Der Terroranschlag des 11. September 2001 erschütterte nicht nur eine Nation sondern die ganze Welt. Ähnlich wie bei beim Vietnamkrieg dauerte es eine Weile, bis sich Hollywood diesem sensiblen Thema annahm. Doch die filmische Verarbeitung des Traumas beschränkte sich nicht nur auf 9/11 sondern auch auf den darauffolgenden Zweiten Irakkrieg. Dabei scheuten die einzelnen Werke auch nicht vor einer kritischen Reflektion zurück...
Als am 11.September 2001 die Zwillingstürme des World Trade Center durch einen beispiellos-boshaften terroristischen Akt zerstört wurden, stand die ganze Welt unter Schock. Dieser Akt der Grausamkeit löste tiefe globale Verunsicherung aus und hinterliess die amerikanische Volksseele mit einem Trauma ungeahnten Ausmasses. Als Folge davon wurden nicht nur weltweit die Sicherheitsvorkehrungen erhöht sondern es begann ein Krieg gegen das Unsichtbare - ein Krieg gegen den Terror. Dieser mündete für Amerika schliesslich im Zweiten Irakkrieg.
Die tiefen Wunden, die 9/11 und später der Irakkrieg verursachten, wurden erstmals im Jahre 2006 filmisch verarbeitet. In relativ kurzen Zeitabständen erschienen "Flug 93" und "World Trade Center" in den US-Kinos. Beide Filme nahmen sich den Anschlägen des 11. Septembers an. Und beide Filme stellten dabei die unschuldig Beteiligten in den Vordergrund.
Während "Flug 93" dem Mut der zivilen Passagiere, welche sich den Terroristen auf dem Flug der United Airlines 93 entgegenstellten, ein Denkmal setzt, macht dies "World Trade Center" für die Rettungskräfte (Feuerwehr, Polizei, Sanität, etc.), welche beim Anschlag auf die Zwillingstürme ihr Leben riskierten, um anderen zu helfen.
An den US-Kinokassen waren beide Filme respektable Kassenerfolge. "Flug 93", bei welchem der Brite und ehmalige Dokumentarfilmer Paul Greengrass (Die Bourne Verschwörung, 2004) Regie führte, spielte bei Produktionskosten von 15 Mio. $ allein in den USA 31 Mio. $ ein. Weltweit kamen insgesamt knapp 77 Mio. $ zusammen. "World Trade Center", den Verschwörungsexperte und Platoon-Schöpfer Oliver Stone verfilmte, war gar noch erfolgreicher und spielte auf dem US-Markt 70 Mio. $ ein und weltweit 163 Mio. $. Mit einem Budget von 65 Mio. $ war er aber auch um einiges teurer als "Flug 93".
Der Erfolg der beiden Streifen, die auch bei den Kritikern auf Wohlwollen stiessen, signalisierte damit Hollywood, dass seitens des Publikums eine Bereitschaft besteht, sich mit den tragischen und erschütternden Ereignissen des 11. Septembers auseinanderzusetzen. Auch deuteten die Filmstudios die Erfolge der Filme als Zeichen, dass das Kinopublikum auch für Filme über den Zweiten Irakkrieg, der am 20. März 2003 startete, bereit sind. Zumindest war dies die Annahme.
Im selben Jahr wie "Flug 93" und "World Trade Center" startet auch der erste Film, der sich mit dem Zweiten Irakkrieg auseinandersetzte: Irwin Winklers "Home of the Brave". Der Streifen schildert dabei vom Leben von drei Irakkrieg-Veteranen, die sich nach ihrem Dienst fürs Vaterland im Zivilleben zurechtfinden müssen. Dabei müssen Sie mit ihren psychischen Traumata und physischen Verletzungen klarkommen.
"Home of the Brave" war mit 12 Mio. $ moderat budgetiert. Mit Samuel L. Jackson, 50 Cent und Jessica Biel in den Hauptrollen war er jedoch prominent besetzt. Doch trotz redlicher Bemühungen, den zahlreichen Soldaten des Irakkriegs ein Gesicht zu geben, scheiterte der Streifen sowohl bei den Kritikern als auch beim Publikum. In den USA spielte er nur knapp 51'000 $ ein - ein katastrophales Ergebnis und ein herber Rückschlag für das gutgemeinte Bewältigungskino.
Ähnlich erging es auch dem subtilen und weitaus besser rezensierten Kriminaldrama "Im Tal von Elah" (2007). Darin spielt Oscarpreisträger Tommy Lee Jones (Auf der Flucht, 1993) einen ehemaligen Kriegsveteranen und Militärpolizisten, der das Verschwinden seines kürzlich aus dem Irakkrieg entlassenen Sohnes aufklären will. Hilfe erhält er von einer engagierten Polizistin (Charlize Theron). Der schwermütige und erschütternde Streifen konnte trotz seiner filmischen Qualität an den Kinokassen nicht überzeugen. Bei Produktionskosten von 23 Mio. $ brachte er in den USA lediglich 6,8 Mio. wieder ein. Weltweit kamen nur 29 Mio. $ zusammen.
"Home of the Brave" und "Im Tal von Elah" waren stellvertretend für die Unberechenbarkeit des Irakkriegfilms. Denn Filme zu dem kontroversen und auch schwer verdaulichen Thema hatten es an den (US-)Kinokassen schwer.
Dies war auch kaum verwunderlich, denn Morde und Greueltaten unter Soldaten, psychische Traumata, Fahnenflucht und gar offene Kritik am US-Militarismus liessen sich nur schlecht verkaufen. Diese Themen waren einfach zu viel des Guten und das (US-)Kinopublikum konnte ihnen immer weniger abgewinnen.
Daran konnte auch Kathryn Bigelows Ausnahmeerfolg "Tödliches Kommando - The Hurt Locker" (2008) nicht viel ändern. Ihr grandioses Bombenentschärfer-Porträt wurde nicht nur mit sechs Oscars (u.a. auch als Bester Film) ausgezeichnet sondern konnte endlich auch an den Kinokassen wieder Erfolge verbuchen. Bei Produktionskosten von 15 Mio. $ konnte er weltweit 49 Mio. $ einspielen, wovon 17 Mio. auf den US-Markt entfielen. Für den Irakkrieg-Film kam dieser Erfolg dennoch zu spät und als Folge war der Irakkrieg - zumindest im Kino - innert kürzester Zeit beendet.