Geschüttelt, nicht gerührt: Zu Beginn der 1960er Jahre feierte der berühmteste Geheimagent aller Zeiten endlich sein Leinwanddebüt. Schnelle Autos, schöne Frauen, fiese Schurken, explosive Action und exotische Schauplätze - dank 007 war das Kino endlich wieder ein Ort zur Realitätsflucht...
Die Londoner Premiere von James Bond - 007 jagt Dr. No am 5. Oktober 1962 markierte den Startschuss zu einer der erfolgreichsten und langlebigsten Kinoserien aller Zeiten. Obwohl der Streifen in den USA bei seiner Erstaufführung hinter den Erwartungen zurückblieb, war er in den übrigen Teilen der Welt ein grosser Kassenerfolg und machte Hauptdarsteller Sean Connery über Nacht zur Actionikone und zu einem der grössten Sex-Symbole in der Geschichte des Kinos.
Bereits der erste Teil enthielt die üblichen Zutaten, für welche die James-Bond-Streifen später so berühmt werden würden: Schöne Frauen, schnelle Autos, Verfolgungsjagden, exotische Schauplätze, exzentrische Bösewichter und der obligatorische Wodka-Martini (natürlich geschüttelt, nicht gerührt).
Mit Goldfinger startete die Serie Mitte der 1960er Jahre schliesslich voll durch und etablierte den Geheimagenten des MI6 auch in den USA. Dort war der Streifen mit einem Verleiheinspiel von 19,7 Mio. $ nicht nur einer der erfolgreichsten Filme des Jahres 1964 sondern ein unerwarterer Kassenknüller. Weltweit brachte es "Goldfinger" allein bei seiner Erstaufführung auf über 46 Mio. $ und war damit gar erfolgreicher als der Disney-Blockbuster "Mary Poppins" (44 Mio.).
Der gigantische Erfolg von "Goldfinger" ermutigte das Produktionsstudio United Artists zur Wiederaufführung der Vorgängerfilme "Dr. No" und "Liebesgrüsse aus Moskau" (1963). Mit überwältigendem Erfolg: Das Double-Feature "Dr. No/Liebesgrüsse aus Moskau" brachte es 1965 an den US-Kinokassen auf Verleiheinnahmen von 8 Mio. $ und überflügelte damit locker aktuelle Kassenhits wie "Colonel von Ryans Express", "… die alles begehren" oder "Die vier Söhne der Katie Elder". James Bonds Siegeszug war nicht mehr zu bremsen.
Mit "Feuerball" erreichte die Bond-Hysterie 1965 schliesslich ihren absoluten Höhepunkt und der Streifen stellte sowohl finanziell als auch in punkto Spektakel alles bisherige in den Schatten. Allein an den US-Kinokassen erwirtschaftete die vierte Mission Verleiheinnahmen von 26 Mio. $. Nur das Musical "Meine Lieder, meine Träume" und das Liebesdrama Doktor Schiwago waren 1965 mit 68 Mio. bzw. 40 Mio. $ erfolgreicher. Weltweit brachte es Mission Nummer vier auf über 56 Mio. $ und zählte damit zu den erfolgreichsten britischen Produktionen der 1960er Jahre.
Mit "Feuerball" wurde James Bond auch erstmals ausserhalb der Kinosäle umsatzwirksam vermarktet. Zahlreiche Fan-Artikel wie z.B. Puppen, Feuerzeuge, Spielzeugautos oder Parfüms überschwemmten den Markt. Dies liess auch die Werbeindustrie nicht kalt und fortan wurden die Bond-Filme als Plattform für Product Placement genutzt. Dies brachte den Produzenten nebst den lukrativen Kinokasseneinnahmen nebenbei Millionenbeträge ein und hielt die Produktion der Bondfilme auch in schwierigen Zeiten über Wasser.
Ausgerechnet auf dem Höhepunkt seiner Beliebtheit musste die Bond-Franchise einen herben Rückschlag einstecken: 007-Darsteller Sean Connery hatte keine Lust mehr. "Man lebt nur zweimal" sollte der letzte Film mit ihm in der Hauptrolle werden. Zumindest für den Moment.
Obwohl auch "Man lebt nur zweimal" mit weltweiten Verleiheinnahmen von 44 Mio. $ (davon 18 Mio. in den USA) ein riesiger Kassenschlager wurde, waren Connerys Ermüdungserscheinungen kaum mehr zu übersehen. Und auch der Film selbst wurde von Fans und Kritikern mit gemischten Gefühlen aufgenommen. Eine Frischzellenkur war dringend angesagt.
Obwohl die Bondproduzenten Cubby Broccoli und Harry Saltzman mit allen Mitteln versuchten, Connery wieder ins Boot zu holen, blieben sie erfolglos. Es musste ein Ersatz her. Diese undankbare Aufgabe kam schliesslich dem Australier George Lazenby zuteil und 1969 kriegte ihn dann das Kinopublikum erstmals zu Gesicht. Und wie sich herausstellen sollte auch letztmals.
"Im Geheimdienst Ihrer Majestät" war mit weltweiten Verleiheinnahmen von 24 Mio. $ (davon 9 Mio. in den USA) zwar alles andere als ein Kassenflop, blieb aber dennoch weit hinter den finanziellen Erwartungen zurück. Den Ausschlag für George Lazenbys Rausschmiss war jedoch nicht der mittelmässige finanzielle Erfolg des Streifens sondern seine angeblich untragbaren Allüren am Filmset.
Bis heute wurde der Meisterspion von insgesamt sechs Schauspielern verkörpert - Sean Connery, George Lazenby, Roger Moore, Timothy Dalton, Pierce Brosnan und Daniel Craig. Dabei verliehen die verschiedenen Darsteller der Figur jeweils neue Facetten. So war Roger Moores James Bond-Interpretation vor allem auf Charme und Humor getrimmt, während Pierce Brosnan primär die elegant-lässige Art des Charakters ins Zentrum rückte. Daniel Craig wiederum verlieh der Doppelnull viele Ecken und Kanten und eine zuvor undenkbare Menschlichkeit.
Die 007-Produzenten wusste gekonnt, den Geheimagenten Ihrer Majestät an den jeweiligen Zeitgeist anzupassen ohne dabei zu sehr mit den bewährten Erzählmustern und Charakteristika zu brechen. Diese Flexibilität sorgte dafür, dass die Doppelnull auch weit über die 1960er Jahre ein Garant für volle Kinokassen blieb.