Sequelmania - Filme als Marke


Mehr ist mehr: Die 1980er Jahre markierten den Beginn der bis heute anhaltenden Sequelmania. Waren Fortsetzungen bis in die 1970er Jahre hinein auf den Leinwänden noch Mangelware, so änderte sich dies mit den Erfolgen von "Krieg der Sterne", "Superman" und "Indiana Jones" schlagartig...

Obwohl auch in den 1970er Jahren Fortsetzungen von Blockbustern wie Der Pate (1972), Der Exorzist (1973) oder Der weisse Hai (1975) produziert wurden, nahm der Sequel-Boom erst in den 1980er Jahren Fahrt auf. Vor allem relativ preisgünstig inszenierte Horrorfilme wie "Halloween" (1978), "Freitag der 13." (1980) oder A Nightmare On Elm Street (1984) wurden bis zur Unkenntlichkeit fortgesetzt und feuerten so den Trend zu Fortsetzungsfilmen an. Ein Novum in den 1980er Jahren war jedoch, dass sich das fortsetzen nun auch vermehrt auf das Blockbuster-Kino konzentrierte. So erhielten u.a. die Kassenschlager Krieg der Sterne (1977), Superman (1978), Alien (1979), "Star Trek" (1979), Jäger des verlorenen Schatzes (1981), "Beverly Hills Cop" (1984), "Ghostbusters" (1984), "Police Academy" (1984) und Zurück in die Zukunft (1985) eine Weiterführung. 

 

Das aufgrund der Quantität nicht selten die Qualität leidete war leider eine unangehme Nebenerscheinung der Sequelmania. Viele Sequels versuchten schlicht, die Formel des Originals zu kopieren und setzten auf die "grösser, besser, lauter"-Philosophie. Doch zum Glück bestätigten immer wieder Ausnahmen die Regel. So konnten z.B. "Superman II - Allein gegen alle" (1980), Das Imperium schlägt zurück (1980), Star Trek II - Der Zorn des Khan (1982) und Aliens - Die Rückkehr (1986) ihren Vorgängern in qualitativer Hinsicht mühelos das Wasser reichen. Diese Sequels zeigten Hollywood wie es funktioniert und kopierten ihre erfolgreichen Vorgänger nicht einfach nur, sondern entwickelten die Hauptfiguren weiter oder verliehen ihnen neue Facetten. Auch bewiesen sie Mut zum Risiko und wagten auch mal ein Cliffhanger bzw. kontroverses Ende. Insbesondere "Das Imperium schlägt zurück" und "Star Trek II - Der Zorn des Khan" waren in dieser Hinsicht wegweisend.

 

Trotz der qualitativen Unterschiede der einzelnen Sequels konnten die Filme an den Kinokassen in der Regel überzeugen und waren für die produzierenden Studios eine lohnende Investition. Und nicht selten hatten etablierte Filmreihen den Status eines Markenartikels. "Star Wars", "Indiana Jones", "Superman" und "Star Trek" waren mehr als einfach nur Filme. Allein ihr Name bürgte für klingelnde Kinokassen und traumhafte Gewinne. So erwirtschaftete z.B. allein die "Star Wars"-Trilogie an den weltweiten Kinokassen schätzungsweise 1,25 Mrd. $.

 

Mit ihrem hohen Wiedererkennungwert konnten sie jedoch auch ausserhalb des Kinos effizient vermarktet werden und eigneten sich ideal fürs Merchandising. So überschwemmte insbesondere "Star Wars" den Markt mit zahlreichen Produkten wie z.B. Spielzeugpuppen, Bücher, T-Shirts und Raumschiff-Bausätzen. Spielzeughersteller Kenner verkaufte allein zwischen 1978 und 1985 über 300 Millionen Actionfiguren, von denen es rund 100 verschiedene gab. Allein 1978 und 1979 machten sie damit jeweils über 100 Mio. $ Umsatz, fast soviel wie "Krieg der Sterne" an den US-Kinokassen bei seiner Erstaufführung einspielte (221 Mio. $).

 

Bizarrer Höhepunkt der Sequelmania: 23 Jahre nach dem bahnbrechenden Original folgte die Fortsetzung von "Psycho", "Psycho II" (1983).
Bizarrer Höhepunkt der Sequelmania: 23 Jahre nach dem bahnbrechenden Original folgte die Fortsetzung von "Psycho", "Psycho II" (1983).

 

Doch die Rechnung ging nicht immer auf. So konnten z.B. "Grease II" (1982), "Der Clou II" (1983), "Conan, der Zerstörer" (1984), "Poltergeist II - Die andere Seite" (1986) oder "Nr. 5 gibt nicht auf" (1988) an den Kinokassen nicht überzeugen. Und auch vermeintliche Kassengaranten wie "Rambo III" (1988) oder "Karate Kid III" (1989) blieben weit hinter den Erwartungen zurück. Dabei erwies sich insbesondere "Rambo III" als herbe Enttäuschung gegenüber seinem Blockbuster-Vorgänger. Während "Rambo II - Der Auftrag" (1985) weltweit 300 Mio. $ in die Kinokassen spülte, konnte das dritte Kapitel gerademal 189 Mio. $ einspielen. Eigentlich eine beeindruckende Summe, doch in Anbetracht der 63 Mio. $ Produktionskosten, von welchen allein Hauptdarsteller Sylvester Stallone 16 Mio. kassierte, dennoch zu wenig um als lupenreiner Erfolg zu gelten.

 

Eine der grossen Überraschungen des Sequelbooms war die Fortsetzung zu Alfred Hitchcocks Thrillerklassikers Psycho (1960). 23 Jahre nach dem ersten Teil durfte Anthony Perkins in der Rolle des geistesgestörten Norman Bates zurückkehren und munter weitermorden. Trotz mittelmässiger Kritiken spielte "Psycho II" bei Produktionskosten von 5 Mio. $ allein an den US-Kinokassen fast 35 Mio. $ ein. Genug Geld, um 1986 eine weitere Fortsetzung folgen zu lassen. Diese floppte dann jedoch endgültig und beendete schliesslich die Geschichte des Psychopathen mit Mutterkomplex. 

 

Es war jedoch nicht so sehr die Sequelmania, die Universal zur Umsetzung der Fortsetzung bewegte sondern vielmehr der grassierende Slasher-Filmboom. Denn Hitchcocks Original von 1960 gilt aufgrund seiner legendären Duschszene, in welcher die weibliche Hautpfigur von Norman Bates in der Dusche mit mehreren Messerstichen getötet wird, als die heimliche Mutter des Slasherfilms.

 

Der Slasherfilm selbst bot mit seinen zahlreichen Psychopathen wie z.B. Michael Myers ("Halloween"), Jason Vorheers ("Freitag der 13.") oder Freddy Krueger ("A Nightmare on Elm Street") wiederum der perfekte Nährboden für Sequels. Diese schossen dann auch wie Pilze aus dem Boden und sorgten dafür, dass das Horrofilmgenre in den 1980er Jahren boomte wie nie zuvor. Ein Grund dafür war auch die Tatsache, dass Horrorfilme - inbesondere diejenigen des Slasher Subgenres - über geringe Produktionskosten verfügten und deshalb in der Regel auch schnell Gewinne einfuhren.

 

Für die Blockbuster-Sequels mussten die Filmstudios schon tiefer in die Tasche greifen. Häufig waren auch die Gehälter der Kreativen ein Grund dafür, da diese auch dafür sorgten, dass die Massen ins Kino strömten. So kostete z.B. "Beverly Hills Cop II" mit 27 Mio. $ das doppelte seines Vorgängers. Ein Grossteil davon kassierte Hauptdarsteller Eddie Murphy (8 Mio. $). 

 

Häufig war es bei den Blockbuster-Sequels aber auch so, dass bereits das Original ein ordentliches Budget hatte. So kostete "Indiana Jones und der Tempel des Todes" (1984) mit 28 Mio. $ nur 6 Mio. mehr als sein Vorgänger ("Jäger des verlorenen Schatzes"). Auch "Ghostbusters II" war mit Produktionskosten von zwischen 30 und 40 Mio. $ ähnlich teuer wie das Original (25-30 Mio. $). 

 

Die Sequelmania der 1980er Jahre war in vielerlei Hinsicht für Hollywood wegweisend. Denn das Fortsetzen hörte in den 1990er Jahren nicht etwa auf sondern verstärkte sich gar noch. Schliesslich etablierte sich das Sequel zu einem der lukrativsen Filmformen in der Geschichte der Traumfabrik und ist heute nicht mehr aus der Kinolandschaft wegzudenken. 


Die erfolgreichsten Sequels der 1980er Jahre


Die Auflistung der Filme erfolgt anhand des US-Box-Office (inkl. Kanada). Die Einspielergebnisse sind nicht um die Inflation bereinigt. Wenn möglich und falls bekannt wird nur das Ergebnis der Erstaufführung berücksichtigt.

 

  1. Die Rückkehr der Jedi-Ritter (1983) - 252,6 Mio. $
  2. Indiana Jones und der letzte Kreuzzug (1989) - 197,2 Mio. $
  3. Das Imperium schlägt zurück (1980) - 181,4 Mio. $
  4. Indiana Jones und der Tempel des Todes (1984) - 179,9 Mio. $
  5. Beverly Hills Cop II (1987) - 153,7 Mio. $
  6. Rambo II - Der Auftrag (1985) - 150,4 Mio. $
  7. Brennpunkt L.A. (1989) - 147,3 Mio. $
  8. Rocky IV - Der Kampf des Jahrhunderts (1985) - 127,9 Mio. $
  9. Rocky III - Das Auge des Tigers (1982) - 124,1 Mio. $
  10. Zurück in die Zukunft II (1989) - 118,5 Mio. $
  11. Karate Kid II - Entscheidung in Okinawa (1986) - 115,1 Mio. $
  12. Ghostbusters II (1989) - 112,5 Mio. $
  13. Star Trek IV: Zurück in die Gegenwart (1986) - 109,7 Mio. $
  14. Crocodile Dundee II (1988) - 109,3 Mio. $
  15. Superman II - Allein gegen alle (1981) - 108,2 Mio. $
  16. Aliens - Die Rückkehr (1986) - 85,2 Mio. $
  17. Star Trek II: Der Zorn des Khan (1982) - 78,9 Mio. $
  18. Star Trek III: Auf der Suche nach Mr. Spock (1984) - 76,5 Mio. $
  19. Auf der Jagd nach dem Juwel vom Nil (1985) - 76,0 Mio. $
  20. Mit Vollgas nach San Fernando (1980) - 70,7 Mio. $
  21. Das ausgekochte Schlitzohr ist wieder auf Achse (1980) - 66,1 Mio. $
  22. Superman III - Der stählerne Blitz (1983) - 60,0 Mio. $
  23. Police Academy 2 – Jetzt geht’s erst richtig los (1985) - 55,6 Mio. $
  24. Rambo III (1988) - 53,7 Mio. $
  25. Star Trek V: Am Rane des Universums (1989) - 52,2 Mio. $
  26. Nightmare on Elm Street 4 (1988) - 49,4 Mio. $
  27. Der weisse Hai 3D (1983) - 45,5 Mio. $
  28. Nightmare III – Freddy Krueger lebt (1987) - 44,8 Mio. $
  29. Police Academy 3 – … und keiner kann sie bremsen (1986) - 43,6 Mio. $
  30. Poltergeist II – Die andere Seite (1986) - 41,0 Mio. $