Dunkle Kristalle, Geisterjäger und Zwergenzauberer - Der Fantasyfilmboom der 1980er


Das Fantasy-Kino war lange Zeit von der Bildfläche verschwunden. Die 1950er waren die Zeit der Monumentalepen, die 1960er die Zeit der gesellschaftlichen Revolution und die 1970er standen ganz unter dem Zeichen des New Hollywood und des Blockbuster-Kino. Doch die 1980er Jahre brachten das Fantasy-Kino in voller Pracht und Fülle zurück. Die Kinozuschauer durften sich wieder von fantastischen Welten, feuerspeienden Drachen und vielem mehr verzaubern lassen....

Die 1980er Jahre waren für das Fantasy-Kino eine der besten Dekaden überhaupt. Ironischerweise wurde der Boom aber nicht direkt durch einen typischen Vertreter des Genre sondern durch den Science-Fiction-Knüller Krieg der Sterne (1977) angefacht. George Lucas Weltraumoper vereinte nicht nur zahlreiche Elemente der Science-Fiction sondern lieh sich auch mit seinen mythischen Themen wie z.B. der Heldenreise, der Ansiedlung der Story in einer längst vergangenen Zeit oder dem Glauben an eine allumfassende Macht narrative Elemente der Fantasy.

 

Ausserdem hob "Krieg der Sterne" die Tricktechnologie in gänzlich neue Sphären, wovon auch der Fantasyfilm profitierte. Mit einem weltweiten Box-Office von 410 Mio. $ bewies er ausserdem, dass die Investition in fremde Welten enorm lukrativ sein kann. Folglich wurden von den Filmstudios Projekte mit fantastischen Elementen bereitwillig gutgeheissen.

 

Dies verhalf den 1980er Jahren zu einer wahren Fantasy-Blütezeit und bereits zu Beginn der Dekade liess Hollywood mächtige Götter ("Kampf der Titanen", 1981), feuerspeiende Drachen ("Der Drachentöter", 1981), die Ritter der Tafelrunde (Excalibur, 1981), muskelbepackte Barbaren ("Conan, der Barbar", 1982) und kleinwüchsige Gelflinge ("Der dunkle Kristall", 1982) auf das Publikum los. Obwohl nicht alle diese Filme die Kassen zum klingeln brachten waren doch einige von ihnen enorm erfolgreich.

 

"Die unendliche Geschichte": Exzellentes Fantasy Made in Germany
"Die unendliche Geschichte": Exzellentes Fantasy Made in Germany

 

Das Fantasy-Fieber der 1980er Jahre steckte aber nicht nur Hollywoods Filmemacher an, sondern auch

die Deutschen. Und so kam es, dass Wolfgang Petersen mit "Die unendliche Geschichte" (1984) nicht nur einen der besten Genrebeiträge der 1980er Jahre inszenierte, sondern auch einen der erfolgreichsten. 

 

Weltweit spielte seine beeindruckende und 60 Mio. DM teure Leinwandadaption von Michael Endes Kinderbuchklassiker sage und schreibe 100 Mio. $ ein. Box-Office auf Hollywood-Niveau. In Deutschland lockte er 4,8 Millionen Besucher in die Kinos und war damit hinter der Polizeiklamotte "Police Academy - Dümmer als die Polizei erlaubt" der zweiterfolgreichste Film des Kinojahrgangs 1984. 1986 folgte mit "Momo" ein weiterer Fantasyfilm aus deutschem Hause der ebenfalls sehr erfolgreich war (er zählte über 2 Mio. Kinobesuche).

 

Doch das Fantasy-Kino der 1980er Jahre hatte nicht nur hochkarätiges zu bieten, sondern auch jede Menge Trash. So waren z.B. "Talon im Kampf gegen das Imperium" (1982), "Beastmaster - Der Befreier" (1982) oder "Krull" (1983) nicht gerade cineastische Meisterwerke und fielen mehr durch ihre unfreiwillige Komik auf denn durch einvernehmende Unterhaltung. Auch die zahlreichen "Conan"-Verschnitte waren mehr peinlich als unterhaltsam.

 

Dennoch lösten einige dieser Filme eine neue Gattung der Fantasy aus - dass Sword and Sorcery-Subgenre. In diesen Filmen ging es primär um Geschichten, welche in archaischen Zeiten angesiedelt sind und in welchen der Hauptprotagonist oder die Hauptprotagonistin nur mit Schwert bewaffnet zahlreiche Abenteuer bestehen müssen. Häufig spielt dabei das Element der Magie ebenfalls eine bedeutende Rolle. Gute Beispiele für das Sword and Sorcery sind "Excalibur" (1981), "Der Drachentöter" (1981), "Conan, der Barbar" (1982), "Legende" (1985) oder "Willow" (1988).

 

Neben den Fantasyfilmen in Fleisch und Blut wagten sich auch viele Zeichentrickkünstler in Fantasy-Gefilde hervor. Einer davon war Ralph Bakshi, der vor allem durch seine Zeichentrickversion von "Herr der Ringe" (1977) bekannt wurde. In den 1980er Jahren drehte er ebenfalls im Rotoskopie-Verfahren die archaische Heldensage "Feuer und Eis". In dem Streifen biete ein junger Krieger einer bösen Königin sowie deren Sohn die Stirn. An den Kinokassen floppte der Streifen aber ebenso wie Walt Disneys überaus solide Abenteuergeschichte "Taran und der Zauberkessel" (1985).

 

Für das Fantasy war aber noch lange nicht Feierabend und so erlebte das Genre 1988 mit "Willow" eines der Highlights der Dekade. Die Geschichte um den kleinwüchsigen Zauberer machte nicht nur ordentlich Kasse (weltweites Box-Office: 138 Mio. $; Budget: 35 Mio. $), sondern wurde auch in der Kategorie beste visuelle Effekte für den Oscar nominiert. 

 

Ein weiterer Hit folgte im selben Jahr mit "Die Geister, die ich rief...", der humorvollen Neuinterpretation von Charles Dickens berühmtem Romanklassiker "Eine Weihnachtsgeschichte" (1843). Darin spielt Starkomiker Bill Murray ("Ghostbusters - Die Geisterjäger", 1984) einen mürrischen TV-Produzenten, der am Weihnachtsabend eines Besseren belehrt wird. Weltweit klingelten über 100 Mio. $ in den Kinokassen und das Make-up wurde für den Oscar nominiert. Ein weiterer Triumph für das Fantasy-Kino.

 

Der Fantasyfilm konnte sich mühelos in die 1990er Jahre retten, feierte dort aber eher ein Nischendasein und konnte nur sporadisch mit Filmen wie Edward mit den Scherenhänden (1991), "Hook" (1991), "Jumanji" (1995) oder "Dragonheart" (1996) Kassenerfolge verbuchen. Die Leinwand gehörte in diesem Jahrzehnt primär dem Action- und Science-Fiction-Kino.


Die erfolgreichsten Fantasyfilme der 1980er Jahre


Die Auflistung der Filme erfolgt anhand des US-Box-Office (inkl. Kanada). Die Einspielergebnisse sind nicht um die Inflation bereinigt. Wenn möglich und falls bekannt werden nur die Beträge der Erstaufführung berücksichtigt.

 

  1. Ghostbusters - Die Geisterjäger (1984) - 229,2 Mio. $
  2. Ghostbusters II (1989) - 112,5 Mio. $
  3. Die Hexen von Eastwick (1987) - 63,7 Mio. $
  4. Die Geister, die ich rief... (1988) - 60,3 Mio. $
  5. Willow (1988) - 57,3 Mio. $
  6. Time Bandits (1981) - 42,4 Mio.  $
  7. Kampf der Titanen (1981) - 41,1 Mio. $
  8. Der dunkle Kristall (1982) - 40,6 Mio. $
  9. Conan der Barbar (1982) - 39,6 Mio. $
  10. Talon im Kampf gegen das Imperium (1982) - 39,1 Mio. $
  11. Excalibur (1981) - 35,0 Mio. $
  12. Conan der Zerstörer (1984) - 31,0 Mio. $
  13. Die Braut des Prinzen (1987) - 30,9 Mio. $
  14. Taran und der Zauberkessel (1985) - 21,3 Mio. $
  15. Die unendliche Gesichte (1984) - 21,0 Mio. $
  16. Das Geheimnis des verborgenen Tempels (1985) - 19,7 Mio. $
  17. Masters of the Universe (1987) - 17,3 Mio. $
  18. Krull (1983) - 16,5 Mio. $
  19. Legende (1985) - 15,5 Mio. $
  20. Der Drachentöter (1981) - 14,1 Mio. $