Pickel und Probleme - Der Teeniefilmboom


Das Kino der 1980er Jahre stand ganz unter dem Zeichen der Pubertät. Streifen wie "Porkys"  oder "Ferris macht blau" erfreuten sich grosser Beliebtheit und lockten insbesondere das junge Kinopublikum in die Vorführsäle...

Der Grundstein für den 1980er-Teeniefilm legte die Komödie "Porky's" (1982). Obwohl die Witze meist unter die Gürtelline zielten, erfreute sich der Streifen grosser Beliebtheit und spielte allein an den US-Kinokassen über 105 Mio. $ ein. Damit war er trotz R-Rated-Freigabe einer der grösste Kassenschlager des Jahrzehnts.

 

Im Kern dreht sich die Handlulng von "Porky's" primär um die ersten sexuellen Erfahrungen von Jugendlichen in den 1950er Jahren. Diese will eine Gruppe junger Schüler u.a. in der legendären Schmuddel-Bar Porky's sammeln. Doch dort sind sie nicht besonders willkommen.

 

Selbstredend kam "Porky's" nicht über oberflächlichen Klamauk und die üblichen pubertären Teenager-Schmuddelszenen hinweg, dennoch war er für den Teeniefilm der 1980er Jahre wegweisend. Der Riesenerfolg des Films löste einen regelrechen Boom aus und setzte die wichtigste Zielgruppe Hollywoods endlich ins Zentrum. In der Folge entstanden zahlreiche Teeniestreifen in unterschiedlichen Variationen.

 

Sex, Drogen & Alkohol - Die Zutaten des typischen Teeniefilms

 

Die Story des typischen Teeniefilms dreht sich meist um eine Gruppe pubertierender Teenager, die ihre ersten Erfahrungen mit Drogen, Sex und Alkohol machen. Insbesondere das Thema Sexualität war häufig im Zentrum der Handlung und so enthielten zahlreiche Teeniefilme nicht selten einiges an nackter Haut. 

 

Die Zelebrierung der Nacktheit hatten die Teeniefilme u.a. auch mit dem boomenden Slasherfilm der 1980er Jahre gemeinsam. Dies war auch kaum verwunderlich, denn in den Slasherfilmen waren überwiegend Jugendliche die Hauptakteure, weshalb das Horror-Subgenre bei dieser Zielgruppe auf besonders grosse Resonanz stiess.

 

Eine weitere "Verwandschaft" zeigte sich auch mit dem Tanz- und Musikfilm, der ebenfalls in der ersten Hälfte der 1980er Jahre boomte. Da die Jugendlichen besonders musikbegeistert waren machten sie Filme wie "Flashdance" (1983), "Footloose" (1984) und "Dirty Dancing" (1987) zu riesigen Kassenhits. 

 

Auch die Tanz- und Musikfilme drehten sich häufig um Liebe und damit auch im weitesten Sinne um die Sexualität. Da jedoch die Musik im Zentrum stand, waren explizite Nacktszenen eher die Ausnahme denn die Regel. Diese blieben überwiegend dem trivialen Teeniefilm wie z.B. "Die letzte amerikanische Jungfrau" (1982), "Die Klassenfete" (1983) oder "Private School - Die Superanmacher" (1983) vorbehalten.

 

Die Gegenetwürfe zur plumpen Teenie-Sexklamotte: Die Teenie-Milieustudien "Die Outsiders" (1983, Tom Cruise & Emilio Estevez) und "Das Messer am Ufer" (1987, Keanu Reeves)
Die Gegenetwürfe zur plumpen Teenie-Sexklamotte: Die Teenie-Milieustudien "Die Outsiders" (1983, Tom Cruise & Emilio Estevez) und "Das Messer am Ufer" (1987, Keanu Reeves)

 

Es geht auch anders: Der Teeniefilm als Reflektionsfläche für Jugendprobleme

 

Der typische Teenagerfilm war in der Regel auf oberflächliche und triviale Unterhaltung ausgelegt. Es gab jedoch auch löbliche Ausnahmen von dieser Teenie-Standardware. So entstanden in den 1980er Jahren u.a. auch solch prägende Jugendfilme wie Francis Ford Coppolas herausragendes Coming-of-Age-Drama Die Outsider (1983), Rob Reiners geniale Stephen King-Verfilmung Stand by Me - Das Geheimnis eines Sommers (1986), John Hughes einfühlsamer The Breakfast Club (1986) oder Tim Hunters verstörender Thriller "Das Messer am Ufer" (1986, mit dem späteren Matrix-und "John Wick"-Star Keanu Reeves in einer seiner ersten wichtigen Rollen).

 

Alle diese Jugendfilme thematisierten auf sensible und tiefgründige Weise den Preis und die Schattenseiten des Erwachsenwerdens. Damit verliehen sie auch den zahlreichen Problemen der Jugend (z.B. Drogen, Gewalt, soziale Benachteiligung) ein reales Gesicht. Dabei scheuten sie auch nicht davor zurück, die widrigen Lebensumstände der jeweiligen Figuren zu beleuchten. Insbesondere "Die Outsider" und "Das Messer am Ufer" stechen hier als prägnante Beispiele hervor.

 

Trotz dieser Ausnahmefilme thematisierten die Teeniestreifen der 1980er Jahre die Probleme des Erwachsenwerdens aber insgesamt eher auf triviale Weise und gaben deshalb auch kaum gesellschaftskritische Impulse wie z.B. die Jugendfilme der 1950er Jahre (u.a. "Der Wilde" [1953], ...denn sie wissen nicht, was sie tun [1955] oder "Die Saat der Gewalt" [1955]).

 

Diese Filme waren geprägt durch eine Auflehnung der Jugend gegen die autoritäre und meist patriarchalische Herrschaft der Erwachsenen. Die Jugendfilme der 1980er hingegen konzentrierten sich primär auf eine exzessive Darstellung der neugewonnenen Freiheiten der Jugend.


Die erfolgreichsten Teeniefilme der 1980er


Die Auflistung der Filme erfolgt anhand des US-Box-Office (inkl. Kanada). Die Beträge sind nicht um die Inflation bereinigt.

 

  1. Karate Kid II - Entscheidung in Okinawa (1986) - 115,1 Mio. $
  2. Porky's (1982) - 105,5 Mio. $
  3. Karate Kid (1984) - 90,8 Mio. $
  4. Lockere Geschäfte (1983) - 63,5 Mio. $
  5. Ferris macht blau (1986) - 70,1 Mio. $
  6. Stand by Me - Das Geheimnis eines Sommers (1986) - 52,3 Mio. $
  7. Die Rache der Eierköpfe (1985) - 40,9 Mio. $
  8. Pretty in Pink (1986) - 40,5 Mio. $
  9. Karate Kid III - Die letzte Entscheidung (1989) - 39,0 Mio. $
  10. Kleine Biester (1980) - 34,3 Mio. $
  11. Porky's II - Der Tag danach (1982) - 33,8 Mio. $
  12. Teen Wolf (1985) - 33,1 Mio. $
  13. The Lost Boys (1987) - 32,2 Mio. $
  14. Can't Buy Me Love (1987) - 31,6 Mio. $
  15. Die Outsider (1983) - 25,7 Mio. $