Die Actionlandschaft der 1980er Jahre war geprägt von überdimensionierten Muskelprotzen wie Arnold Schwarzenegger oder Sylvester Stallone. Die 1990er Jahre hingegen verabschiedeten sich radikal von diesem Image und setzten erfolgreich auf "menschlichere" Actionhelden. "Realismus" war die Devise...
Die in den 1980er Jahren initiierte Welle des Actionfilms erlebte seine Weiterführung auch in den 1990er Jahren. Doch während in den 1980er Jahren die Actionhelden mehrheitlich überlebensgrosse, muskelbepackte und unbesiegbare Kampfmaschinen waren, so zeichnete sich das Actionkino der 1990er vor allem durch zweifelnde und menschlichere Charaktere aus.
Pionier auf diesem Gebiet war zweifelsohne Keanu Reeves. Mit Streifen wie "Gefährliche Brandung" (1991), Speed (1994), "Ausser Kontrolle" (1996) und Matrix (1999) etablierte er sich als unkonventioneller Actionheld. Seine Charaktere kombinierten in der Regel Maskulinität mit Sensibilität. So mimte er in "Gefährliche Brandung" und "Speed" zwar den muskelbepackten Cop, verlieh den Figuren jedoch gleichzeitig auch Verletzlichkeit und Selbstzweifel. Keanu Reeves verschmelzte mit seinem Actiontypus dadurch souverän das Actionkino der 1980er mit dem der 1990er und vermochte auch insbesondere das weibliche Publikum für sich zu gewinnen.
Neben Reeves prägt Mitte des Jahrzehnts insbesondere auch Nicolas Cage das Bild des neuen Actionhelden. Nach seinem Oscargewinn als Bester Hauptdarsteller in dem Trinkerdrama Leaving Las Vegas (1995) stieg Cage ins Actionfach um und landete mit "The Rock - Fels der Entscheidung" (1996), Im Körper des Feindes (1997) und "Con Air" (1997) gleich drei Actionhits in Folge. Dabei mimte er meist den unscheinbaren Jedermann, der auch Furcht und Verzweiflung ausdrücken konnte. Seinen Figuren verlieh er dabei nur allzu menschliche Ecken und Kanten.
Auch Superstar Harrison Ford konzentrierte sich in den 1990er Jahren auf realistisches Actionkino. In Streifen wie "Die Stunde der Patrioten" (1992), Auf der Flucht (1993) oder "Das Kartell" (1994) verlieh er seinen jeweiligen Charakteren emotionale Sensibilität, Intelligenz und Verletzlichkeit.
Selbst im patriotischen Actionfeuerwerk "Air Force One" liess er diese Eigenschaften gelegentlich durchblitzen. Gleichzeitig konnte er wie gewohnt ordentlich für Recht und Gerechtigkeit zulangen.
Interessanterweise wurden von der Vermenschlichung des Actionkinos auch altgediente Ikonen nicht verschont und so erhielt auch James Bond mit Hauptdarsteller Pierce Brosnan nach sechs Jahren Leinwandpause eine Frischzellenkur. War dies in "Goldeneye" (1996) und "Der Morgen stirbt nie" (1997) noch nicht ganz so offensichtlich, so schlug "Die Welt ist nicht genug" (1999) schon andere Töne an und liess den sonst so unverwundbaren 007 auf einmal verletzlich erscheinen.
Englands berühmtester Geheimagent war nun nicht mehr länger der Über-Macho und unbesiegbare Draufgänger sondern ein mit Gefühlen und Zweifeln ausgestatteter Mensch. Dem Erfolg der Franchise tat diese Neuorientierung keinen Abbruch und die Filme konnten endlich wieder an die grossen Erfolge Roger Moores anknüpfen.
Auch die Top-Actionstars der 1980er, Sylvester Stallone und Arnold Schwarzenegger, versuchten sich dem Zeitgeist anzupassen. Mit Actionkomödien wie "Stopp! Oder meine Mami schiesst" (1992) oder "True Lies - Wahre Lügen" (1994) versuchten sie vor allem ihr Image des knallharten Actionhelden ironisch zu brechen. Mit wechselhaftem Erfolg.
Nebst der Veränderung des Actiontypus vom brachialen Brutalo hin zum sensiblen Kämpfer brachten die 1990er Jahre auch wieder eine alte Form der Action in die Kinos zurück: das Martial-Arts. Das Subgenre hatte seinen Höhepunkt in den 1970er Jahren dank Legenden wie Bruce Lee und der Verbreitung des Hongkong-Kinos, verschwand in den 1980ern aber wieder zunehmend von der grossen Leinwand.
Ende der 1990er waren Handkantenschläge und Roundhouse-Kicks im Mainstream-Kino aber plötzlich wieder in Mode. Dafür sorgte nebst Jackie Chan mit seinen Actionkomödien (z.B. "Rumble in the Bronx", 1995, "Rush Hour", 1998) insbesonere ein Film: Der innovative Actionknüller Matrix (1999).
In dem Streifen spielt Keanu Reeves einen Computer-Hacker, der feststellen muss, dass er in einer Computersimulation gefangen ist und die Menscheit von Maschinen versklavt wird. Mit Hilfe seines Mentors Morpheus (Laurence Fishburne) und dessen Helfern sagt er den Maschinen den Kampf an.
Und dieser hatte es für die Kinogänger echt in sich: Neben zahlreichen spektakulären Kung-Fu-Einlagen bot "Matrix" noch nie zuvor gesehene Actionszenen von ungeheurer Wucht und verband diese nebenbei mit philosophischem Gedankengut über wahre Freiheit und das Wesen der Realität.
Damit veränderte "Matrix" nicht nur die Sehgewohnheiten der Kinozuschauer sondern stellte für das Actionkino auch eine weitere Transformation dar. Action durfte nun nicht mehr einfach nur dem Selbstzweck dienen sondern vermochte sowohl visuell als auch inhaltlich neue Akzente zu setzen.
Die Auflistung der Filme erfolgt anhand des weltweiten Box-Office. Die Einspielergebnisse sind nicht um die Inflation bereinigt.
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