In kaum einer Dekade wurde mehr geschlitzt und gekillt als in den 1980er Jahren. Der Slasher-Film erlebte seine Blütezeit und zielte insbesondere auf die Gruselfreude junger Kinobesucher ab. Dabei waren besonders auch Frauen von dem Genre angetan...
Beim Slasherfilm handelt sich um ein Subgenre des Horrorfilms, in welchem psychopathische Killer ihren Opfern auflauern und diese auf brutalste Weise umbringen. Die Filme basieren auf dem "Zehn-kleine-Negerlein"-Prinzip und die einzige Frage, die sich der Zuschauer stellt, ist diejenige, welcher von den Protagonisten wohl als nächstes stirbt.
Die Geburtsstunde des Slasherfilms (zu deutsch etwa: Schlitzerfilm) läutete John Carpenters aussergewöhnlich erfolgreicher Horror-Schocker "Halloween - Die Nacht des Grauens" (1978) ein. Der gerademal 325'000 $ "teure" Streifen spielte an den weltweiten Kinokassen rund 70 Mio. $ ein - für einen Film dieses Genres ein hervorragendes Ergebnis. "Halloween" war der Prototyp des Slasherfilms. Serienkiller wurden plötzlich salonfähig und erlangten in Form von Jason Vorhees ("Freitag, der 13."), Freddy Krüger ("A Nightmare On Elm Street") und Michael Myers ("Halloween") gar Kultstatus.
Da die Slasherfilme meist über sehr geringe Produktionskosten verfügten, warfen sie in der Regel relativ hohe Gewinne ab und eigneten sich daher ideal als Nährboden für Fortsetzungen. So entstanden z.B. von "Halloween" bis 2002 insgsamt sieben Sequels und von "Freitag, der 13." bis 1993 gar neun. Allein die fünf "Halloween"-Filme der 1980er Jahre brachten dabei an den US-Kinokassen 69 Mio. $ ein - bei Produktionskosten von insgesamt gerademal 15 Mio. $. Für die "Freitag der 13."-Reihe sah es sogar noch besser aus: Die acht Filme generierten auf dem US-Markt Einnahmen von Total 206 Mio. $, kosteten insgesamt aber nur läppische 20 Mio. $.
Der Slasherfilm war also ein äusserst lukratives Geschäft für Hollywood. Ironischerweise wurde der Boom aber nicht durch die klassischen Hollywoodstudios ausgelöst, da "Halloween - Die Nacht des Grauens" eine Independent-Produktion war. Dies traf mehrheitlich auch auf die zahlreichen anderen Slasherfilme der 1980er Jahre zu, jedoch wurden diese vermehrt mit Hilfe der grossen Major-Studios vertrieben. John Carpenters "Halloween" musste sich Ende der 1970er Jahre aber noch auf unabhängige Verleiher wie z.B. Aquarius Releasing und Compass International Pictures stützen.
Neben "Halloween - Die Nacht des Grauens" werden oft auch "Blutgericht in Texas" (1974, besser bekannt unter dem US-Titel "Texas Chainsaw Massacre") und der kanadische Schocker "Black Christmas" (1974) als legitime Begründer des Slasherfilm angesehen. Letzterer konnte jedoch nur im Heimatland die Kinokassen klingeln lassen und wurde in den USA aufgrund enttäuschender Einspielergebnisse innert kürzester Zeit wieder vom Markt genommen. "Black Christmas" hatte jedoch bereits zahlreiche Zutaten, welche "Halloween" und den Slasher später so populär machen sollten.
So wurde insbesondere von der subjektiven Kamera gebraucht gemacht, die das Geschehen immer wieder aus der Sicht des Mörders filmt. Auch das serienhafte Töten junger Mädchen sowie das Motiv des Final Girls wurde in "Black Christmas" aufgegriffen. "Blutgericht in Texas" enthielt ebenfalls einige dieser Zutaten. Am Ende war es jedoch der enorme Kassenerfolg von John Carpenters "Halloween" der die Slasherfimwelle so richtig ins Rollen brachte.
Ein augenfälliges Merkmal der Slasherfilme war u.a., dass die Geschichten meistens an speziellen Tagen im Jahr spielten so z.B. an Halloween ("Halloween"-Reihe), Valentinstag ("Blutiger Valentinstag", 1981), Weihnachten ("Christmas Evil", 1980), Neujahrstag ("Rocknacht des Grauens", 1980) oder an Geburtstagen ("Ab in die Ewigkeit", 1980).
Auch waren die Filme häufig von gleichem Handlungsmuster, wobei am Ende meist nur eine Person oder das sogenannte Final Girl überlebte. Das Final Girl zeichnet sich meist durch eine sittsame Lebensweise aus (kein Alkohol oder Drogenkonsum) und ist meist auch sexuell unerfahren.
Umgekehrt sind die ersten Opfer meist Jugendliche, welche zuvor sexuell aktiv waren oder Drogen- und Alkohl konsumierten. Damit zielte der Slasherfilm natürlich in erster Linie auf das jugendlich-pubertierende Publikum ab. Es war daher kaum verwunderlich, dass die unter 17-Jährigen 45% des Publikums ausmachten.
Die unter 17-Jährigen entschieden also massgeblich über Erfolg oder Misserfolg eines Slasherfilms, weshalb von den produzierenden Studios peinlichst darauf geachtet wurde, dass die Filme jeweils eine R-Rating-Freigabe erhielten. Ein X-Rating - was bei der Brutalität einzelner Streifen nicht auszuschliessen war - bedeutete den finanziellen Todesstoss.
Erstaunlich am Slasherfilm war insbesondere, dass dieser auch das weibliche Publikum anzusprechen vermochte. So lag z.B. der Anteil der weiblichen Kinozuschauer bei "Halloween" (1978) und "Freitag, der 13." (1980) bei über 55%. Einer der Hauptgründe hierfür war der, dass meist starke weibliche Hauptcharaktere in den Filmen zu finden waren. Somit konnten auch die Sympathien der weiblichen Zuschauer geweckt werden. Insbesondere Jamie-Lee Curtis entwickelte sich mit Filmen wie "Halloween" (1978), "Prom Night" (1980), "Monster im Nachtexpess" (1980) oder The Fog - Nebel des Grauens (1980) zur starken Frauenfigur und Ikone des Horrorkinos.
Der Slasherfilm erreichte seinen Höhepunkt im Jahre 1983, als rund 60% der US-Box-Office-Einnahmen von Slasherfilmen stammten. Bis zum Ende des Jahrzehnts verlor das Subgenre jedoch an Attraktivität und erlebte bis zur Wiederbelebung Ende der 1990er Jahre durch die selbstironische Genrehommage "Scream - Schrei" (1997) eine längere Durststrecke.
Die Auflistung der Filme erfolgt anhand des US-Box-Office (inkl. Kanada). Die Einspielergebnisse sind nicht um die Inflation bereinigt. Wenn möglich und falls bekannt werden nur die Beträge der Erstaufführung berücksichtigt.
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