1973 endete ein trauriges Kapitel amerikanischer Geschichte - der Vietnamkrieg. Der Krieg war sowohl innen- als auch aussenpolitisch höchst umstritten. Die cineastische Bewältigung des
nationalen Traumas folgte nur zögerlich, dafür aber umso konsequenter...
Als für die Amerikaner der Vietnamkrieg 1973 nach acht Jahren beendet war, war die Bilanz ernüchternd: Rund 60'000 Tote sowie tausende traumatisierte und heroinabhängie Soldaten waren die schreckliche Folge. Doch auch politisch leidete die Nation durch ein starkes Gefühl der Gespaltenheit und Unsicherheit. Während öffentlich Debatten über den vergangen Krieg geführt wurden, nahm sich Hollywood allmählich dem Thema Vietnam an.
Einer der ersten filmischen Bewältigungsversuche des Vietnamkriegs startete das mit Jane Fonda und Jon Voight prominent besetzte Drama "Coming Home - Sie kehren heim" (1978).
Voight spielt darin den Soldaten Luke, der durch eine Kriegsverletzung an den Rollstuhl gefesselt ist. Verbittert, desillusioniert und voller Wut lernt er im Veteranen-Krankenhaus die junge Sally (Fonda) kennen. Sally, deren Mann Bob (Bruce Dern) an die Front in Vietnam beordert wurde, gelingt es, eine freundschafliche Beziehung zu Luke aufzubauen. Dabei hilft sie ihm, seine Behinderung zu aktzeptieren. Schliesslich verlieben sie sich ineinander - mit tragischen Folgen für Sally's Ehe...
Im Zentrum von "Coming Home" stehen nicht die Kriegshandlungen sondern vielmehr deren verheerenden Auswirkungen auf das Individuum. Diese Sicht des Vietnamkriegs stiess bei Kritik- und Publikum auf regen Zuspruch und wurde auch bei der Oscarverleihung entsprechend gewürdigt. Neben Jon Voight und Jane Fonda erhielten auch die Drehbuchautoren Waldo Salt, Nancy Dowd und Robert C. Jones eine goldene Trophäe.
Im gleichen Jahr wie "Coming Home" führte Michael Cimino mit Die durch die Hölle gehen die filmische Verarbeitung des Vietnamtraumas konsequent weiter.
Im Zentrum der Handlung stehen diesmal die drei Freunde Michael (Robert De Niro), Steve (John Savage) und Nick (Christopher Walken), die sich allesamt aus patriotischen Motiven freiwillig für den Einsatz in Vietnam melden. An der Front durchleben sie dann die Hölle auf Erden.
Waren in "Coming Home" kaum Bilder des eigentlichen Krieges zu sehen, so wird in Ciminos Streifen der Zuschauer von den Brutalitäten des Schlachtfelds nicht verschont. Dabei wird er Zeuge wie die Erlebnisse an der Front die drei Freunde nachhaltig prägen. Selbst als sie vom Krieg heimkehren bleibt ihr früheres Leben für immer im Krieg verloren.
Obwohl dem Film von einigen Kritikern eine zu einseitige Darstellung der vietnamesischen Protagonisten vorgeworfen wurde, entwickelte sich "Die durch die Hölle gehen" zu einem grossen künstlerischen und finanziellen Erfolg. Bei der Oscarverleihung des Jahres 1979 gewann er gleich fünf Trophäen u.a. für den besten Film, die beste Regie sowie den besten Nebendarsteller (Christopher Walken).
An den US-Kinokassen war "Die durch die Hölle gehen" mit Verleiheinnahmen von 27,4 Mio. $ gar erfolgreicher als "Coming Home" (13,4 Mio. $). Damit singnalisierte das Publikum eindeutig die Bereitschaft, sich mit dem sensiblen Thema Vietnam auseinanderzusetzen.
Nachdem "Coming Home" und "Die durch die Hölle gehen" das Thema Vietnam im Kino etablierten, erschien 1979 mit Francis Ford Coppolas Apocalypse Now der vorläufige Höhepunkt der filmischen Verarbeitung des Vietnamtraumas.
In "Apocalypse Now" wird der desillusionierter Captain Willard (Martin Sheen) vom CIA beauftraugt, im kambodschanischen Dschungel den abtrünnigen US-Colonel Kurtz (Marlon Brando) ausfindig zu machen und zu liquidieren. Auf seiner Reise sinnierte Willard über Sinn und Unsinn seiner Mission und des Krieges. Und auch der Zuschauer kann sich Willards Fragen nicht entziehen.
Die 16 monatigen Dreharbeiten zu Coppolas Meisterwerk waren eine Tortur für alle Beteiligten: Stürme zerstörten Sets, Nebendarsteller Dennis Hopper musste wegen einer Infektion in einem Tropeninstitut behandelt werden und Hauptdarsteller Martin Sheen erlitt gar einen Herzinfarkt. Aufgrund all dieser Vorfälle überschritt Coppola schliesslich das ursprüngliche Budget von 12 Mio. $ um über 19 Mio. $ (!).
Brancheninsider prophezeiten dem Streifen schliesslich ein finanzielles Fiasko. Es sollte jedoch anders kommen: Als "Apocalypse Now" in den Kinos anlief wurde er von Kritik- und Publikum euphorisch gefeiert und brachte es allein in den USA auf Verleiheinnahmen von fast 38 Mio. $.
Bei der Oscarverleihung wurde er ausserdem mit zwei Auszeichnungen in den Kategorien beste Kamera und bester Ton ausgezeichnet. Noch heute gilt der Streifen als einer der prägendstenden Filme zum Thema Vietnam.
Nach Coppolas "Apocalypse Now" blieb es im Kino erstaunlich lange ruhig um das Thema Vietnam. Erst Mitte der 1980er Jahre gelang Oliver Stone und Stanley Kubrick mit Platoon (1986) und Full Metal Jacket (1987) ein fulminante Wiederbelebung.