Das Kino der 1980er zeichnete sich wie kaum ein anderes durch schnelle Schnitte und Tempo aus. Damit befriedigte es erfolgreich die Bedürfnisse der jungen MTV-Generation. Jerry Bruckheimer und Don Simpsons Megablockbuster "Top Gun" erwies sich dabei als der Prototyp dieser neuen Art von Film, der oft auch als High Concept betitelt wurde...
Das Kino der 1980er Jahre zeichnete sich primär durch visuelle und akkustische Reize sowie schnelle Schnitte aus. Die Geschwindigkeit wurde im Kino bis zum äussersten getrieben. Dieser Wandel in der Gesinnung des Kinopublikums stand konträr zum New Hollywood- und Autorenkino der 1960er und 1970er Jahre, wo sich viel Zeit für die Entwicklung der Charaktere und der Handlung genommen wurde. Während in den Filmen dieses Jahrzehnts häufig auch sozial relevante Themen aufgegriffen wurden, zählte im Kino der 1980er Jahre die Weltflucht und Sensationslust zum A und O.
Es ist deshalb kaum verwunderlich, dass in diesem Jahrzehnt der High Concept-Film seine reinste Form annahm. Das High Concept konzentrierte sich dabei auf das wesentliche und hatte in der Regel die folgenden Merkmale:
Das High Concept wurde insbesondere vom Produzenten-Duo Jerry Bruckheimer und Don Simpson zelebriert. Mit dem von Kritikern verschmähten Tanzfilm "Flashdance" landeten sie 1983 einen überraschenden Kassenhit. Allein in den USA spielte der Streifen 93 Mio. $ ein, weltweit kamen gar über 200 Mio. $ zusammen. Ein gigantischer Erfolg.
"Flashdance", der massgeblich zum Revival des Tanz- und Musikfilm beitrug, war dabei ganz nach den Grundsätzen des High-Concept aufgebaut. Die Story ist simpel und handelt von der jungen Alex (Jennifer Beals), die tagsüber als Schweisserin arbeitet und abends in einer Bar tanzt. Dabei träumt sie von einer professionellen Karriere als Tänzerin. Selbstredend hat sie am Ende Erfolg. Die simple Geschichte wird dabei in visuell einprägsamen Bildern erzählt und von einem fetzigen Hitparaden-Soundtrack untermalt.
"Flashdance" traf den Nerv der Zeit und sprach insbesondere auch das weibliche Kinopublikum an, welches sich mit der Haupfigur Alex indentifizieren konnte. Sie stand für die moderne, selbstbestimmte Frau, welche unbeirrt ihre Ziele verfolgt und sich auch gegen Widerstände durchsetzen kann. Damit sprach sie der weiblichen Masse aus der Seele.
Den perfekten High Concept-Film für das männliche Publikum zauberte das Blockbuster-Duo Bruckheimer/Simpson nur drei Jahre später mit "Top Gun - Sie fürchten weder Tod noch Teufel" aus dem Hut. Darin spielt Tom Cruise den draufgängerischen Navy-Piloten Pete "Maverick" Mitchell, der selbstbewusst seinen Weg geht und auch gerne mal Regeln bricht. Damit eckt er zwar bei seinen Kollegen und Vorgesetzten an, gewinn am Ende jedoch deren Sympathien.
Genau wie "Flashdance" sind die Haupfiguren in "Top Gun" dabei emotional einfach zugänglich und auch wenig komplex gestaltet. Das Kinopublikum kann sich deshalb einfach und schnell mit ihnen identifizieren. Schattierungen und Grauzonen werden tunlichst vermieden, ganz nach dem Diktat des High Concept.
Für den Kassenerfolg hatte diese Simplizität jedoch enorme Vorteile und sorgte dafür, dass auch "Top Gun" das Publikum im Sturm eroberte. In den USA klingelten knapp 177 Mio. $ in den Kinokassen, währen weltweit 351 Mio. $ eingespielt wurden. Ein weiterer Triumph für den High Concept-Film und das erfolgsverwöhnte Produzenten-Duo Bruckheimer/Simpson.
Der Riesenerfolg des High Concept-Films war jedoch nicht nur auf die Werke von Bruckheimer und Simpson zurückzuführen sondern auch auf die MTV-Generation. Diese liebte nichts mehr als schnelle Schnitte und visuelle sowie akkustische Reize. Diese Bedürfnisse wurden von dem Fersehesender MTV, der in den USA erstmals am 1. August 1981 auf Sendung ging, kongenial befriedigt. Mit ihren zahlreichen Musikvideos boten sie der jungen Generation genau das, was sie wollte.
Das Musikvideo kann dabei im weitesten Sinne als eigentlicher Pionier des High Concept-Films angesehen werden. Es musste jeweils schnell und einfach eine klare Botschaft übermitteln und sich im Markt differenzieren. Auch musste ein Musikvideo unmittelbar visuell überzeugen und durch auffällige Effekte Aufmerksamkeit erzeugen. Diese Attribute widerspiegelten sich später exakt im High Concept-Film.