Es war das Jahrzehnt der Muskelberge, das Jahrzehnt der Testosteron-Action. Bodybuilding-Fanatiker wie Sylvester Stallone und Arnold Schwarzenegger prägten das Bild der unbesiegbaren Kampfmaschinen und begründeten damit unverhofft den reinen Actionfilm. Action als Selbstzweck war die Devise...
Dank des reaktionären und konsequent antikommunistischen Gedankenguts, welches von der US-Regierung in Form des ehemaligen Schauspielers und amtierenden Präsidenten Ronald Reagan verkörpert wurde, blühten in den 1980er Jahren Filme mit "starken" Männern.
So festigten Muskelprotze wie Sylvester Stallone und Ex-Mister-Universum Arnold Schwarzenegger vor allem mit brachial-brutalen Actionstreifen ihren Ruf und entwickelten sich bis zum Ende der Dekade zu den Spitzenverdienern des Jahrzehnts. Allein für "Rambo III" (1988) kassierte Stallone 16 Mio. $ - damals eine absolute Rekordsumme. Diese Summe konnte er nicht zuletzt dank des gigantischen Kassenerfolgs seines Actionvehikels "Rambo II - Der Auftrag" (1985) verlangen. Dieser spielte weltweit 300 Mio. $ ein und war damit hinter Zurück in die Zukunft der zweiterfolgreichste Film des Jahres 1985.
"Rambo II - Der Auftrag" war dabei so etwas wie der Prototyp des 1980er-Actionfilms. Der Streifen zelebrierte endlose Schiessereien und spektakuläre Explosionen und garnierte diese mit möglichst viel expliziter Gewalt. Das Ganze wird mit einer hauchdünnen Handlung und peinlichen Macho-Dialogen garniert. Die Gewalt in dem Streifen wird schliesslich durch simple Gut-gegen-Böse-Schemata gerechtfertigt.
Diese Ingredienzen des 1980er-Jahre-Actionfilms erwiesen sich beim vorwiegend männlichen Kinopublikum aber als besonders beliebt und liessen ordentlich die Kinokassen klingeln. Zu Beginn tobten sich deshalb neben Sylvester Stallone vor allem Muskelprotze und Kampfkunstprofis wie Arnold Schwarzenegger, Chuck Norris, Jean-Claude VanDamme, Dolph Lundgren und Steven Seagal im Kino aus.
In die Top-Liga eines Sylvester Stallones konnte jedoch nur Arnold Schwarzenegger aufsteigen und er lieferte sich schliesslich mit dem Rambo-Star regelmässig öffentliche Gagenduelle. Während der Ex-Mister-Universum für seinen Action- und Science-Fiction-Kultfilm Terminator (1984) gerademal 750'000 $ Gage kassierte, konnte er für "Red Heat" (1988) bereits 8 Mio. $ einstreichen.
Die Investitionen in die Macho-Kampfmaschinen sollten sich für die Filmstudios jedoch lohnen. Denn selbst wenn die Filme an der Kinokasse enttäuschten, hatten sie gute Chancen, auf dem boomenden Videomarkt an Land zu gewinnen. Letzterer bot schliesslich auch Zuflucht für eine Mehrzahl der Kampfsport-Actionstars, die in den Kinos immer wie weniger Umsätze generieren konnten.
Die simple Macho-Action-Formel konnte das Actionkinopublikum auf Dauer aber nicht mehr befriedigen. Es musste Neues her. Und dieses kam insbesondere in Form von Mad Max-Star Mel Gibson und dem damals nur durchs TV bekannten Bruce Willis. Statt nur auf Muskeln und Feuerkraft zu setzen, brachten ihre Filme eine neue Mischung aus Action, Humor, Sensibilität und pointierter Selbstironie ins Actiongenre.
So bestach Mel Gibsons "Lethal Weapon"-Reihe insbesondere durch die Ecken und Kanten seiner Hauptcharaktere Martin Riggs und Roger Murtaugh (dargestellt von Danny Glover). Die Hauptfigur Riggs, verkörpert von Gibson, ist dabei ein nervliches, selbstzerstörerisches Wrack, welches an seinen eigenen Emotionen zu zerbrechen droht. Murtaugh auf der anderen Seite ist der biedere, konservative und geerdete Familienvater mit einem sklavischen Hang, sich an Regeln zu halten. Beide Figuren sind dabei menschlich greifbar und fühlbar und so ziemlich das Gegenteil der bisher im Actionkino dominierenden unbesiegbaren Kampfmaschinen.
Doch genau diese Zutaten waren es, die die Filme zu Kassenhits machten. Bereits der erste Teil, Lethal Weapon - Zwei stahlharte Profis (1987), war dabei um einiges erfolgreicher als die gängigen Stallone und Schwarzenegger-Vehikel. Mit einem US-Box-Office von 65 Mio. $ liess er deren muskelbepackte Konkurrenz wie "Die City Cobra" (1986, 47 Mio. $), "Das Phantom-Kommando" (1985, 35 Mio. $) und "Der City Hai" (1986, 16 Mio. $) weit hinter sich. Teil zwei (Brennpunkt L.A. - Die Profis sind zurück, 1989) ging schliesslich mit einem US-Box-Office von 147 Mio. $ voll durch die Decke und war fast so erfolgreich wie "Rambo II - Der Auftrag" (150 Mio. $).
Ähnliches gelang auch Bruce Willis. Willis war im Kino noch kein grosser Star wie Mel Gibson, war dem US-Publikum jedoch durch seine Rolle in der TV-Serie "Das Model und der Schnüffler" ein Begriff. John McTiernan (Predator, 1987) verpflichtete ihn schliesslich überraschend für die Hauptrolle in seinem Actionfeuerwerk Stirb Langsam.
Willis spielt darin den New Yorker Polizist John McClane, der zu Weihnachten ins sonnige Kalifornien reist um seine Frau in einem Hochhaus eines internationalen Grosskonzerns zu besuchen. Als das Gebäude von Terroristen eingenommen wird, muss McClane die Verbrecher im Alleingang ausschalten.
Genau wie in den "Lethal Weapon"-Filmen stach die Hauptfigur des John McClane durch Ecken und Kanten hervor, brachte Emotionen und Ängste zum Ausdruck und wirkte alles andere als unbesiegbar.
Sein raubeiniger Charme und seine coolen Sprüche trugen ihr Übriges dazu bei, um sich in die Herzen der Kinobesucher zu kämpfen. An den Kinokassen ging die Rechnung mehr als auf und "Stirb Langsam" platzierte sich mit einem US-Box-Office von 83 Mio. $ auf Rang sieben der erfolgreichsten Filme des Jahres 1988. Damit liess er Stallones "Rambo III" (54 Mio. $) und Schwarzeneggers "Red Heat" (35 Mio. $) alt aussehen. Das Kino hatte ausserdem eine neue Actionlegende und mit Bruce Willis einen neuen charismatischen Superstar.
Die Actionstreifen mit Mel Gibson und Bruce Willis verhalfen dem Actionfilm zu mehr Anerkennung. Die Loslösung vom einseitig geprägten Image der Schwarzenegger- und Stallone-Filme brachte die dringend benötigte Frischzellenkur. Eines sollte aber dennoch gleichbleiben: Die Inszenierung der Action als Selbstzweck.
Diesbezüglich waren die 1980er Jahre ein echtes Novum. Obwohl auch in früheren Jahrzehnten Actionszenen zur Filmlandschaft gehörten waren sie eher eine Begleiterscheinung oder erzählerische Notwendigkeit. Nicht so in den 1980er Jahren. Hier bestimmte die Action die Handlung. Damit zollte das Eventkino der 1980er dem englischen Wort Action endlich gebührend Tribut. Denn dieses übersetzt sich nicht umsonst sinngemäss als Handlung, Tat, Bewegung.
Die Auflistung der Filme erfolgt anhand des US-Box-Office (inkl. Kanada) in US-$. Die Beträge sind nicht um die Inflation bereinigt.
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Quellen: