verfügten
über Ecken und Kanten sowie psychologische Vielschichtigkeit. Musterbeispiel hierfür ist die Figur des Ethan Edwards aus John Fords genialem Meisterwerk Der Schwarze Falke (1956). Die von John Wayne verkörperte Figur kommt wenig edelmütig daher und entwickelt sich im Verlauf der Handlung zum desillusionierten
Besessenen.
Auch die von Gary Cooper verkörperte Figur des Will Kane aus "Zwölf Uhr Mittags" (1952) ist ein Antiheld und vernab von dem selbstbewussten Typus der Western-Durchschnittsware. Er ist von
Selbstzweifeln geplagt und bittet im Kampf gegen ruchlose Banditen vergebens um Hilfe. Erst als ihm am Ende keine andere Wahl bleibt, stellt er sich dem Kampf alleine. Ein Held, der die
Konfrontation scheut und um Hilfe bitten muss gab es im Westernkino zuvor selten.
Doch nicht nur der Westernheld erfuhr eine Frischzellenkur sondern auch die Darstellung der Indianer. In "Der gebrochene Pfeil" (1950) werden diese erstmals nicht nur als Wilde dargestellt
sondern als kultiviertes Volk. James Stewart spielt in dem Streifen einen rastlosen Abenteuerer, der mit dem Häuptling der Apachen Freundschaft schliesst und sich in eine Indianerin verliebt. Ein
Novum im Westerngenre.
Der Westernfilmboom zog sich bis ins neue Jahrzehnt hinein, erfuhr dort aber eine fundamentale Revision und brachte solch geniale Spätwestern wie Der Mann, der Liberty Valance erschoss (1962), "Cat Ballou – Hängen sollst du in Wyoming" (1965) oder "The Wild Bunch – Sie kannten kein
Gesetz" (1969) hervor. Diese Filme führten die Abrechnung mit dem Westernnmythos und deren Figuren, welche u.a. durch "Der Schwarze Falke" (1956) und die zahlreichen James Stewart-Western
initiert wurde, konsequent weiter.
Die Auflistung der Filme erfolgt anhand des US-Verleiheinspiels (inkl. Kanada). Die Einspielergebnisse sind nicht um die Inflation bereinigt. Wenn möglich und falls bekannt werden nur die Beträge der Erstaufführung berücksichtigt.