Es veränderte die Sehgewohnheiten, es veränderte die Gesellschaft und es veränderte Hollywood: das Fernsehen. Mit Ausnahme des Radios feierte kaum ein neues technisches Medium einen solch rasanten Aufstieg und hatte solch weitreichende Veränderungen zur Folge...
Wie kaum ein anderes Medium zuvor oder danach änderte die Einführung des Fernsehens die ökonomische und kreative Filmlandschaft entscheidend. Obwohl die Entwicklung des Fernsehens bereits in den 1920er und 1930er Jahren ihren Anfang nahm, konnte es erst nach Kriegsende in der zweiten Hälfte der 1940er Jahre so richtig durchstarten.
Die durch den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs verhinderte Massenproduktion des neuen Mediums wurde nun konsequent in die Tat umgesetzt und bereits Ende der Dekade hatten knapp eine Million Amerikaner einen Fernseher. 1955 sollten es bereits mehr als 30 Millionen sein - also über 65% aller Haushalte.
Gleichzeitig verbuchten die Kinos einen alarmierenden Zuschauerrückgang: Verzeichneten die Lichtspieltheater im Boomjahr 1946 noch durchschnittlich 90 Millionen Kinobesuche pro Woche, so waren es zehn Jahre später nur noch knapp die Hälfte.
Dieser beispiellose Abwärtstrend war jedoch nicht nur der Popularität des neuen Mediums Fernsehen zu verschulden, sondern wiederspiegelte auch den demografischen Wandel im Lebensstil der amerikanischen Bevölkerung. Immer wie mehr Menschen zogen aus den Städten in urbane Gegegenden, was natürlich auch einen enormen Einfluss auf die individuelle Freizeitgestaltung ausübte.
Gleichzeitig gewann das Automobil als Symbol für individuelle Freiheit und Selbstbestimmung enorm an Bedeutung. Dies alles führte dazu, dass das Kino von einer der häufigsten Freizeitbeschäftigungen zu einer unter vielen wurde.
Die Filmindustrie reagierte auf diese drastischen gesellschaftlichen Umwälzungen mit unterschiedlichen Strategien. Einerseits versuchte Sie mit monumentalen Grossproduktionen wie "Quo Vadis" (1951), "Das Gewand" (1953) oder "Die zehn Gebote" (1956) die immer wie beliebter werdende Flimmerkiste auszustechen andererseits beabsichtigte sie die urbane Bevölkerung mit Drive-in-Kinos wieder zurückzuerobern.
Anfangs schienen diese unterschiedlichen Ansätze auch hervorragend aufzugehen und allein zwischen 1950 und 1960 wuchs die Zahl der US-Drive-in-Kinos von 2'200 auf über das Doppelte an.
Dennoch erkannte Hollywood die Zeichen der Zeit und begann immer wie mehr mit dem neuen Medium Fernsehen zu kooperieren. Nach und nach stiegen die Majorstudios in das Fernsehgeschäft ein und produzierten auch eigene Serien und Shows.
Schliesslich erkannten die Studios, dass das Fernsehen als weiterer Zweig der Filmverwertung lukrative Möglichkeiten bot. Insbesondere der Verkauf alter Filmtitel sowie die Vergabe von Filmrechten erwies sich in Zeiten schwindender Besucherzahlen als Fels in der Brandung. Wie sich später herausstellen sollte, brachte das Fernsehen Hollywood schliesslich mehr Vor- als Nachteile.
Quelle: https://americancentury.omeka.wlu.edu/items/show/136