Der Drive-in-Boom - Nicht ohne mein Auto


Die neue gesellschaftliche Mobilität der 1950er Jahre stellte Hollywood in vielerlei Hinsicht vor Herausforderungen. Die Freizeitgestaltung der Amerikaner verlagerte sich dank des Automobils immer wie mehr ausserhalb der Städte in die Natur. Und damit auch weg vom Kino. Neue Strategien mussten her. Eine davon war das Drive-in-Kino...

Der gesellschaftliche Wandel hin zur urbanen Lebensweise stellt Hollywood vor ein beträchtliches Problem. Der Grossteil der Bevölkerung lebte nun nicht mehr in den Grossstädten sondern in Vororten und Kleinstädten. Doch ausgerechnet in den Grossstäden befanden sich die lukrativen Erstaufführungskinos, in welchen der Löwenanteil des Umsatzes generiert wurde.

 

Obwohl die grosse Mehrheit der urbanen Bevölkerung Automobile besassen, waren die Parkmöglichkeiten in den Städten mehr als nur dürftig. Erschwerend kam hinzu, dass den Menschen der urbanen Regionen immer mehr Freizeitbeschäftigungen zur Verfügung standen und vor allem das boomende Fernsehen in dieser Hinsicht eine echte Konkurrenz war.

 

Um diesem Problem Herr zu werden reagierte die Filmindustrie mit den Drive-in-Kinos. Obwohl Drive-in-Kinos bereits in den 1930er Jahren vereinzelt auftraten, erreichten sie bis dahin nicht die enorme Popularität und Verbreitung wie sie in den 1950er Jahren erreichen sollten.

 

Die Drive-in-Kinos hatten gleich mehrere Vorteile: Einerseits konnte der durch das Bevölkerungswachstum ausgelösten Knappheit an Kinositzen entgegengewirkt werden, andererseits konnten auch die vorübergehenden Gewinneinbusse durch den Abzug der Bevölkerung in die urbanen Gebiete aufgefangen werden. Auch lösten die Drive-ins das Parkplatzproblem der Grossstädte und die damit einhergehenden zusätzlichen Kosten für den Kinobesucher in Form der Parkgebühren.

 

Da die Baukosten für die Drive-in-Kinos relativ gering ausfielen, entwickelte sich ein regelrechter Drive-in-Bauboom, welcher schliesslich dazu führte, dass die Drive-in-Kinos bei Sitzkapazitäten von rund fünf Millionen allein 1953 für ein Fünftel der gesamten Verleiheinnahmen der US-Filmindustrie verantwortlich zeichneten. Dies ist insbesondere auch beachtlich wenn man bedenkt, dass Drive-in-Kinos oft nur zwischen sechs und neun Monate im Jahr und nur Abends betrieben werden konnten.

 

Die Drive-ins waren - im Gegensatz zu den Indoor-Kinos - an gutes und warmes Wetter gebunden. Diese Nachteile wurden von den Betreibern jedoch mit zahlreichen zusätzlichen Angeboten (z.B. Live-Entertainment, Essens- und Getränkestände, Kinderbetreuung, etc.) wieder wettgemacht.

 

Die Drive-in-Kinos erlebten in den 1950er und 1960er ihre Blütezeit. Erst mit der Erschliessung der Grossstädte und mit dem Bau von Multiplexkinos verschwanden die Drive-in-Kinos nach und nach aus der Kinolandschaft.


Quellen:

  • Wikipedia (englisch und deutsch, diverse Recherchen)
  • www.imdb.com (Trivia)
  • "The Classical Hollywood Reader" (Herausgeber: Routledge, 12.11.2012; ISBN-13: 978-0415576727)