Mit der Bürgerrechtsbewegung der 1950er und 1960er Jahre, dem kometenhaften Aufstieg von Schauspieler Sidney Poitier und der Durchschlagskraft von Muhammad Ali war es Zeit für einen Wandel des afroamerikanischen Kinos. Es war Zeit für das Blaxploitation...
Das Blaxploitation ist eine Kombination aus den englischen Wörtern black für schwarz und Exploitation für Ausbeutung. Letzteres ist jedoch eher im übertragenen Sinne gemeint für Billigproduktionen oder Filme mit expliziten Darstellungen. Und von beidem hatte das Blaxploitation einiges zu bieten.
Dies war an und für sich noch nichts besonderes, gab es doch solcherlei Dinge auch im "weissen" Kino. Doch das Blaxploitation war insofern ein Novum als das es überwiegend von afroamerikanischen Regisseuren und Darstellern geprägt wurde. Damit entdeckte Hollywood eine zuvor sträflich vernachlässigte Marktnische, nämlich die des afroamerikanischen Kinopublikums.
Filme des Blaxploitation nahmen sich diversen Themen an, dies jedoch aus Sicht der Afroamerikaner. Häufig spielten sie im Milieu von Drogen und Kriminalität und scheuten sich nicht vor der expliziten Darstellung von Sex und Gewalt. Dabei steuerten häufig populäre Sänger wie James Brown, Isaac Hayes, Curtis Mayfield, Don Julian, Willie Hutch oder Marvin Gaye die Musik zu den einzelnen Streifen bei.
Die Helden der Blaxploitation-Filme entsprachen meist Klischeefiguren - sowohl die männlichen als auch die weiblichen. So war z.B. der Held der Streifen häufig ein grober, aber überaus männlicher Typ während die Heldinnen meist ebenso sexy wie schlagkräftig waren. Aushängeschilder dieser Figuren waren z.B. Richard Roundtree, Pam Grier und Tamara Dobson.
Einer der erfolgreichsten und stilistisch prägendsten Filme des Blaxploitation war der Actionkrimi "Shaft" (1971). Basierend auf einem Roman von Ernest Tidyman handelt der Streifen vom schwarzen Detektiv John Shaft (Richard Roundtree), der die Tochter eines Gangsterbosses aus den Fängen der Mafia befreien soll. Am Ende legt sich Shaft mit einer militanten Bürgerrechtsbewegung an.
Bei Produktionskosten von nur 1,1 Mio. $ erwirtschaftete "Shaft" allein in den USA Verleiheinnahmen von 7,6 Mio. $ und war damit einer der grössten Hits des Jahres 1971. "Shaft" machte damit das Blaxploitation auch bei einem grösseren Publikum populär.
Der grosse Erfolg von "Shaft" führte dazu, dass das Black Cinema bzw. das Blaxploitation-Kino auch in Hollywoodfilmen Einzug hielt. Bereitwillig griffen die grossen Studios den Trend auf und so kam es, dass auch Roger Moores James Bond-Debüt "Leben und sterben lassen" erfolgreich dem Black Cinema huldigte. So drehte sich in dem Streifen der Hauptteil der Handlung um New Yorker Drogenbosse sowie die westafrikanische Zauberkunst Vodoo. Der Cast bestand dabei überwiegend aus afroamerikanischen Schauspielern.
James Bond war jedoch nicht der einzige, der ein Blaxploitation-Update erhielt. Auch literarische Figuren wie Dracula, Frankenstein oder Dr. Jekyll und Mr. Hyde erhielten ihre Blaxploitation-Version. Die Filme waren jedoch meist von minderwertiger Qualität. Ein Merkmal, dass sich immer wie öfter ins Blaxploitation-Kino einschlich. Denn die Filmstudios wollten primär auf die Blaxploitation-Welle aufsteigen und produzierten deshalb oft billige Schnellschussproduktionen.
Das Blaxploitation-Kino war im Endeffekt nicht besonders langlebig und klang bereits gegen Ende der 1970er Jahre allmählich aus. Dennoch war es eine der prägendsten und schillerndsten Epochen der Filmgeschichte und diente zahlreichen Regisseuren als Inspiration. Insbesondere Quentin Tarantino war ein grosser Fan davon und verwertete zahlreiche Elemente des Blaxploitation in seinen Filmen. Dies ging sogar soweit, dass er die Blaxploition-Queen Pam Grier für die Hauptrolle in "Jackie Brown" (1997) besetzte.
Im Jahr von Dirty Harry und Brennpunkt Brooklyn schaffte es ein weiterer Detektiv zu Leinwandehren: John Shaft. In seiner ersten Mission muss der Haudegen - unvergleichlich dargstellt von Richard Roundtree - die entführte Tochter eines Gangsterbosses ausfindig machen. Der grosse Erfolg des Streifens erweckte nicht nur das Blaxploitation-Kino zum Leben sondern führte auch zu insgesamt zwei Fortsetzungen (1972, 1973), einer kurzlebigen TV-Serie (1973-1974) sowie einer Neuinterpretation (2000, mit Samuel L. Jackson).
Ein echtes Kuriosum des Blaxploitation-Kinos: "Blacula" erzählt von dem afrikanischen Prinzen Mamuwalde (William Marshall), der im Jahr 1780 von Graf Dracula höchstpersönlich zum Vampirdasein verflucht wird. 200 Jahre später wird er von zwei ahnungslosen Innenarchitekten aus seinem Sarkophag befreit und stillt unablässig seinen Blutdurst. Trotz mittelprächtiger Kritiken wurde der Streifen ein Kassenerfolg und gewann sogar in der Kategorie Bester Horrorfilm den Saturn Award.
In diesem schrillen Blaxploitation-Klassiker wollen zwei einfache Kokaindealer (Ron O'Neal, Carl Lee) den ganz grossen Coup landen und Millionen abkassieren. Dabei kommen sie dummerweise einem mächtigen weissen Big Boss in die Quere. "Superfly" ist nicht nur einer besten Vertreter des Blaxploitation sondern auch einer der erfolgreichsten: Allein in den USA brachte es die 58'000 $ günstige Produktion auf Verleiheinnahmen von 4 Mio. $. Dazu dürfte auch Curtis Mayfields toller Soundtrack massgeblich beigetragen haben.
Das weibliche Blaxploitation-Aushängeschild Pam Grier begibt sich als Krankenschwester Coffy auf Rachefeldzug. Dabei nutzt sie ihre Attraktivität um Drogendealer in ihre Wohnung zu locken und sie anschliessend umzubringen. Selbstredend wurde das Selbstjustiz-Plädoyer von den Kritikern mit wenig Lob bedacht. An den Kinokassen war die 500'000 $-Produktion mit US-Verleiheinnahmen von 4 Mio. $ aber enorm profitabel.
Was James Bond kann, kann sie schon lange: Tamara Dobson haut als US-Spezialagentin Cleopatra Jones ordentlich auf den Putz und lernt zahlreichen Drogenbossen das Fürchten. Auch "Ein Fall für Cleopatra Jones" musste bei den zeitgenössischen Kritikern Federn lassen, erwies sich mit US-Verleiheinnahmen von 3,25 Mio. $ jedoch als so erfolgreich, dass 1975 eine Fortsetzung folgte ("Cleopatra Jones gegen die Drachenlady").
Das Blaxploitation-Kino der 1970er hatte nicht nur Action und Kurioses zu bieten sondern auch Dramen. Eines dieser Dramen war Gilbert Moses Milieustudie "Willie Dynamite". Der Streifen handelt vom Leben des New Yorker Zuhälters Willie Dynamite (Roscoe Orman), der zum besten seines Fachs aufsteigen will. Dies will er mit Hilfe seiner sieben Prostituierten erreichen, doch sein Ehrgeiz bleibt nicht ohne Folgen.
Ein heimlicher Klassiker des Blaxploitation-Kinos: Pam Grier überzeugt als treffsichere und schlagkräftige Foxy Brown, die sich an den Killern ihres Geliebten rächen will. Dafür schleicht sie sich als Callgirl in den inneren Kreis von skrupellosen Drogenbossen ein. Grier spielte später in Quentin Tarantinos Blaxploitation-Hommage "Jackie Brown" (1998) die Hauptrolle.
Blaxploitation meets Martial Arts: In dieser Krimi-Action-Komödie mangelt es nicht an Kung-Fu-Einlagen. Damit griff "Dolemite" einen weiteren Trend der 1970er Jahre auf und bot kurzweilige und anspruchslose Unterhaltung. Die Handlung dreht sich dabei um den schlagkräftigen Dolemite (Rudy Ray Moore), der nach seiner Entlassung aus dem Knast u.a. kriminellen und korrupten Polizisten das Leben zur Hölle macht. Eine Fortsetzung folgte 1976 unter dem Titel "The Human Tornado" und in der Hauptrolle war ebenfalls Rudy Ray Moore zu sehen.
Quellen: