"Watch the Skies!" Dieses Motto war in den 1950er Jahren an der Tagesordnung. Wie kaum in einer anderen Dekade zuvor folgten praktisch wöchentlich neue Invasionfilme. Doch das Science-Fiction-Kino war keineswegs nur auf ausserirdische Invasoren beschränkt...
Neben dem Monumental- und Bibelfilm boomte in den 1950er Jahren kaum ein Genre so stark wie das des Science-Fiction-Films. Die verheerenden sozialen- und wirtschaftlichen Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs sowie der Ausbruch des Kalten Krieges liessen in den USA ein Klima des allgemeinen Misstrauens sowie einer starken Angst allem Fremden gegenüber gedeihen.
Die Verunsicherung durch den Kommunismus sowie die ungeheure Macht der Atomenergie, welche erstmals die Vernichtung allen Lebens auf dem Planeten Erde ermöglichte, war latent spürbar. Und auch Senator Jospeh McCarthy trug mit seinen antikommunistischen Hetzreden nicht gerade zur allgemeinen Beschwichtigung bei.
Es war also kein Wunder, dass in solch einer Zeit Filme mit ausserirdischen Invasoren, ausser Kontrolle geratenen Naturkräften oder bedrohlichen Ungeheuern ihre Blütezeit erlebten.
Der eifrig betriebene Rüstungswettkampf der grossen Nationen war eines der ersten Themen, welches u.a. mit Filmen wie "Endstation Mond" (1950), "Rakete Mond startet" (1950) und "Die Eroberung des Weltalls" (1955) aufgegriffen wurde. Bezeichnenderweise priesen diese Filme den Individualismus direkt oder indirekt als einzig wahre Ideologie an. Eine unverkennbare Kampfansage gegen den so stark gefürchteten Kommunismus.
Die Angst vor der Atomenergie und deren Folgen war ein regelmässig wiederkehrendes Thema zahlreicher Science-Fiction-Streifen der 1950er Jahre. War es in Robert Wises grandiosem Klassiker "Der Tag, an dem die Erde stillstand" (1951) ein Ausserirdischer, der die Menschheit vor ihrem selbstzerstörerischem Handeln warnte, so waren es in "Formicula" (1954), "Panik in New York" (1953) oder "Godzilla" (1955) Riesenameisen bzw. Riesenechsen, welche durch Atombombentests oder atomare Strahlung zum Leben erweckt wurden. Der grosse Erfolg dieser Filme sorgte dafür, dass die Kinos förmlich von Monsterfilmen überschwemmt wurden.
Als unsterbliche Klassiker erwiesen sich dabei "Das Ding aus einer anderen Welt" (1951) und "Der Schrecken vom Amazonas" (1955). Frappierend ist dabei die inhaltliche Ähnlichkeit dieser beiden Streifen: Beide spielen an entlegenen Orten - ersterer in der Arktis, letzterer im Amazonas - und in beiden wird eine kleinere Gruppe von einem unbekannten Monster terrorisiert. Auch an den Kinokassen schnitten die Filme ähnlich gut ab: "Das Ding aus einer anderen Welt" brachte es auf US-Verleiheinnahmen von 1,95 Mio. $ während "Der Schrecken vom Amazonas" immerhin 1,3 Mio. $ verbuchen konnte. Für Filme des Science-Ficiton-Genres damals noch beeindruckende Summen.
Nebst den Monsterfilmen erwiesen sich vor allem Filme um ausserirdische Invasoren als besonders beliebt. So entstanden in relativ kurzer Zeit Streifen wie Kampf der Welten (1953), "Gefahr aus dem Weltall" (1953), "Invasion vom Mars" (1953), "Fliegende Untertassen greifen an" (1956) und "Blob - Schrecken ohne Namen" (1958).
Besonders hervorzuheben ist hierbei Byron Haskins "Kampf der Welten", der auf dem weltberühmten Roman von H.G. Wells beruht und von der aggressiven Invasion Ausserirdischer erzählt. Trotz militärischem Grosseinsatz und enomerer Waffengewalt können die Menschen nichts gegen die Aliens ausrichten. Am Ende werden sie überraschend durch Viren gerettet. Die verblüffenden Tricks wurden mit dem Oscar belohnt und der Streifen gilt heute zu Recht als Meilenstein des Science-Fiction-Kinos.
Zum unsterblichen Klassiker avancierte auch Don Siegels Die Dämonischen (1956), in welchem eine Invasion ganz anderer Art den Planeten Erde anheimfällt. Die Geschichte erzählt von Ausserirdischen, die eine Kleinstadt heimsuchen und deren Bewohner nach und nach durch Doppelgänger ersetzen.
Kaum ein Film dieser Zeit vermochte die Angst vor einer kommunistischen Unterwanderung besser auszudrücken als Siegels beklemmendes Meisterwerk. "Die Dämonischen" fungierte dadurch gekonnt als Gegenstück zu den Invasionsfilmen, in deren Zentrum meist die kriegerische Auseinandersetzung der Menschen mit den ausserirdischen Invasoren stand.
Der Science-Fiction-Boom der 1950er Jahre brachte jedoch nicht nur Dutzende Monster- und Invasionsfilme hervor, sondern auch so unterschiedliche Streifen wie "20'000 Meilen unter dem Meer" (1954), "Reise in die Urzeit" (1955, UdSSR), "Alarm im Weltall" (1956), "Der Koloss" (1957), "Die unglaubliche Geschichte des Mr. C" (1957) oder "Reise zum Mittelpunkt der Erde" (1959). Alle diese Filme deckten das restliche Spektrum des Science-Fiction-Kinos ab, welches u.a. aus versunkenen Welten, fernen Planeten, Robotern, Riesen und schrumpfenden Menschen bestand.
Aus heutiger Sicht besonders beeindruckend und sicherlich einer der Höhepunkte des Science-Fiction-Kinos der 1950er Jahre dürft dabei "Die unglaubliche Geschichte des Mr. C" sein. In dem Streifen wird die Hauptfigur von einer radioaktiv verstrahlten Wolke eingenebelt und beginnt allmählich zu schrumpfen. Plötzlich wird das einst so sichere zu Hause zur Bedrohung und fremden Welt. Der Streifen verdeutlicht dabei beeindruckend, dass Grösse relativ ist. Absoluter Höhepunkt: Die Hauptfigur muss sich einer Kellerspinne erwehren - bewaffnet nur mit Stricknadel und dem Willen zu Überleben.
Anschliessend sind jeweils die erfolgreichsten Science-Fiction-Filme pro Jahr aufgeführt. In Klammern sind die US-Verleiheinnahmen (inkl. Kanada) in Mio. $ angegeben. Es wurden nur Filme berücksichtigt, welche über 1 Mio. $ einspielten.
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Quellen: