Let's Twist Again: In den 1980er Jahren wurde im Kino äusserst gerne und ausgiebig getanzt. Ob Patrick Swayze oder Kevin Bacon, ob Jennifer Grey oder Jennifer Beals - praktisch jeder wollte das Tanzbein schwingen. Musik und Tanz war wieder voll im Trend...
Nachdem "Grease - Schmiere" und "Nur Samstag Nacht" Ende der 1970er ein Millionenpublikum begeisterten, wurde der in den 1930er Jahren so populäre Tanzfilm wieder massentauglich. Dank dieser unerwarteten Erfolge produzierten die Filmstudios zu Beginn der Dekade zahlreiche Tanz- und Musikfilme.
Filme des Genres erfreuten sich insbesondere beim jugendlichen Publikum grosser Beliebtheit. Die wichtigste Zielgruppe Hollywoods gab im Kino massgeblich den Ton an und befeuerte nicht nur den Slasher- und Teeniefilmboom sondern auch das Revival des Tanz- und Musikfilms.
Insbesondere zu Beginn der 1980er Jahre verlangten die Teenies nach Filmen mit Tanz- und Musikeinlagen und lösten bereitwillig Kinotickets für Filme dieser Art. Der Tanz- und Musikfilm war aber nicht mit dem Genre des Musicals gleichzustellen. Ganz im Gegenteil. Denn während das Musical eine Geschichte in musikalischer Form und mit Hilfe von Gesangseinlagen erzählt, rückt der Tanz- und Musikfilm das Tanzen und die Musik bewusst ins Zentrum. Es dreht sich förmlich alles darum.
Aus der Dutzendware der zahlreichen Tanz- und Musikfilme sollte in den 1980er Jahren schliesslich neben "Fame - Der Weg zum Ruhm" (1980), "Staying Alive" (1983), "Purple Rain" (1984) und "White Nights – Die Nacht der Entscheidung" (1985) insbesondere drei Filme hervorstechen: "Flashdance" (1983), "Footloose" (1984) und "Dirty Dancing" (1987).
"Flashdance" erzählt von der jungen Alex (Jennifer Beals) die tagsüber als Schweisserin arbeitet und abends in einer Bar als Tänzerin auftritt. Ihr Ziel ist es, in eine Tanzschule aufgenommen zu werden.
Die Story von "Footloose" dreht sich um den jungen Ren (Kevin Bacon), der als Rockfan eine bieder-konservative US-Kleinstadt von dem Nutzen seiner Lieblingsmusik überzeugen will. Dabei organisiert er ohne Einwilligung der Behörden einen Schülerabschlussball.
"Dirty Dancing" schliesslich lässt die 1960er Jahre nostalgisch aufleben und erzählt von der Liebesgeschichte zwischen der aus der Oberschicht stammenden Frances (Jennifer Grey) und dem aus der Unterschicht stammenden Tanzlehrer Johnny (Patrick Swayze). Diese treffen sich zufällig im Sommer des Jahres 1963 und verlieben sich unsterblich ineinander. Doch bis zum finalen Happy-End müssen noch einige Hindernisse überwunden werden.
"Flashdance" spielte an den US-Kinokassen 93 Mio. $ ein während es "Footloose" auf immerhin 80 Mio. $ brachte. Beide Filme zählten damit jeweils zu den Top Ten ihres Jahrgangs. "Dirty Dancing" hingegen verfehlte mit einem US-Box-Office von 63 Mio. $ nur knapp die Top Ten-Qualifikation. Dennoch entwickelte er sich zum absoluten Kulthit und feierte insbesondere ausserhalb der USA gewaltige Erfolge.
Insbesondere in Deutschland war "Dirty Dancing" ein regelrechtes Kinokassenphänomen und lockte 8,7 Millionen Besucher in die Vorführsäle. Damit war er nicht nur um einiges erfolgreicher als "Flashdance" (3,84 Mio. Besucher) und "Footloose" (1,93 Mio. Besucher) sondern zählt auch heute noch zu den erfolgreichsten Filmen aller Zeiten.
Allen drei Filmen war aber nicht nur der Erfolg an den Kinokassen vergönnt sondern vor allem auch der musikalische. "Flashdance" verkaufte allein in den USA über 6 Millionen Soundtrackalben, während von "Footloose" sogar 9 Millionen abgesetzt wurden. "Dirty Dancing" schliesslich übertraf mit rund 11 Millionen Exemplaren locker beide Filme.
Aber nicht nur die Soundtrack-Verkaufszahlen sprachen Bände sondern auch die künstlerischen Auszeichnungen. So wurde "Flashdance" für den Song Flashdance... What a Feeling mit dem Oscar ausgezeichnet während "Dirty Dancing" die begehrte Tropähe für (I've Had) The Time Of My Life gewinnen konnnte. Einzig "Footloose" ging trotz Nominierung für den Titelsong leer aus.
Neben dem finanziellen und musikalischen Erfolg hattem die drei Film noch eines gemeinsam: durchwachsene Kritiken. Während "Flashdance" von den zeitgenössischen Schreiberlingen förmlich zerrissen wurde, ging es "Footloose" nur bedingt besser. Einzig "Dirty Dancing" kam einigermassen gut weg. Allen Filmen wurde aber ironischerweise der zu starke Fokus auf die Tanzchoreographie unter Vernachlässigung der Story und Charaktere vorgeworfen.
Der Boom des Tanz- und Musikfilms hielt trotz der enormen Popularität von "Flashdance", "Footloose" und "Dirty Dancing" nicht besonders lange an. Bereits ab Mitte der Dekade flachte der Trend allmählich ab.
Dennoch verschwanden Filme dieser Richtung nicht gänzlich aus den Kinos sondern feierten in unregelmässigen Abständen immer mal wieder Einzelerfolge (z.B. "Strictly Ballroom – Die gegen alle Regeln tanzen", 1992, "Save the Last Dance", 2001, "Step Up", 2006, "Stomp the Yard", 2007). Zu einem vergleichbaren Boom wie in den 1980er Jahren ist es seither aber nie wieder gekommen.
Die Auflistung der Filme erfolgt anhand des US-Box-Office (inkl. Kanada). Die Beträge sind nicht um die Inflation bereinigt.
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