Let's Rock! - Hollywood macht den Hüfschwung


Die 1950er standen ganz im Zeichen des Tanzes. Der Rock'n'Roll war das kulturelle Gebot der Stunde. Das muntere Tanzen machte auch vor der Leinwand nicht halt und immer öfter wurden Filme als Kulisse für fetzige Songs genutzt...

Dank Kassenschlagern wie "Saat der Gewalt" (1955) und "...denn sie wissen nicht, was sie tun" (1955) dämmerte es allmählich auch den konservativsten Hollywoodbossen, dass die neue und zuverlässigste Zielgruppe die jugendlichen Kinogänger darstellten. Diese begeisterten sich vor allem für die neu aufkommende musikalische Stilrichtung des Rock'n'Roll.

 

Einen ersten filmischen Tribut wagte 1956 B-Film-Produzent Sam Katzman mit seinem Musikstreifen "Ausser Rand und Band". Der Streifen stellte dabe die populäre Band Bill Haley & The Comets ins Zentrum und war ein Lobgesang auf die Rock'n'Roll-Musik. "Ausser Rand und Band" brachte bei Produktionskosten von gerademal 200'000 $ allein in den USA Verleiheinnahmen von 1,1 Mio. $. Damit erwies sich der Streifen profitabler als so manch kostspieliger Hollywood-Blockbuster seiner Zeit. Dies veranlasste diverse Studios zum Überdenken der bisherigen Produktionspraxis und Rock'n'Roll-Filme wurden kurzerhand in die Produktionspläne aufgenommen.

 

Der Erfolg von "Ausser Rand und Band" markiert 1956 den Startschuss für den Rock'n'Roll-Film
Der Erfolg von "Ausser Rand und Band" markiert 1956 den Startschuss für den Rock'n'Roll-Film

 

In der Hoffnung, ähnliche Gewinnmargen wie "Ausser Rand und Band" zu erzielen, wurde die Produktion von Rock'n'Roll-Filmen sowohl von den Independent- als auch den Majorstudios ordentlich angekurbelt. Dies führte dazu, dass sich die Jahre von 1956 bis 1958 zu richtigen Boomjahren für den Rock'n'Roll-Film entwickelten. So entstanden neben der "Ausser Rand und Band"-Fortsetzung "Don't Knock the Rock" (1956) u.a. Filme wie "Pulverdampf und heiße Lieder" (1956), "Gold aus heißer Kehle" (1957), "Jailhouse Rock - Rhythmus hinter Gittern" (1957), "Untamed Youth" (1957), "Jamboree!" (1957), "Bernadine" (1957), "Rock All Night" (1957), "Mein Leben ist der Rhythmus" (1957), "Sing, Boy, Sing" (1958) oder "The Golden Disc" (1958).

 

Als besonders beliebt erwiesen sich die Rock'n'Roll-Streifen mit Elvis Presley und obwohl diese Filme ("Pulverdampf und heiße Lieder, Gold aus heißer Kehle, Jailhouse Rock - Rhythmus hinter Gittern" und "Mein Leben ist der Rhythmus") meist deutlich über eine Million Dollar kosteten und damit wesentlich teurer als der durschnittliche Rock'n'Roll-Film waren, waren sie dennoch einträglicher als so manch kostspieliger Blockbuster. Dies war vor allem der enormen Popularität Presleys zu verdanken, der innerhalb kürzester Zeit zu einem der erfolgreichsten Entertainer aller Zeiten aufstieg.

 

Doch nicht nur Presley zeigte Leinwandpräsenz sondern auch dessen Mitstreiter Bill Haley, Jerry Lee Lewis oder Little Richard - wenn auch nur in akkustischer Form. Oftmals wurden die Songs dieser Rock'n'Roll-Legenden in Hollywood-Produktionen als Soundtrack hinterlegt, was den Verkauf der Kinokarten merklich anheizte. 

 

Der Einsatz von schmetternden Hitsongs als musikalische Untermalung der Filmhandlung erwies sich auch Jahre später immer wieder als zuverlässiger Erfolgsgarant wie die Publikumshits "Samstag Nacht Fieber" (1977), "Grease - Schmiere" (1978), "Flashdance" (1983), "Footlose" (1983), "Dirty Dancing" (1987), "Dangerous Minds" (1995), "Save the Last Dance" (2001) oder "Step Up" (2006) eindrücklich unter Beweis stellten. 

 

Die Rock'n'Roll-Phase der 1950er Jahre hielt bis zum Ende der Dekade an und wurde schliesslich durch die wieder aufkeimenden Musicalverfilmungen zum Nischendasein verbannt.