Bruce Lee und der Martial-Arts-Filmboom der 1970er Jahre


Die 1970er Jahre hatten nicht nur Horror und Science-Fiction zu bieten sondern auch jede Menge Handkantenschläge. Diese zählten zu den Hauptbeilagen des Martial-Arts-Film, der insbesondere dank Jeet Kune Do-Profi Bruce Lee eine regelrechte Blütezeit feierte…

Der Martial Arts-Film – unter Cineasten häufig auch Eastern genannt - feierte in den 1970er Jahren eine regelrechte Blütezeit. Obwohl Martial-Arts-Filme in China und Hongkong bereits früh zur Kinolandschaft gehörten, schafften sie die Verbreitung im Westen erst in den 1970er Jahren.

 

Dies war einem einzigen charismatischen Martial-Arts-Profi zu verdanken: Bruce Lee (1940-1973). Der in San Francisco geborene Sohn einer Schauspielfamilie konnte erstmals einen bleibenden Eindruck als kampfsporterprobter Gehilfe der Titelfigur in der TV-Serie "The Green Hornet" (1966) hinterlassen. Obwohl die Serie ein Quotenflop war, blieb Lee der Öffentlichkeit im Gedächtnis und wurde u.a. von James Coburn und Steve McQueen, welche bei ihm Kampfsportunterricht nahmen, gefördert.

 

Mit "Todesgrüsse aus Shanghai" (englischer Titel: "Fist of Fury") und "Die Todesfaust des Cheng Li" (englischer Titel: "The Big Boss") feierte Bruce Lee schliesslich seinen Durchbruch in der westlichen Welt. Beide Filme kosteten jeweils nur 100'000 $, spielten aber allein auf dem US-Markt je über 3 Mio. $ für den Verleiher ein.

 

In den Filmen konnte er seine kämpferischen Fähigkeiten äusserst beeindruckend zur Schau stellen und begeisterte damit insbesondere das junge männliche Publikum.

 

Filmplakat zu "Der Mann mit der Todeskralle" (1973), der Film, der den Eastern auch im Westen salonfähig machte
Filmplakat zu "Der Mann mit der Todeskralle" (1973), der Film, der den Eastern auch im Westen salonfähig machte

 

Lees grösster Triumph sollte jedoch erst noch folgen: Der Mann mit der Todeskralle (1973). Der gerademal 800'000 $ teure Martial-Arts-Streifen wurde in den USA und auch Europa ein regelrechter Kult-Hit und spielte dank zahlreicher Wiederaufführungen allein in den USA 11,5 Mio. $ für den Verleiher ein. Der Eastern war in der westlichen Welt nicht mehr zu bremsen und überschwemmte förmlich den Markt.

 

Der Film selbst gilt heute als einer der besten und wegweisendsten für das Genre des Martial-Arts-Films. In dem Streifen schleust sich Bruce Lee als Kampfkünstler in das Turnier eines Verbrecherlords ein, um ihn auszuspionieren. Dabei muss er zahlreiche Kämpfe bestreiten und kann die ganze Bandbreite seines Könnens zur Schau stellen.

 

Martial-Arts war dank Bruce Lee so populär, dass es sowohl den Weg in den Mainstream als auch ins Blaxploitation fand. So führte plötzlich auch James Bond in "James Bond 007 - Der Mann mit dem goldenen Colt" (1974) Handkantenschläge aus, während Spezialagentin Cleopatra Jones in "Ein Fall für Cleopatra Jones" (1973) mit ihren Kung-Fu-Künsten reihenweise fiese Schurken verprügelte.

 

Letzteres führte mitunter auch dazu, dass für die zahlreichen Bruce Lee-Nachahmer gar der Begriff Bruceploitation erfunden wurde. Das Bruceploitation war eine Anlehnung an das in den 1970er ebenfalls boomende Blaxploitation und grassierte insbesondere nach Bruce Lees tragischem Tod im Jahr 1973.

 

Jackie Chan & Chuck Norris, zwei Legenden, die Martial-Arts-Filmpionier Bruce Lee ihre Karriere verdanken
Jackie Chan & Chuck Norris, zwei Legenden, die Martial-Arts-Filmpionier Bruce Lee ihre Karriere verdanken

 

Der Martial-Arts-Filmboom der 1970er ebnete aber auch den Weg für zahlreiche andere Kampfkünstler, so u.a. Jackie Chan, Jet Li und Chuck Norris. Mitunter am meisten neue Impulse brachte Jackie Chan ins Martial-Arts-Genre. So kombinierte er in seinen Filmen gekonnt Slapstick mit waghalsigen Stunts und ausgefeilten Kung-Fu-Kampfszenen. Seine Inspiration holte sich Chan dabei von seinen amerikanischen Thrill-Comedy-Vorbildern Buster Keaton und Harold Lloyd.

 

Während Jackie Chan zuerst vor allem im Heimatland Hong Kong Karriere machte, konnte Karate-Profi Chuck Norris insbesondere im Westen den Martial-Arts-Film einem breiteren Publikum schmackhaft machen. Norris verdiente sich seine Sporen zuvor in der Hongkong-Produktion "Der Boss von San Francisco" (1972) und an der Seite von Bruce Lee in "Die Todeskralle schlägt wieder zu" (1973). In beiden mimte er noch den Bösewicht. 

 

Mit "Der Bulldozer" gelang ihm 1979 der grosse Kinodurchbruch. Der Streifen spielte bei Produktionskosten von 3,5 Mio. $ allein in den USA 20 Mio. $ ein - ein durchschlagender Erfolg. In dem Streifen spielt Norris einen professionellen Kickboxer der von einer undercover agierenden Polizeieinheit angeheuert wird um einen brutalen Kampfkünstler zur Strecke zu bringen.

 

Jackie Chan hatte in den 1970er und 1980er nicht so viel Glück wie Chuck Norris. Seine zahlreichen Martial-Arts-Filme blieben mehrheitlich dem heimischen Markt vorbehalten und konnten im Westen keine hohen Wellen schlagen. Mitte der 1990er Jahre sollte Jackie Chan jedoch auch in den USA und Europa mit Kassenhits wie "Rumble in the Bronx" (1995) und vor allem "Rush Hour" (1998) grosse Erfolge feiern.

 

In den 1970er Jahren dominierte jedoch primär Bruce Lee bzw. dessen zahlreiche Nachahmer. Diese konnten jedoch nur in den Markt vordringen aufgrund des frühen Todes der Martial-Arts-Legende. Denn als Lee am 20. Juli 1973 an an den Folgen eines Hirnödems überraschend starb, war er sowie das Martial-Arts-Kino auf dem Höhepunkt ihrer Popularität. Dadurch hinterliess er eine gewaltige Lücke.