Wiederaufführungen bzw. sogenannte Re-Release waren auch früher schon Teil der Filmlandschaft. Doch in den 1970er Jahren ereignete sich ein richtiger Re-Release-Boom. Kaum ein beliebtes Evergreen wurde dabei verschont...
Ende der 1960er Jahre und zu Beginn der 1970er Jahre stand die Filmindustrie wie bereits so oft in der Finanzkrise. Die Banken und Staaten beschlossen ein Hilfspaket. Um die Kinos aber nicht ausbluten zu lassen griff Hollywood zu einem alten Kniff: Wiederaufführungen.
Diese sogenannten Re-Release erwiesen sich bereits in früheren Jahrzehnten als grosse Hilfe in wirtschaflich schwierigen Zeiten. Insbesondere in den Kriegsjahren halfen die Wiederaufführungen den Kinos und Filmstudios dabei, sich über Wasser zu halten.
Die 1970er Jahre waren jedoch eine regelrechte Blütezeit für Wiederaufführungen. Besonders war in diesem Jahrzehnt vor allem, dass auch erst vor kurzem gestartete Blockbuster innert kürzester Zeit eine Wiederaufführung erlebten. So wurde z.B. Steven Spielbergs sensationell erfolgreicher Horrorschocker "Der weisse Hai" nur ein Jahr nach seiner Erstaufführung wieder in die Kinos gebracht und spielte 1976 über 16 Mio. $ für den Verleiher ein. Damit landete die Wiederaufführung gar auf Rang 14 der erfolgreichsten Filme des Jahres.
Ähnliches wiederfuhr auch William Friedkins Horrorklassiker Der Exorzist (1973). Seine enorm erfolgreiche Erstaufführung erlebt der Streifen Ende 1973 und mit seinen noch nie dagwesenen Schockeffekten dominierte er die Kinosaison 1974. Bereits 1976 folgte dann die Wiederaufführung, bei welcher er 10,5 Mio. $ für den Verleiher einbrachte. Damit platzierte er sich auf Rang 24 der Jahrescharts 1976.
Dieses Muster zeigte sich bei zahlreichen Filmen, welche in den 1970er Jahren ihre Kinopremiere feierten und daraufhin wieder in den Kinos gezeigt wurden. Die erfolgreichste Wiederaufführung der 1970er Jahre war dabei wenig überraschend der Megablockbuster schlechthin - Krieg der Sterne (1977). Mit Verleiheinnahmen von 38,3 Mio. $ stellte er nur ein Jahr nach erscheinen einen Umsatzrekord für Wiederaufführungen auf.
Das Erfolgsjahr folgt schliesslich 1979, für welches sich die Rangfolge der kommerziell erfolgreichsten Wiederaufführungen mit einigen wenigen Ausnahmen wie ein "Who-is-Who" der Filmlandschaft der 1970er Jahre las:
Die Liste beweist eindrücklich die damalige Lukrativität von Wiederaufführungen. Das Jahr 1979 markierte aber ironischerweise auch den Höhepunkt des Booms. Denn in den 1980er Jahren sollte eine neue Erfindung dem Re-Release den Rang ablaufen: das Video.
Die Einführung des Video sollte aber nicht nur den Wiederaufführungsmarkt entscheidend verändern sondern auch die finanziell angeschlagene Filmindustrie vor dem Ruin bewahren und gänzlich neue Möglichkeiten der Filmvermarktung eröffnen.
Doch in den 1970er Jahren waren es nicht nur Filme der Dekade, die ihre Wiederaufführung erlebten. Auch Erfolgsfilme aus früheren Jahrzehnten feierten ein erfolgreiches Wiedersehen mit dem Kinopublikum. So liessen sich u.a. Klassiker wie Vom Winde verweht (1939), Pinocchio (1940), "Fantasia" (1940), "Onkel Remus’ Wunderland" (1946), "Cinderella" (1950), "20'000 Meilen unter dem Meer" (1954), "Susi und Strolch" (1955), "Dornröschen" (1959), "West Side Story" (1961), Lawrence von Arabien (1962), Mary Poppins (1964), "Für eine Handvoll Dollar" (1964), "Meine Lieder - meine Träume" (1965), Doktor Schiwago (1965) oder 2001: Odyssee im Weltraum (1968) auf der grossen Leinwand blicken. Am einträglichsten waren dennoch Werke jüngerer Zeit.
Die Auflistung der Filme erfolgt anhand der US-Verleiheinnahmen und ist nicht um die Inflation bereinigt. Ein Film kann mehrmals in der Liste vorkommen. Das Jahr in der Klammer entspricht dem Jahr des Re-Release und nicht dem der Erstaufführung.
Quellen: