Der DVD-Boom


Nie wieder Bänderriss: Die DVD eroberte Ende der der 1990er Jahre in Windeseile die Privathaushalte. Dies war auch kaum verwunderlich, denn die Vorzüge gegenüber der VHS-Kassette waren zahlreich...

Die Fortschritte der Computertechnologie sowie die Voranschreitung der Digitalisierung der Gesellschaft führten Ende der 90er Jahre zu einer umwälzenden Erfindung: der Digital Video Disc, kurz DVD.

 

Die DVD hatte gegenüber der VHS gleich mehrere Vorteile:

  • Sie verfügte über viel mehr Speicherplatz
  • Sie hatte eine bessere Bild- und Tonqualität
  • Die Bildqualität unterlag praktisch keiner Abnutzung
  • Sie war in der Herstellung billiger als eine VHS-Kassette

Damit waren die Pluspunkte nicht nur auf Seiten der Hersteller sondern auch auf Seiten der Käufer. Während sich bei einer Videokassette die Bildqualität mit jedem anschauen zusehends verschlechterte, konnte eine DVD auch nach dem x-ten mal anschauen in immer der gleichen Qualität angesehen werden.

 

Kein Bänderriss, kein Zurückspulen

 

Zudem hatte die DVD den Vorteil, dass sie kaum anfällig war für mechanischen Verschleiss. Während die Bänder der VHS-Kassette sich auch mal im Viderekorder verfangen konnten und damit schlimmstenfalls Stellen des Films unbrauchbar machten, so war dies bei der DVD nicht möglich.

 

Auch musste die DVD nicht wie das Video zurückgespult werden und hatte ausserdem den Vorteil, dass mühelos zu verschienden Stellen des Films gesprungen werden konnte. Dabei half auch das Menü der DVD, welches den Film in verschiendene Kapitel unterteilte. 

 

Ein weiterer insbesondere für Filmfans grosser Pluspunkt waren die Special Features. Diese warfen einen interessante Blick hinter die Kulissen und boten u.a. Kinotrailer, Audiokommentare oder Making-of-Dokumentationen. Filmliebhaber konnten nun nicht mehr nur einfach Filme kaufen, sondern erhielten zusätzlich die Möglichkeit, mehr über die jeweiligen Streifen und ihre Entstehung zu erfahren.

 

All diese zahlreichne Vorzüge machten es der DVD leicht, sich in Windeseile auf dem Markt durchzusetzen und innnerhalb weniger Jahre die VHS-Kassette vollständig zu verdrängen.

 

Die DVD als Goldgrube und Revival für Klassiker

 

Nebst den vielen technischen Vorteilen hatte die DVD natürlich auch finanzielle. Und auch diesmal sowohl für die Verkäufer als auch die Käufer.

 

Aufgrund der niedrigen Herstellungskosten einer DVD konnten die Filmstudios dank dem entfachten DVD-Boom die explodierenden Stargehälter und Marketingkosten auffangen und zusätzlich Gewinne einstreichen.

 

Ausserdem sorgte die Silberscheibe für einen wahren Run auf Klassiker. Von "Der Zauberer von Oz" über Ben-Hur bis Krieg der Sterne konnten zahlreiche filmische Evergreens in neuer und teils nie zuvor gesehener Bild- und Tonqualität genossen werden. Die beliebten Special Features brachten taten ihr übriges um den Verkauf anzukurbeln.

 

Wie zahlreiche Kinoklassiker erfreute sich auch "Ben Hur" (1959) eines Upgrades auf DVD
Wie zahlreiche Kinoklassiker erfreute sich auch "Ben Hur" (1959) eines Upgrades auf DVD

 

Hollywood konnte sich nun erneut auf eine alte Tradition berufen: den Wiederverkauf alter Titel in einem neuen Medium. Was bei der VHS-Kassette und früher auch beim Verkauf von Filmrechten an TV-Sender funktionierte galt auch für die DVD. Nur diesmal in einem nie zuvor gesehenen Ausmass.

 

Dieser Boom alter Filmklassiker hatte auch den Vorteil, dass ebendiese bereitwillig von den Rechteinhabern digitalisiert wurden. Dabei konnte bei zahlreichen Filmen die Bild- und Tonqualität merklich aufgebessert werden. Die "Auffrischung" dieser alten Filme in neuer Qualität sollte auch die Grundlage für spätere Weiterentwicklungen wie z.B. der Blu-ray Disc sein.

 

Die enorme Nachfrage nach den Silberlingen führte dazu, dass der Verkauf von DVD's zu Beginn der 2000er Jahre so richtig durch die Decke ging. Während im Jahr 2000 in den USA noch 188 Millionen Einheiten verkauft wurden, waren es nur sechs Jahre später sage und schreibe 1,3 Milliarden. Gleichzeitig sank der Anteil an VHS-Kassetten im gleichen Zeitraum von 565 Millionen auf gerademal 6 Millionen. Ein klares Votum für die Silberscheibe.

 

Doch wie jeder Boom hielt auch der DVD-Boom nicht ewig an. Als die Sättigung Mitte der 2000er Jahre erreicht war sanken auch die Umsätze allmählich. Die DVD wurde jedoch wie einst die VHS-Kassette zu einem der wichtigsten finanziellen Standbeine Hollywoods.


Quellen: